Schuras neuer Ortsvorsteher Wolfgang Schoch ist bereits rege im Rathaus tätig.
Schuras neuer Ortsvorsteher Wolfgang Schoch ist bereits rege im Rathaus tätig. (Foto: Larissa Schütz)
Schwäbische Zeitung

Kommunalpolitisch kann Wolfgang Schoch auf langjährige Erfahrung zurückblicken: Ortschaftsrat, Gemeinderat, Kreistag. Jetzt sitzt er erstmals selbst im Chefsessel, und unsere Redakteurin Larissa Schütz hat mit dem neuen Ortsvorsteher darüber gesprochen, was er in Schura vorhat.

Die kommende Ortschaftsratsitzung ist ganz schön voll: Kreisverkehre, Feldwege, Verkehr … alles Themen, die Sie in der Vergangenheit immer wieder angeschnitten haben, gerne auch unter dem Punkt „Anfragen aus dem Ortschaftsrat“ . Wie fühlt sich das an, sie jetzt selbst auf die Tagesordnung setzen zu können?

Am Sonntag habe ich den Bürgermeister getroffen und er sagte zu mir: Das erste, was ich nach der Einsetzung von Ihnen bekommen habe, war die Tagesordnung für die nächste Sitzung. Er weiß, dass ich gleich in die Vollen gehe und ich denke, das erwarten die Bürger in Schura auch von mir. In ein politisches Amt wird man ja gewählt, um zu handeln.

Da ich in den Themen, die wir im Ortschaftsrat schon angestoßen haben, drin bin, gibt es keinen Bruch, sondern einen fließenden Übergang. Der Verkehr ist Dauerthema – bei meiner Durchsicht alter Akten hier im Rathaus habe ich festgestellt, dass schon in den 90er-Jahren Unterschriften gesammelt wurden, damit etwas dagegen unternommen wird. Man spürt ja auch heute an Protesten und bei der Einwohnerversammlung, wie wichtig den Leuten das Thema ist. Den Kreisverkehren, dem Entree der Stadt, bin ich schon lange hinterher, aber bisher hat sich leider noch nichts gebessert. Ich denke aber, die Stadt täte gut daran, sich hier in ansprechender Optik zu präsentieren.

Gerade eben kam ein Radfahrer hier im Rathaus vorbei, der sich über einen schmutzigen Feldweg beschwert hat …

… den ein Landwirt beim Acker-Pflügen verschmutzt hat, ja. Unsere Feldwege und ihr Sanierungsbedarf stehen ja auch auf der Tagesordnung für die Sitzung. Wie der Besucher eben beweist, sind das auch Freizeitwege, die im Radwegekonzept des Kreises aufgeführt und genutzt werden. Auf die Landwirte einzuschlagen, lokal oder bundesweit, sei es wegen der Feldwege, Gülle oder Glyphosat, halte ich für falsch. Wir brauchen unsere sechs Landwirte in Schura, und wir brauchen einen neuen, gesunden Dialog mit ihnen. Ein Thema, ads auch die Landwirte betrifft und in Schura auf uns zukommt, ist übrigens die Ausweisung eines neuen Wohngebiets. In dieser Hinsicht hat sich in Schura seit 30 Jahren nichts mehr verändert, worüber ich nicht unglücklich bin. Aber wir werden nicht drumherum kommen.

Gibt es auch ganz neue Themen, denen Sie sich in Schura widmen wollen?

Ich denke da an das soziale Gefüge in Schura. Dadurch, dass wir ein Straßendorf sind, hat der dörfliche Charakter gelitten. Vereine haben sich aufgelöst. Unsere Kirchengemeinde und Feuerwehr sind in der Trossinger Kirchengemeinde und Trossinger Feuerwehr aufgegangen. Bei den Einwohnerversammlungen sieht man wenig bis keine Neubürger. Wir müssen aufpassen, dass aus uns nicht nur der Schlafplatz für Leute aus Trossingen und Villingen-Schwenningen wird und kein sozialer Austausch mehr stattfindet, und das möchte ich ins Bewusstsein der Schuremer rücken.

Außerdem müssen wir junge Leute für die Kommunalpolitik gewinnen. Wenn Sie sich den Ortschaftsrat anschauen, dann betreffen alle Beschlüsse von Wohnraum bis zur Schule, die wir jetzt auf den Weg bringen, die junge Generation am Längsten. Ich glaube, die junge Generation denkt sehr politisch und ist auch verantwortungsbewusst. Wie sich Jugendliche bei den Fridays for Future engagieren muss einen doch begeistern, und auch der 8er-Rat in Trossingen zeigt, dass sie sich engagieren wollen. Jetzt müssen wir sie längerfristig für die Kommunen gewinnen. Natürlich lässt sich so ein Prozess nicht von oben überstülpen, sondern muss von unten nach oben wachsen – beispielsweise in Schulen und Vereinen -, aber jemand muss ihn anstoßen. Ich habe kein Patentrezept dafür, aber ich denke, das kann aus der Gesellschaft wachsen.

Bei Ihrer Einsetzung haben Sie gesagt, dass Sie sich lange und gut überlegt haben, ob Sie das Amt übernehmen. Was hat Sie letztlich dazu bewogen?

Es fand sich niemand sonst, der die Aufgabe schultern wollte, und meine Kollegen im Ortschaftsrat haben mich gebeten, sie zu übernehmen. Wissen Sie, in den vergangenen fünf Wahlperioden, also seit 1994, bin ich von Schura vier Mal als Stimmenkönig in den Ortschaftsrat und fünf Mal mit den meisten Stimmen aus Schura in den Gemeinderat gewählt worden, und ich bin der Meinung, dass es auch verpflichtet, wenn die Bürger mir ihre Stimmen geben. Und es ist eine Freude, wenn man gebraucht wird, wenn die Menschen Vertrauen in einen setzen. Man könnte also sagen, das Amt ist mir zugefallen – das Amt kam zum Mann, nicht der Mann zum Amt. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich es nun widerwillig ausübe. Im Gegenteil: Ich mache es mit voller Überzeugung. Was mir auch wichtig ist, ist ein gutes Klima im Ortschaftsrat, und da bin ich mit unserem Gremium richtig glücklich. Ich sehe mich nämlich weniger als Vorsteher, sondern als Teamplayer.

Vor welcher Aufgabe haben Sie den größten Respekt?

Ich habe vor dem gesamten Amt Respekt, wobei ich mich vor Verantwortung nicht scheue. Und vor den Bürgern mit all ihren verschiedenen Meinungen. Mir ist bewusst, dass man es als Ortsvorsteher nicht allen recht machen kann. Ganz neu für mich wird es, die direkten Bürgerbelange aufzunehmen, zu verwerten und gegebenenfalls umzusetzen. Ich habe auch Respekt vor dem Ortschaftsrat. Die Räte bringen Erfahrung und Fachwissen in verschiedenen Bereichen mit, und ich freue mich darauf, das zu bündeln. Es macht mir Spaß, verschiedene Meinungen zusammenzuführen.

Am Montag ist schon Ortschaftsrat, am Freitag dann schon Einwohnerversammlung. Hätten Sie sich einen ruhigeren Start in Ihr neues Amt gewünscht?

Nein, es ist gut, dass es gleich richtig losgeht. Ich will gleich Fahrt aufnehmen, so kommt man auch schneller in seine Aufgaben rein. Und hat die ersten Feuerproben gleich hinter sich. (lacht) Die Rede für die Einwohnerversammlung habe ich übrigens schon fertig.

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