„Ich bin ein leidenschaftlicher Trödelgänger“

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Schwäbische Zeitung

Von Angeln bis zum Zwiebeltopf ist am Wochenende auf dem Maschkeplatz gut wie alles zu finden gewesen: Es war Flohmarkt. Unsere Mitarbeiterin Moni Marcel hat sich unter den Verkäufern und Käufern umgehört.

Mit dabei war auch Veronika Heide aus Bärenthal, eine leidenschaftliche Verkäuferin. „Ich mache das, weil es Spaß macht“, betont die einstige Lokführerin im Bergbau. Inzwischen ist sie im Ruhestand. Sie freute sich, dass beim Flohmarkt die Sonne schien. „Wenn es regnet, kann es schon mühsam sein.“ Sie sei gerne in Trossingen, die Stadt gefällt ihr, und hier trifft sie, wie auch auf anderen Märkten, bekannte Händler („Man trifft sich ja oft wieder"). Angefangen mit den Flohmärkten hat sie nach einem Umzug, da blieb vieles übrig. „Und warum hätte ich es wegwerfen sollen? Außerdem tut man ja auch was für die Umwelt.“ Viele Menschen könnten es sich heute nicht mehr leisten, Dinge neu zu kaufen, da biete sich der Flohmarkt an. Veronika Heide spricht auch Russisch, was ihr auf dem Flohmarkt immer wieder zugute kommt. Wenn die Stimmung gut ist auf einem Markt, dann zückt sie auch gern mal ihr kleines Megaphon, aber das passe in Trossingen eher nicht - am Brunnen sei es dafür einfach zu ruhig.

Karin Wischalla ist mit ihrem Mann kürzlich nach Bad Dürrheim gezogen. „Wir haben uns verkleinert, nachdem die Kinder ausgezogen sind“, erzählt sie, und nun sei halt auch manches aus dem Haushalt übrig. Vieles wurde an Freunde und Bekannte verschenkt, und was die nicht brauchen konnten, verkauften sie in Trossingen. Deshalb konnten die Kunden hier auch manches umsonst mitnehmen. Und was am Ende des Tages nicht weggegangen war, verschenkten die Wischallas an andere Händler.

Corina und Andreas Messner aus Trossingen sind derzeit dabei, ihre Garage leerzuräumen - da sei der Flohmarkt geradezu ideal. Kisten mit Babysachen, für die die Kinder zu groß geworden sind, hatten sie dabei, und vieles mehr. Der Verkauf lief nicht perfekt, „aber immerhin haben wir die Standgebühr schon drin.“ Beide gehen jedes Jahr auf den Flohmarkt, der Erlös füllt die Urlaubskasse auf.

Ihren Kleiderschrank aussortiert hat Alexandra Zzegenyi, und ihr Vater hat einen mit Blumenkästen geschmückten, schön hergerichteten Leiterwagen samt Wagenrad beigesteuert. Was sie mit dem Erlös machen will, das wusste die junge Frau schon vor dem Verkauf: „Neue Kleider kaufen.“

Reiner Schmidt freute sich über den schönen Platz: „Das ist ein bisschen zu klein, aber super gemacht hier.“ Was ihm fehlte: Ein Kaffeestand. Er kommt aus Bisingen und war zum ersten Mal in Trossingen, Flohmärkte besucht er allerdings schon lange und gerne. „Ich bin ein leidenschaftlicher Trödelgänger“, erzählt er. Früher hat er lieber eingekauft, heute steht er auf der anderen Seite des Verkaufstisches. Auch, weil sich seine Tochter beschwert habe, dass er zuviel Trödel rumstehen hat. Also verkauft er, was er gesammelt hat: viele Hörbücher und besondere Fliesen von Villeroy und Boch, die allerdings bislang noch keinen großen Absatz gefunden haben. „Das Geld sitzt nicht mehr so locker bei den Leuten wie früher“, weiß er. Und wenn die Leute dann bei den günstigen Preisen auch noch handeln wollen, macht er nicht mit. „Dann sollen sie die Sachen lieber woanders kaufen.“

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