Kaltblüter Max holt die Baumstämme aus dem Wald

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Spaziergänger haben am Donnerstag schon genau hinhören müssen, um mitzubekommen, dass im Waldstück bei der Viereckschanze Holz gerückt wurde. Ganz ohne Abgase und Krach arbeitet Heinz Schleicher zwischen den Bäumen mit nur einem PS: seinem Rückepferd Max.

Mehrere Meter lang sind die Stämme, die Max aus dem Wald zieht. Kein Problem für den sanften Riesen: 750 Kilo bringt das polnische Kaltblut auf die Waage, sagt Heinz Schleicher. Max ist eines von vier Rückepferden, die im Stall seines Forstbetriebs in Deißlingen stehen. Für größere Stämme spannt er auch schon mal mehrere seiner Vierbeiner gemeinsam an. Stark müssen sie für den Job sein, ruhig, robust und auf jeden Fall gehorsam. „Unsere Pferde“, sagt Schleicher, „machen die Arbeit gerne.“

Seit 1975 zieht er mit Kaltblütern zum Holzrücken los. „Früher hatten wir sechs Pferde und waren teilweise täglich mit drei oder vier von ihnen im Wald unterwegs“, erinnert sich Schleicher. Inzwischen wird er seltener zum Holzrücken mit nur einem PS engagiert. „Das ist eine Preisfrage“, erläutert er. Die Leistung eines Pferdes sei kleiner als die einer Maschine, der Festmeter-Preis dadurch höher. „Am Besten kombiniert man Pferd und Maschine“, sagt Schleicher, der in seinem Forstbetrieb mit beidem arbeitet.

Dabei ist die Rückearbeit mit Pferden für den Wald schonender als die Maschinen. „Die Umweltbelastung ist natürlich geringer“, bestätigt Trossingens Revierförster Klaus Butschle. Die Pferde können auch in schwierigerem Gelände und auf nassen Böden eingesetzt werden. Rückegassen sind dabei auch für die Vierbeiner nötig. „Für längere Strecken ab 50 Metern ist auch eine Rückegasse nötig, sonst wird es zu anstrengend“, sagt Heinz Schleicher.

Der Baumbestand in dem Gebiet, wo Max im Einsatz war, ist ein noch junger, berichtet Butschle. „Die Stämme werden als Masten in die Schweiz verkauft.“

Rund 15 Prozent der gefällten Stämme im betreffenden Bereich konnten nicht mittels einem Kran von den Rückegassen aus aus dem Wald gehoben werden, so Butschle. „Wir hätten die Möglichkeit gehabt, sie über lange Drahtseile mit einem Schlepper rauszuziehen. Stattdessen haben wir uns für Heinz Schleicher und sein Pferd entschieden.“ Es sei wichtig, Forstbetriebe, die noch Pferde einsetzen, zu fördern und zu unterstützen. „Wir haben in dem Bereich eine ebene Fläche, wo das Pferd gut durchkommt“, fügt Butschle hinzu.

„Sechs bis acht Stunden kann ein Pferd im Wald arbeiten“, meint Heinz Schleicher. Max arbeitet am Donnerstag etwas kürzer, er war seit einem halben Jahr nicht mehr im Einsatz. Für den Vierbeiner wiederholt sich beim Rücken immer der gleiche Zyklus: vom Aufsuchen eines Stammes, einer Pause, während dieser angehängt wird, der Lastfahrt und einer Pause beim Abhängen. Während Heinz Schleicher die Stämme an einer Kette befestigt, bleibt Max einfach stehen und kaut zufrieden auf seinem Gebiss. Davonzutraben käme ihm gar nicht in den Sinn.

14 Jahre ist Max alt. Schleicher rechnet damit, dass er zum Holzrücken eingesetzt werden kann, bis er 18 oder 20 ist. „Die Pferde, die früher jeden Tag im Wald waren, kamen mit 15 Jahren in Rente“, sagt er. Max zieht hingegen nur ein paar Mal im Jahr Stämme aus dem Wald - und hat damit noch einige Jahre als Rückepferd vor sich.

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