Gegenstände werden nicht gesegnet

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Schwäbische Zeitung

Auf dem „Highway to Heaven“ dröhnen am 30. Juni die Motorräder durch Trossingen, wenn die Baptistengemeinde ihren Biker-Gottesdienst veranstaltet. Auch Nicht-Motorradfahrer sind willkommen. Unsere Redakteurin Larissa Schütz hat sich mit Organisator Helmut Schön darüber unterhalten.

Biker und Christentum – das scheint auf den ersten Blick nicht so ganz zusammenzupassen …

Warum sollte das nicht zusammenpassen? Wir versuchen im Leben doch immer, etwas zu kontrollieren. Auf dem Motorrad sind es Beschleunigung, Geschwindigkeit, die ganze Technik. Im Glauben ist es nicht anders: Da will ich mein Leben kontrollieren, in guter Gemeinschaft leben, für die Ewigkeit gewappnet und glücklich sein. Man muss sich im Leben konzentrieren, aber auch loslassen können. Und beim Motorradfahren kann ich Wind und Weite erleben, die schöne Umgebung genießen und Gott dafür danken.

Wenn Sie so ins Schwärmen geraten, fahren Sie sicher selbst Motorrad?

Ich bin leidenschaftlicher Motorradfahrer seit 1985 – und habe zwischendrin auch nie aufgehört.

Kam die Idee zum Gottesdienst von Ihnen?

Sie stammt von mir und Frank Pahnke. Wir sind beide Motorradfahrer und haben viele Jahre lang darüber nachgedacht, etwas in dieser Richtung auf die Beine zu stellen. In meiner Zeit als Gemeindeleiter habe ich den Mitgliedern die Idee dann vorgestellt und es stieß auf großes Interesse und Zustimmung. Es haben sich auch alle immer mit großem Engagement eingebracht. Inzwischen bin ich nicht mehr Gemeindeleiter, aber weiterhin Hauptorganisator des Motorrad-Gottesdienstes. Er findet am 30. Juni zum 5. Mal statt.

Was kann man sich unter einem „Motorrad-Gottesdienst“ vorstellen bzw wie sieht der Ablaufplan aus?

Los geht es um 11 Uhr, Einlass ist um 10 Uhr. Es gibt viel Musik, dieses Jahr treten „Die Väter – band & vocals“, eine lokal bekannte Instrumentalcombo aus dem Raum Esslingen am Neckar, auf. Die christliche Ansprache wird freier und zeugnishafter als bei einem normalen Gottesdienst sein – sie wird immer von jemandem gehalten, der selbst begeisterter Motorradfahrer ist. Am 30. Juni wird das Alexander Pollhans sein, der 2002 den Magisterabschluss in Theologie absolvierte und seit 2013 hauptberuflicher Vorstand eines Christlichen Schul- und Erziehungsvereins sowie einer Kindertagesstätte in Freiburg ist. Er wurde mir von befreundeten Motorradfahrern empfohlen. Bei Pizza vom Centro Italiano und Getränken legen wir anschließend viel Wert auf Gemeinschaft und Austausch. Die Besucher kommen ja oft von weit her, zum Beispiel aus dem Raum Frankfurt. Motorradfahrer nehmen sich gerne eine Strecke und ein Ziel vor. Deswegen fangen wir auch erst um 11 Uhr an, damit die Biker vorher genügend Zeit für die Fahrt haben. Ich fahre selbst auch gerne zu Motorradgottesdiensten.

Die Vorbereitungen für den Motorrad-Gottesdienst sind in der Vergangenheit sehr aufwendig gewesen. Werden wieder Straßen gesperrt?

Nun, der Aufwand ist jedes Jahr derselbe (lacht). Wir sperren einen Teil der Schmutter- und der Achauerstraße, damit alle Motorräder einen Parkplatz finden und wir Platz für die Bewirtung haben. Bei den vergangenen Motorrad-Gottesdiensten standen um die 50 Motorräder um die Immanuel-Kirche. Allerdings ist das stark wetterabhängig. In einem Jahr hat es stark geregnet, da waren nur wenige Biker da. Der Gottesdienst findet dann aber trotzdem statt - sollte es regnen, setzen wir Pavillons ein.

Bei den meisten Motorrad-Gottesdiensten werden auch die Fahrzeuge gesegnet. Bei Ihnen aber nicht?

Nein, und das hängt mit dem baptistischen Glaubensverständnis zusammen: Wir segnen keine Gegenstände oder Material, sondern nur Menschen und deren Dienste – wie Gott auch. Gesegnet werden die Biker, damit sie auf ihren Fahrten in Begleitung sind und bewahrt werden.

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