Fraktionen diskutieren auf dem Marktplatz

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 OGL-Stadträtin Susanne Reinhardt-Klotz, die Stadträte Ulrich Adrion (CDU), Dieter Görlich (SPD), Werner Dressler (Freie Wähler)
OGL-Stadträtin Susanne Reinhardt-Klotz, die Stadträte Ulrich Adrion (CDU), Dieter Görlich (SPD), Werner Dressler (Freie Wähler) und Andreas Anton (FDP) im Gespräch mit TZ-Redaktionsleiterin Sabine Felker (Foto: PFRUENDER)
Sabine Felker

Eigentlich wollten sich am Donnerstagmorgen die Vertreter aller Wahllisten zur Kommunalwahl auf dem Trossinger Marktplatz treffen, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Eingeladen dazu hatten die Trossinger Zeitung. Doch weil der Besucherandrang auf dem Markt sehr schwach war, wurde daraus spontan eine Diskussionsrunde zwischen den Parteien. AfD und TNG hatten trotz Zusage keinen Vertreter geschickt.

Eineinhalb Stunden diskutierten Vertreter der Freien Wähler, von CDU, FDP und SPD am Stand der Trossinger Zeitung miteinander. Und auch wenn sie teilweise verschiedene Meinungen vertraten, so waren sich doch alle einig, dass die Kommunalpolitik in Trossingen für die meisten Bürger keine große Rolle spiele. „Trossingen ist nicht sehr politisch“, sagte ein Gemeinderatsmitglied und eine Marktbesucherin schicke nach: „Ich habe keine Fragen und keine Probleme. Mir geht es gut, das Leben ist schön.“

„Manchmal ist es frustrierend“, sagte Susanne Reinhardt-Klotz (OGL) mit Blick darauf, dass der Gemeinderat häufig nur auf aktuelle Entwicklungen reagieren könne. Bestes Beispiel: der Kindergarten Albblick. Kürzlich war erst der Spatenstich, schon jetzt ist klar, dass die Betreuungsplätze trotz der neuen Einrichtung auch in den nächsten Jahren mehr als knapp sein werden.

Wie wichtig es sei, die Infrastruktur an die Bedürfnisse eine kontinuierlich wachsenden Stadt anzupassen, unterstrichen alle Parteienvertreter. Weil die allermeisten Neubürger aus Rumänien kommen und anfangs über keine Deutschkenntnisse verfügen, sei außerdem die Integration eine bedeutender Punkt. „Man muss oft erklären, dass die Rumänen das Recht haben, sich hier anzusiedeln“, sagte Andreas Anton von der FDP. „Zu 80 Prozent ist der Zuzug ein Vorteil. Trossingen wächst und auch der Einzelhandel profitiert davon.“

Weil in manchen Kindergartengruppen die große Mehrheit der Jungen und Mädchen Rumänisch als Muttersprache haben, sei ein bessere Durchmischung wichtig, so ein Vorschlag aus der Runde. „Man muss anstreben, dass alle Kinder in den Kindergarten gehen, mindestens das Jahr vor der Einschulung, um wenigstens Grundkenntnisse in Deutsch zu haben“, sagte Dieter Görlich von der SPD.

„Sehr hohe Belastung“

Einen „unverhältnismäßigen Zuzug“ erlebe Trossingen, so Hilmar Fleischer von der FDP. „Der ist nicht an das Wachstum des Gewerbe gekoppelt, das stellt eine sehr hohe Belastung dar“, so der Gemeinderat. Seine Idee: Gelder des Landkreises sollten für Trossingen freigemacht werden, um die Stadt zusätzlich zu unterstützen. Denn finanziell, auch da waren sich alle einig, sei Trossingen nur begrenzt zusätzlich belastungsfähig. „Wenn die Stadt jemanden neues einstellt“, sagte Reinhardt-Klotz (OGL), und bezog sich dabei auf eine mögliche Aufstockung des Jugendreferats, einer weiteren Integrationsfachkraft für die rumänischsprachigen Trossinger oder Deutschkurse für Kindergarten- und Schulkinder, „dann schlägt das wieder zu Buche. Man kann nicht alle Probleme lösen, man kann nur an manchen Stellen nachbessern“. Eine günstigere Variante als neue Stellen im Rathaus, brachte Ulrich Adrion (CDU) auf: „Wenn die Stadt die Vereine ein bisschen mehr unterstützt, kann könnten diese noch mehr zur Integration beitragen.“ Für Werner Dressler (Freie Wähler) ist es in diesem Zusammenhang auch wichtig, die Gebühren, die die Vereine für die Hallennutzung bezahlen müssen, auf den Prüfstand zu stellen.“ Denn allein die Ausbildung der Trainer koste sie viel Geld.

Schwerpunkte und das große Ganze

„An welchem Schwerpunkt würden Sie gerne nachbessern, wenn Sie nur einen nennen dürfen?“, fragte Sabine Felker, Redaktionsleiterin der Trossinger Zeitung. Für die CDU stehe die Integration ganz weit vorne, so Adrion. Er möchte gerne das Meinungsbild gegenüber der Erlebniswiese verändern. „Sie ist für alle da, auch für Familien“, betonte er und bezog sich damit auf die Kritik mancher Trossinger, das Projekt des Jugendreferats sei zu teuer und für eine zu kleine Gruppe Jugendlicher konzipiert.

Die Biodiversität habe für die OGL eine besonders große Bedeutung, so Reinhardt-Klotz. „Wir wollen die städtische Bepflanzung so verändern, dass sie für Insekten besser geeignet ist.“ Außerdem möchte die OGL gegen das „Übergewicht der Autos“ in der Stadt aktiv werden.

Ebenfalls die Integration hat sich die SPD auf die Fahnen geschrieben. „Jeder, der zu uns kommt, soll die Chance bekommen, dass er am Leben hier teilnehmen kann“, so Görlich. Die Integration über Kindergärten, Schulen und Vereine sei deshalb sehr wichtig.

Andreas Anton nannte für die FDP die Wirtschaftsförderung als Schwerpunkt. Sie wolle die vorhandenen Unternehmen stärken und günstige Rahmenbedingungen schaffen, um Neuansiedlungen zu unterstützen.

Lediglich die Freien Wähler wollten sich nicht auf ein Thema festlegen. „Ein Schwerpunkt funktioniert nicht, man muss alles im Auge behalten“, sagte Jürgen Haller. Und sein FW-Kollege Gustav Betzler betonte das Wahlkampfmotto der Liste: „’Wir alle sind Trossingen’“ Das beinhalte alles.

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