Klangreise führt vom Clavichord zum Konzertflügel

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Am Ende des Abends dankte Anton Hermann Ye-Ran Kim und Prof. Marieke Spaans. (Foto: Jutta Bärsch)
Jutta Bärsch

Das Klavierhaus Hermann hat sein Jubiläumsjahr zum 25-jährigen Bestehen mit einem Gesprächskonzert eröffnet. Natürlich ging es um Klaviere. Marieke Spaans, Professorin für historische Tasteninstrumente an der Trossinger Musikhochschule, bot eine kurzweilige, unterhaltsame Stunde rund um die Geschichte des Klaviers.

Zum Beginn spielte sie das Präludium in C-Dur, das Eingangsstück zum „Wohltemperierten Klavier“ von Johann Sebastian Bach auf einem Clavichord. Die Zuhörer des bis auf den letzten Platz gefüllten Kulturspeichers, erlebten das Präludium auf einem Instrument, dass in der heutigen Zeit der Verstärker im ersten Moment kaum hörbar anmutete. Doch an den leisen Klang gewöhnt, konnten sie den Harmoniewechseln des bekannten Musikstücks nachspüren.

Prof. Spaans erklärte, dass dieses nach der Orgel älteste Tasteninstrument, entstanden in der Mitte des 14. Jahrhunderts, auch das leiseste seiner Art ist. Es bietet über einen Hebel einen besonders intimen Kontakt zwischen Finger und Saite. Zu seiner Zeit war es das gebräuchlichste Hausinstrument. Die einfache Bauweise und das geringe Gewicht machten es möglich, dass Mozart es auf Reisen mitnehmen konnte. Von Mozart spielte Prof. Spaans dann auch auf dem Clavichord die Fantasie in d-moll. Sie brachte den Gehalt dieser klassischen Musik besonders durch sinnerfüllte Darstellung von Konsonanz und Dissonanz zum Ausdruck.

Das nächste von ihr präsentierte Instrument war ein Hammerflügel, Nachfolger des Cembalos. Der Hammerflügel bietet dem Pianisten die Möglichkeit, Stücke in unterschiedlichen Lautstärken zu spielen, von piano bis forte, daher der Name Pianoforte, was beim Cembalo nicht möglich ist. Nach den erklärenden Worten demonstrierte Prof. Spaans die Fähigkeiten des Hammerklaviers an Mozarts Sonate in a-Moll und Haydns Adagio in G-Dur. Letzteres ist ein Stück Klavierkammermusik, denn der Komponist verwendete es später als Mittelsatz in einem Klaviertrio. Die Professorin interpretiert Mozart und Haydn nicht mechanisch, metronomisch. Vielmehr verleiht sie ihrem Spiel so viel Freiheit wie nötig, ohne Willkür. Sie spürt dem Sinn und den Gefühlsinhalten der Kompositionen nach.

Zu Entwicklung des heutigen Flügels kam es zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als nicht nur Adel und Kirche, sondern der Bürger an Konzerten teilhaben wollte. Für große Säle brauchte man Tasteninstrumente mit starkem Klangvolumen und rauschenden Wirkungen mittels Haltepedal. Die junge südkoreanische Pianistin Ye-Ran Kim aus der Solistenklasse von Prof. Baynov an der Musikhochschule präsentierte sich an einem modernen Flügel.

Nach Haydns „Fantasia“ zeigte sie, wie Komponisten des romantischen Zeitalters im 19. Jahrhundert die neuen klanglichen Möglichkeiten eines Flügels geradezu rauschhaft ausnutzen. Sowohl Frédéric Chopin wie auch Sergej Rachmaninoff fordern die schnellen Finger des Pianisten über die 88 Tasten der Klaviatur. Ye-Ran Kim brillierte mit ihrem perfekten Spiel in Chopins Etüde Op. 25, Nr.12 und Rachmaninoffs Etüden –Tableau Nr. 1 & 6. (sz)

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