Integratives Musikprojekt in Trossingen für zwei weitere Jahre gesichert

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Hannah Monninger (stehend) hat die Betreuung des inklusiven Musikprojektes des FED mit der Musikhochschule in Trossingen übernom
Hannah Monninger (stehend) hat die Betreuung des inklusiven Musikprojektes des FED mit der Musikhochschule in Trossingen übernommen. Miriam Hees (sitzend Mitte) ist Teilnehmerin des Projektes. Sie ist von der Mischung aus Musik und Bewegung begeistert. Die Geschäftsführer des FED, Karin Jesse (sitzend links) und Andreas Weckerle (stehend), sowie Uli Breinlinger haben das Projekt „Theater mit Musik“ initiert und begleiten es. (Foto: Matthias Jansen)
Redaktionsleiter

Das inklusive Musikprojekt „Theater mit Musik“ des Familienentlastenden Dienstes (FED 2000) aus Tuttlingen mit der Hochschule in Trossingen geht in die Verlängerung. Eine Förderzusage der Aktion Mensch ermöglicht es, zwei weitere Jahre Menschen mit Beeinträchtigungen gezielt zu fördern. Das Geld reicht sogar dafür aus, um für Hannah Monninger als Betreuerin des Projektes eine 25-Prozentstelle beim FED einzurichten.

Vor drei Jahren ist das Inklusionsprojekt an der Musikhochschule gestartet worden. Seitdem ist Hannah Monninger dabei. Als Theaterpädagogin, die in Trossingen ihren Master in Rhythmik und Performance macht, hat sie die Gelegenheit ergriffen, um in der Theatergruppe frühzeitig inklusiv mit Menschen mit Behinderung zu tun zu haben.

Durch die erneute Förderung des Projektes kann sie sich zusätzlich zu dem Gruppentermin am Mittwoch (15.45 bis 19 Uhr) mit den Teilnehmern zu Einzelstunden verabreden. „Diese Zwischenposition ist spannend. Ich verabrede mich mit den Menschen und schaue, wo wir uns verbessern können“, sagt Monninger, die die Theatergruppe zwischenzeitlich geleitet hat. Durch die Einzelförderung könne sie besondere Talente erkennen und den Kontakt zu Studenten außerhalb ihres Studienfaches als Experten herstellen. „Wenn ein Teilnehmer gut rappt, und ein Student das auch kann, dann bringen wir sie zusammen“, sagt sie.

Vom inklusiven Projekt profitieren alle Teilnehmer

Für Studenten habe das Musikprojekt den Nutzen, dass sie Chancen erhalten, Praxis im Umgang mit Menschen mit Einschränkungen zu sammeln. Die Teilnehmer, so sagt es Monninger, würden durch das Hören der Musik „ein Bewusstsein für die Bewegung und den Raum erhalten“. Dabei spiele es mittlerweile auch keine Rolle mehr, welche Musik zu hören ist. „Anfangs gab es Teilnehmer, die einen besonderen Musikgeschmack hatten. Jetzt ist das egal. Sie achten darauf, wie sich die Musik anhört und ob eine Geschichte erzählt wird“, berichtet die Trossinger Studentin aus ihrer Erfahrung. Einige Teilnehmer würden sich sogar bei einer bestimmten Musik Bewegungen merken.

Für Miriam Kees, die zu der Gruppe gehört, ist „alles besonders schön“. Sie freut sich vor allem darüber, dass das Selbstvertrauen gestärkt wird und man „sich selbst etwas zutraut“. Fast jedes Jahr findet von der Gruppe eine Aufführung statt. Anfangs, so sagt Kees, sei sie auf der Bühne nervös gewesen. „Jetzt ist es angenehm und lustig“, sagt sie.

Mit zwölf Teilnehmer und fünf Studenten ist die Gruppe stets gut besucht. Sechs Menschen kommen aus dem Wohnheim der Lebenshilfe, die ein Projektpartner des FED ist und mit einem Mitarbeiter die Wohnheimgruppe begleitet. Die Einschränkungen sind dabei sehr unterschiedlich. Es habe bereits Teilnehmer gegeben, die auf den Rollstuhl angewiesen oder blind waren. „Das ist nicht nur eine Herausforderung, sondern eine Bereicherung“, meint Monninger, die beim FED angestellt ist.

Wie es mit dem Projekt in zwei Jahren weitergeht, ist noch nicht klar. Karin Jesse, stellvertretende Leitung beim FED und für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, meint, dass man es erneut bei der Aktion Mensch versuchen kann, eine Förderung zu erhalten. Vielleicht könne man aber auch über die Fortsetzung des Projekts von Seiten der Hochschule nachdenken. Das Projekt „Theater mit Musik“ sei schließlich ein guter Zusatz im Bildungsangebot. Um professionell in der Inklusion tätig sein zu können, bedarf es der Ausbildung während des Studiums. Dem pflichtet Monninger bei: „Man lernt nicht nur methodisch-didaktisch, sondern auch menschlich.“

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