„Habe noch nichts Hoffnungsloses erlebt“

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Mehrere Personen vor einer Wand
Lena Kral von Mediation DACH, Annette Sudol, Weltmeisterin Standardtanz, Anita von Hertel von Mediation DACH, Preisträger Boris Grundl, Sarah Heiligensetzer von Mediation DACH und Simone Segatori, Weltmeister im StandardTanz (v. l.) (Foto: Mediation DACH e. V.)
Schwäbische Zeitung

Der Trossinger Motivationstrainer Boris Grundl ist kürzlich mit dem Win-win-Innovationspreis des Mediation DACH ausgezeichnet worden. Wie er zwischen „Alphatieren“ der Geschäftswelt vermittelt, hat er unserer Redakteurin Larissa Schütz erzählt.

Sie wurden kürzlich von der Mediation DACH mit dem Win-win-Innovationspreis ausgezeichnet. Bedeuten Ihnen Preise inzwischen noch viel oder sind Sie eher der Ansicht, dass man sich von so etwas nicht beeindrucken lassen darf?

Nüchtern betrachtet: Es ist unglaublich, was wir Menschen im Kern alles dafür tun, um respektiert und anerkannt zu werden. Wenn jemand sagt, er braucht das nicht, er stünde da drüber, so ist das ein Mangel an Selbsterkenntnis. Reife Menschen wissen um dieses Bedürfnis nach Anerkennung und stehen dazu. Also ist diese Auszeichnung für mich einfach eine wunderschöne Sache. Eine tolle Bestätigung meiner Arbeit. Wichtig ist auch die Frage, von wem die Anerkennung kommt. In diesem Fall kommt sie von dem Verband DACH der Mediatoren mit hoher Fachkompetenz. Mediation bedeutet, dass Menschen in Spannungssituationen ihren Teil der Verantwortung daran erkennen, damit sich das Ganze weiterentwickeln kann. Meine Fähigkeiten zur Mediation haben sich langsam, über viele Jahre entwickelt und sind heute ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Denn Spannungssituationen unter Führungskräften kommen immer häufiger vor. Und fachlich so ausgezeichnet zu werden, ist natürlich toll.

Welchen Preis würden Sie gerne noch gewinnen?

Den Preis für den besten Vater des Jahrzehnts. Gleich nach dem Preis für den besten Ehemann aller Zeiten.

Die Verbandsvorsitzende hat sie als „einen der wichtigsten Vordenker und Vormacher unserer Zeit“ bezeichnet. Finden Sie sich in solchem Lob wieder?

Ich sehe mich als einen lernenden Lehrer. Ganz nüchtern gesehen bin ich inzwischen tatsächlich außergewöhnlich erfolgreich, besonders, wenn man meinen Werdegang als ehemaliger Hartz4-Empfänger im Rollstuhl betrachtet. Aber das Lernen inspiriert mich mehr als das Lehren. Deshalb bin ich mir einerseits meiner Stärken sehr bewusst, stelle aber auf der anderen Seite immer mal wieder alles infrage. Je nachdem, welche Seite von mir die Leute gerade sehen, finden sie mich dann stark und manchmal auch arrogant oder zu unsicher. Dieses ständige Ringen um Erkenntnis lässt einen zuerst zum Denker und schließlich zu einem Vordenker werden. Und dann als Vordenker und Vormacher bezeichnet zu werden, tut natürlich gut.

Dachten Sie als Mediator schon mal: Der Fall ist hoffnungslos?

Ich komme in meiner Arbeit oft mit sehr starken Persönlichkeiten zusammen – Alphatiere, die ohnehin nur zuhören, wenn man in ihrer Liga mitspielt. Inzwischen habe ich mir diese Liga erarbeitet, werde also ernst genommen. Sie sind bereit, zuzuhören. Bei Lösungen gibt es dann zwei Ebenen. Entweder Kompromisse auf gleicher Denkebene. Das ist immer etwas lahm und langweilig. Oder es kommt zum mentalen Wachstum durch die Auseinandersetzung. Dann entsteht mehr als zuvor da war. Das ist spannend. Und das ist es auch, was eine starke Mediation auszeichnet.

Bis jetzt habe ich noch nichts Hoffnungsloses erlebt. Das liegt aber auch daran, dass ich für diese Arbeit bezahlt werde.

Also muss ein Grundinteresse vorhanden sein. Sonst würde kein Geld bereit stehen.

Was machen Sie als Mediator, wenn es in Ihrem eigenen Team knallt?

Wissen Sie, da wäre ich als Mediator gar nicht geeignet. Je näher die Menschen an einem dran sind, desto schlechter kann man sie sehen. Das ist zu emotional, macht blind. Jemand von außen hat da einen klareren Blick.

Finden Sie, in der Politik fehlen gute Mediatoren?

Ach, die Politik ist ein anderes Spiel, mit anderen Regeln als in Unternehmen. Keins für Mediatoren. Da braucht es eher Dompteure. Da geht es um Macht und Seilschaften. Oft sind dort Konflikte Teil des Spiels. Die politische Bühne ist im Kern wie ein Theater für die Masse, wo mit Zuschauern über aktuelle Themen gestritten wird. Große Emotionen, große Aufregung ist dabei sehr wichtig. Und dahinter gibt es auch eine politische Ebene, auf der ruhig und zielorientiert gearbeitet wird. Jenseits des Theaters.

Woran arbeiten Sie gerade?

Gerade überarbeite ich mein zweites Buch „Steh auf“. Unter dem Titel „Steh auf. Das Ende aller Ausreden“ erscheint nächsten Monat die Neuauflage, jetzt übrigens auch auf Englisch.

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