Golischewski gibt den Tastenhengst

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Mit Chansons und launigen Anekdoten huldigte Frank Golischewski im Kesselhaus seinem Lieblingsinstrument, dem Klavier. (Foto: Cornelia Addicks)
Schwäbische Zeitung
Cornelia Addicks

„Ein Klavier, ein Klavier!“: Gut besucht ist das Kesselhaus bei der Matinee im Rahmen der Veranstaltungen zum 25. Geburtstag des Klavierhauses Hermann gewesen, bei der Frank Golischewski plauderte, sang und in die Tasten griff.

Groß war die Verblüffung der rund 150 Gäste, als Frank Golischewski mit einem Keyboard unter dem Arm auf die Kesselhaus-Bühne kam. Darauf hatte sie Anton Hermann bei seinen Begrüßungsworten nicht vorbereitet. Doch rasch wurde klar: alles Teil der Show. Genauso wie Golischewskis werbende Fragen im Saal: „Haben Sie vielleicht ein Klavier dabei?“ Zwei Herren reagierten und schwups! stand ein edles Sauter-Instrument mitten auf der Bühne.

Golischewski tauchte in die Vergangenheit ein: ins 15. Jahrhundert, der Zeit des Clavichords, in die Periode der „Wiener Klassik“, aber auch in die Zeit der Anfänge des Trossinger Musikhauses und seiner Freundschaft mit dem Ehepaar Hermann. Auch aus seiner eigenen Künstlerlaufbahn steuerte der gebürtige Bottroper mehrere Anekdoten bei.

Kräftigen Applaus heimste Golischewski für das Kreisler-Chanson vom „Triangel-Spieler“ ein, bei dem er ein ganzes Orchester auf dem Klavier imitierte. Treffend imitierte er Klaus Kinskys nasale Stimme, als er Heinz Erhardts Gedicht „Ein Pianist spielt Liszt“ rezitierte: „O eminenter Tastenhengst, der du der Töne Schlachten lenkst...“ Selbst ans Weanerische wagte sich der Mann mit Ruhrpott-Wurzeln: bei dem zynischen Anti-Fortschritts-Chanson „Wien bleibt Wien“, ebenfalls von Georg Kreisler.

Witzeleien über Künstler und Hungertuchnager sorgten ebenso für Heiterkeit wie Golischewskis Studie zu „Elise als elektronisches Gepieps' in Form einer Warteschleifen-Melodei“. Zwischendurch wechselte der passionierte Trossinger Frank Golischewski zum Akkordeon – Hohner natürlich – und bot die Moritat des Magiers. Makaber hoch drei.

War er zum Auftakt noch in leicht verknittertem Hemd und Jeans erscheinen, hatte sich Golischewski für den zweiten Konzertteil in einen Frack samt Kummerbund gezwängt. Er berichtete von einem Gespräch mit Hanns Dieter Hüsch und sang herrlich falsch als unmusikalischer Musikkritiker. Auch sein großes Hobby, den deutschen Schlager, beleuchtete Golischewski, bevor er sich ganz den Musen widmete.

Als glänzendes Beispiel diente ihm dabei George Sand, die emanzipierten Muse Chopins. In deren Rolle schlüpfte die Sängerin Katharina Werwein und bezauberte die Zuhörer mit „La vie en rose“.

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