Gymnasium pflegt Austausch mit China

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Bürgermeister Clemens Maier (6. v. r.) begrüßte die chinesischen Austauschschüler im Rathaus.
Bürgermeister Clemens Maier (6. v. r.) begrüßte die chinesischen Austauschschüler im Rathaus. (Foto: Larissa Schütz)

Besuch aus dem Reich der Mitte: 18 chinesische Austauschschüler aus der Sieben-Millionen-Stadt Hangzhou haben in den vergangenen Tagen in Trossingen Station gemacht - ein kurzer Zwischenstopp auf einer Rundreise, die sie in den kommenden Tagen bis nach Prag und Salzburg führt.

Die zwischen 15 und 17 Jahre alten Mädchen und Jungen aus Hangzhou besuchen die 10. und 11. Klassen des hiesigen Gymnasiums, bevor sie nach Heidelberg, Frankfurt, Nürnberg und über Prag und Pilsen in Tschechien nach Linz und Salzburg in Österreich weiterreisen.

Bürgermeister Clemens Maier - der sich schon bei seinem Eintritt über den Applaus der chinesischen Schüler freuen durfte - begrüßte die Gruppe am Mittwochmorgen im Rathaus. Der Austausch werde in Europa und Deutschland immer wichtiger, sagte er. „Viele Unternehmen haben Kontakte nach China, seien es dortige Partner oder Produktionsstätten - auch Trossinger Unternehmen“, führte er aus. Da sei es gut, wenn die Trossinger Schüler China bereits jetzt kennenlernen. Und auch die Schüler aus Hangzhou würden hoffentlich neue, interessante Eindrücke mitnehmen.

Maier ging auch auf die derzeitige weltpolitische Situation ein und erwähnte seine Sorgen wegen der chinesisch-amerikanischen Differenzen in Sachen Handel. „Die Zölle sind auch für unsere Wirtschaft ein Problem, aber vielleicht können wir ja so engere Beziehungen zu China knüpfen“, so der Bürgermeister und fügte an: „In jedem Risiko liegt auch eine Chance.“

Und nicht nur in Punkto Wirtschaft gibt es Berührungspunkte zwischen China und Trossingen: Maier ging auf die Partnerschaft der Hochschule für Musik mit der Tongji-Universität Shanghai ein. Im Anschluss an eine kurze Ausführung zu Trossingens langer Geschichte als Musikstadt überreichte er jedem der Gäste eine „Little Lady“ - und demonstrierte auch noch mit „Oh Susanna“ dass man mit der kleinen Mundharmonika Musik machen kann.

Für einen reibungslosen Austausch im Rathaus sorgte Reiseleiterin Jing Zhang, die die Begrüßungsrede des Bürgermeisters für die chinesischen Schüler sowie Delegationsleiter Guabo Xia - der übrigens Finanzverwalter der Schule in Hangzhou ist - und die beiden Lehrerinnen Yiqing Xia und Ai Zhu übersetzte.

Gegenbesuch steht im Oktober an

In Trossingen haben die Schüler bisher bereits in den Unterricht am Gymnasium hineingeschnuppert und Zeit bei ihren Gastfamilien verbracht. Auch ein Ausflug zum Bodensee stand an, ebenso ein Trip in die Outlet-City nach Metzingen. „Das war für die Gruppe wichtig, Markenqualität zu günstigen Preisen kaufen zu können“, erzählt Peter Armbruster, der stellvertretende Leiter des Gymnasiums, „für die letzte Gruppe Austauschschüler hatte es hingegen gar keine Priorität.“

Im Oktober machen sich die Trossinger Schüler auf den Weg nach China zum Gegenbesuch, worauf sie derzeit die China-AG am Gymnasium vorbereitet. Dabei lernen sie zwar nicht die Sprache, aber vieles über Land, Leute und Kultur.

Es ist bereits der fünfte Austausch zwischen dem Trossinger Gymnasium und der Middleschool Number 4 in Hangzhou in der Nähe von Shanghai. „Die chinesischen Schüler kommen jedes Jahr, wir besuchen sie alle zwei Jahre“, berichtet Peter Armbruster. Das Gymnasium verknüpft den Besuch übrigens auch mit einer Rundreise von Peking nach Hangzhou und Shanghai: „Zwei völlig verschiedene Welten“, erinnert sich Armbruster, „in Peking lag Schnee, in Shanghai war es heiß, als wir letztes Mal dort waren.“

Den Austausch, der ursprünglich als Musikaustausch begann und sich inzwischen zum Kulturaustausch gewandelt hat, hält Armbruster für eine wertvolle Erfahrung für alle Beteiligten: „Er kann dabei helfen, Vorurteile abzubauen und Hintergründe kennenzulernen“, sagt er, „außerdem ist China ein Land, wo man sonst vielleicht nicht spontan Urlaub machen und das man vielleicht nie besuchen würde.“

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