Heinrich del Core füllt Konzerthaus

Lesedauer: 6 Min
 Heinrich del Core bei seinem Auftritt im Konzerthaus.
Heinrich del Core bei seinem Auftritt im Konzerthaus. (Foto: Silvia Müller)
Silvia Müller

„Eine Veranstaltung am Nachmittag, ist ungewohnt für mich, doch ob ich jetzt daheim sitze….. – außerdem hab ich es ja nicht weit.“ Mit diesen Worten hat Heinrich del Core am Samstag sein Publikum im voll besetzten Trossinger Konzerthaus begrüßt. Den Nachmittagstermin zu spielen, dazu hatte sich Heinrich del Core bereit erklärt, nachdem die Karten für die Abendveranstaltung sehr schnell vergriffen waren und die Nachfrage immer noch groß war.

Er komme aus Rottweil und verstehe gar nicht, warum ihm seine Frau ein Hotelzimmer gebucht habe, fügte der Comedian hinzu, der sein Programm grundsätzlich in schwäbischer Mundart spielt. Ein Umstand, der in weiter nördlich gelegenen Bundesländern bisweilen zu Missverständnissen führt. Das erfuhren die Gäste im Verlaufe des Nachmittages. Dann nämlich, wenn del Core mit seiner Frau ausgehen möchte und ihr sagt, sie möge sich richten. „Das wird in Hamburg komplett anders verstanden als hier. Dort sage ich dann, sie solle sich restaurieren“, lässt der Künstler wissen.

Heinrich del Core betrat die Bühne und legte sofort los, indem er dem Publikum erklärte, dass er Bilder in ihrem Kopf erzeugen wolle. Das erzeuge eine Erwartungshaltung und sei dann wie beim Autofahren. Die Pointe gleiche einer Abbiegung um 90 Grad – wer gedanklich geradeaus fahre, habe andere Bilder im Kopf. Dem Gelächter der Gäste nach zu urteilen sind praktisch alle Anwesenden mit del Core gemeinsam abgebogen.

Der „italo-schwäbische Comedian“, Sohn eines Italieners aus der Provinz Apulien und einer Frau aus Rottweil, nahm die Besucher im Geiste mit, als er sich so seine Gedanken machte, wie man wohl die JVA einweihen werde, die in Rottweil entstehen soll. „Mit einem Tag der offenen Tür etwa.“ Oder als er die geplante Hängebrücke zum Testturm thematisierte: Die sei in ihrer Breite ja nur für eine Person konzipiert. Seine Überlegung ging dahin, wie lange eine Person mit einem Rollator wohl brauche, um hinüber zu kommen, und ob das Mitführen warmer Kleidung wohl nötig wäre, wenn diese Person im Frühjahr losgeht.

Doch Heinrich del Core macht kaum Scherze auf Kosten anderer. Er nimmt zumeist sich selbst auf den Arm und hält so vielen einen Spiegel vor. Manch ein Seitenhieb ist eingebaut, wie zum Beispiel, wenn er das High-Tech-Badezimmer eines befreundeten Paares beschreibt. „Das kann sich ja keiner leisten, höchstens ein Bischof.“ Immer ist er zum Brüllen komisch, nie Grenzen des guten Geschmacks überschreitend, so dass selbst das Thema Dusch-WC dermaßen lustig daher kommt, derart Bilder im Kopf erzeugt, dass das Publikum Tränen lacht.

Seine „Geschichten“ handeln vom täglichen Leben und seinen Widrigkeiten. Von einem Termin, den er in einer Kirche spielen musste. Der Andrang war so groß, dass das Gemeindehaus nicht ausreichte. Von der Begeisterung seiner Frau für den Thermomix und ihrem Unverständnis seinem Wunsch gegenüber, eine Drohne zu besitzen. Weihnachtsgeschenke und Wechseljahre, Mountainbiken und E-Bike fahren, die Deutschkenntnisse seines Vaters, das mediale Verhalten seiner Kinder, Urlaubsfahrten nach Italien, all diese Themen des täglichen Lebens nimmt sich der Stand-up-Comedian vor.

Einen besonderen Reiz gibt er seinem Programm, indem er immer wieder zu speziellen Themen zurückkehrt. So blitzt zum Beispiel der Thermomix wiederholt in anderen Geschichten auf, und auch der Wunsch nach einer Drohne kehrt immer wieder. Und in der Pause ist er ein Künstler zum Anfassen: Er lädt die Besucher ein, sich ein Autogramm geben zu lassen, er steht für ein Selfie zur Verfügung, „und sie dürfen mich auch anfassen“, so del Core. Mit der Zugabe macht der Träger vieler Auszeichnungen Lust auf sein neues Programm, indem er einen Einblick in die schwäbische Grammatik gibt.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen