Komponisten aus zwei Generationen

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Robert Menczel und Stefanie Berger haben die „Schwerstbesetzung“ „Vier Kinderstücke“ von Stephan Marc Schneider gemeistert.
Robert Menczel und Stefanie Berger haben die „Schwerstbesetzung“ „Vier Kinderstücke“ von Stephan Marc Schneider gemeistert. (Foto: icks)
Schwäbische Zeitung
Cornelia Addicks

Zu den siebten Tagen der neuen Gitarrenmusik in Trossingen hatte die Hochschule Frank Michael und Stephan Marc Schneider als Dozenten geladen. Beim Abschlusskonzert am Freitag waren gleich drei Uraufführungen zu hören.

„Very Cold Songs“ hatte Gesamtleiter Andreas Grün das diesjährige Event betitelt. Er bezog sich dabei auf das „sehr kalte Lied“ Schneiders, das wiederum auf Henry Purcells Semi-Oper von anno 1691 hinweist. Interpretiert wurde das eigenwillige Kondensat am Freitag von Martin Köhler auf der Les Paul E-Gitarre und der Sängerin Judith Gamp. Ebenfalls aus 2016 war Schneiders „what is it like“, bei dem außer den beiden Gitarren auch noch zwei Smartphones und sieben Tischtennisbälle – einer davon orange – zum Einsatz kamen. Die Interpreten der drei mit „to be“ beginnenden Sätze waren Kentaro Nakata und Elina Rommeley.

Auch aus dem Vorjahr stammt die „Nacht ohne Träume“ für Gitarre und Tonband, deren „extreme Freiheiten in der Gestaltung“ (Zitat aus dem Programmheft) Shuo Liu zu nutzen wusste.

Schon vier Jahre früher hatte Schneider, 1970 in Karlsruhe geboren, das Solo „genauso wie die anderen“ geschrieben, dessen fünf Sätze, darunter „cool – laut und schnell“ und „unbeirrt“, Mikolaj Pociecha spielte.

Bereits elf Jahre alt und trotzdem erst am Freitag uraufgeführt sind Schneiders „Vier Kinderstücke“, die aber dem Titel zum Trotz vom Komponisten als „Schwerstbesetzung“ bezeichnet werden. Dieser Herausforderung stellten sich der Gitarrist Robert Menczel und die Pianistin Stefanie Berger.

In derselben Besetzung erklang eine der beiden Uraufführungen des 1943 in Leipzig geborenen Komponisten Frank Michael: das „Lichtgitter op.110. Die Töne wirkten hier zeitweise gespenstisch. Die Pianistin umging zu Beginn die Tasten und brachte die Saiten direkt durch verschiedene Werkzeuge zum spinettähnlichen Klingen; der Gitarrist setzte Vibrato ein, nutzte einen Metallring und zerrte herb an den Saiten seines Instruments.

Auch Frank Michaels „Hör aus gelben Blumenwänden schwirren jähe Liebesschreie“, sein Opus Nr. 134 aus 2016 wurde im Musiksaal zum ersten Mal öffentlich aufgeführt. Die drei Interpreten Shuo Liu, Mikolaj Pociecha und Martin Köhler nutzen den ganzen Bühnenraum für die Umsetzung des von Andreas Grün getätigten Kompositionsauftrags. Applaus gab es von dem überschaubaren aber sachkundigen Publikum für Komponisten und Musiker.

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