Lehrer ist bedeutsam für Trossinger Heimatgeschichte

Lesedauer: 4 Min
Dieses Schild in Gauger-Nähe weist auf den Trossinger Heimatforscher hin.
Dieses Schild in Gauger-Nähe weist auf den Trossinger Heimatforscher hin. (Foto: Walter Haas)
Walter Haas

Wanderern ist dieses Schild am Gauger sicherlich schon aufgefallen: „Lehrer-Wilhelm-Weg“. Doch wer war dieser Lehrer Wilhelm, dessen Todestag sich 2021 zum 85. Mal jährt? Ein Rückblick auf die Verdienste des Heimatforschers.

Recht zahlreich wird zur Zeit von Spaziergängern die Gegend um den Gauger begangen. Wer sich an der Roßwette-Brücke nicht zum Gaugersee hin orientiert, sondern nach links Richtung Kolpingheim, liest das Straßenschild „Lehrer-Wilhelm-Weg“ mit dem Zusatz „Trossinger Heimatforscher 1867-1936“. Bald schon kommt man am Denkmal für Ludwig Wilhelm vorbei und kann auf einer Bank daneben ausruhen. Für alle, denen diese beiden Erinnerungshinweise zu wenig aussagen, soll hier ein kurzer Abriss dieses für die Trossinger Heimatgeschichte so wichtigen Menschen gegeben werden.

Ludwig Wilhelm war kein Trossinger, sondern ein „Reingeschmeckter“. 1867 in Weilstetten bei Balingen geboren, kam er 1903 als Lehrer nach Trossingen und war als solcher bis 1927 tätig. Wilhelm liebte die Natur und konnte diese Liebe auf seine Schüler übertragen. Mit ihnen pflanzte er am bisher kahlen Gauger (Schafweide) ein Bäumchen um das andere, bis ein waldbestandener Hügel als Vogelparadies entstanden war. Der Gedenkstein wurde von der dankbaren bürgerlichen Gemeinde anlässlich seines 100. Geburtstages im Jahr 1967 im Schatten der von ihm gepflanzten Bäume aufgestellt und gleichzeitig der Weg zwischen heutigem Kolpingheim und „Alte Steige“/Trosselbachbrücke als „Lehrer-Wilhelm-Weg“ benannt.

Sein größtes Verdienst um Trossingen war jedoch die Sammlung von geschichtlichen Dokumenten über Trossingen, das Alemannendorf. Er hätte gerne seinen Schülern einen fundierten Heimatkunde-Unterricht erteilt, doch fehlte es an Unterlagen für die Ortsgeschichte. Durch Befragung beinahe aller damaligen Einwohner von Trossingen hat er mündliche Überlieferung gesichert und aufgeschrieben. Mit der Plattenkamera hat er vieles an Altbestand selbst aufgenommen.

Seine gesammelten geschichtlichen Schätze erschienen im Jahr der Stadterhebung von Trossingen, 1927, in einem Heimatbuch mit dem Titel: „Unsere Trossinger Heimat“. Ludwig Wilhelm hat sich nach dem Abschluss seines Lebenswerks zur Ruhe gesetzt, ist aber nicht in seiner Wahlheimat verblieben. In Konstanz verbrachte er die Jahre seines Ruhestandes bis zu seinem Tod im Jahr 1936.

Ludwig Wilhelm hat es verdient, dass sich die Einwohnerschaft von Trossingen mit Respekt und Anerkennung dieses fleißigen Heimatforschers heute noch erinnert, kam er doch als Fremder hierher und verließ Trossingen nach Hinterlassen eines großen Schatzes. Er schrieb einmal über den damaligen Trossinger Volkscharakter folgenden Satz: „Alles ist bitterer Ernst und das Leben und Fröhlichsein nicht in dem Maße zu Hause wie im Unterland oder drunten am Rhein“.

Meist gelesen in der Umgebung
Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen