„Früher hat man nicht über Tod gesprochen“

Lesedauer: 4 Min
 Roland Kleiser, Hans Meßner, Ursel Gula, Laura Fehrenbach und Matthias Henn (v. l.) beschäftigten sich mit dem Thema Tod und Tr
Roland Kleiser, Hans Meßner, Ursel Gula, Laura Fehrenbach und Matthias Henn (v. l.) beschäftigten sich mit dem Thema Tod und Trauer. (Foto: Elre)
elre und Elke Reinauer

(elre) Von der Aufbahrung im Wohnzimmer bis zur Friedhofs-App: Wie vieles haben sich auch Trauer und Beerdigungen mit den Jahren gewandelt. In einer Gesprächsrunde in der Stadtbücherei haben sich die Teilnehmer dem Thema von unterschiedlichen Seiten genähert.

Büchereileiter Ralf Sorg begrüßte am Mittwoch den Leiter des Krematoriums Villingen-Schwenningen, Roland Kleiser, Studentin Laura Fehrenbach sowie Rechtsanwalt Matthias Henn, Friedhofsbetreuer Hans Meßner und Ursel Gula, die Leiterin der Trossinger Friedhofsverwaltung. „Früher hat man nicht über den Tod oder Bestattung gesprochen“, sagte Gula. Heute würde man sich Gedanken machen, und ergründen, was wichtig sei.

Wie sehr sich Trauer und Beisetzung im Vergleich zu früher gewandelt haben, machten Hans Meßners Kindheitserinnerungen deutlich: Damals, so berichtete er, bahrte man die Verstorbenen zu Hause auf. Kinder hatten sich von den Toten fernzuhalten. Die Nachbarn fungierten als Sargträger im Trauerzug, der zur Bestattung auf den Friedhof zog. Eine Erdbestattung sei damals üblich gewesen, sagte Meßner, Orgelklänge und schwarze Kleidung. Heute könne man alles auf dem Friedhof erleben, so der Friedhofsbetreuer - von einer Hippie-Bestattung mit bunten Luftballons bis hin zur einer weltlichen Abschiedsfeier ohne Pfarrer.

Einen Wandel in der Bestattungsart konnte Krematoriumsleiter Roland Kleiser bestätigen. Feuerbestattungen seien inzwischen in der Überzahl, 75 Prozent der Bestattungen machten diese in Schwenningen aus. Trauernde dürften zusehen, wie der Sarg in den Verbrennungsofen eingefahren werde. Früher sei die Feuerbestattung zum Beispiel bei Katholiken nicht üblich gewesen. Feuerbestattungen haben den Vorteil, dass die Grabpflege wegfallen würde.

Wie sich Trauern im Zeitalter von sozialen Medien gestaltet, beleuchtete Studentin Laura Fehrenbach. Sie berichtete von einer Friedhofs-App, über die man das Grab eines Verstorbenen virtuell besuchen könne. Für sie sei jedoch klar: „Man braucht Zeit für das Trauern und einen Ort.“ Auch Hans Meßner bestätigte dies aus seiner Erfahrung.

Rechtliche Aspekte erläuterte Matthias Henn. Wenn Angehörige unauffindbar oder nicht existent seien, dann übernehme im Extremfall das Ordnungsamt die Durchführung der Bestattung. Es gebe spezielle Grabfelder für Mittellose, wusste auch Hans Meßner. Diese bekämen eine Feuerbestattung, da dies die günstigste Variante sei. Einen regen Austausch gab es auch zum Thema Bestattungsgesetz, das der ein oder andere, beispielsweise die Großmutter gerne an ihrem Lieblingsplatz im eigenen Garten beerdigt hätte, zu streng fand.

Dass schon Menschenschädel und Knochen auf der Erddeponie aufgetaucht seien, erzählte ein Zuhörer. Gula betonte, dass Grabfelder mehrmals belegt und sorgfältig abgetragen würden. Man lege beim Abtragen darauf Wert, dass Knochen in der Erde blieben. Auch die Urne bleibe auf dem Friedhof, die Totenruhe sei ewig gewährt, so Hans Meßner.

Einen Konsens fand die Runde zur Diskussion „Trauer - Beisetzung zwischen Tradition und Moderne“ am Ende auch: Trauer brauche einen Ort und dieser sei, trotz virtueller Friedhofs-App oder Bestattungswald, immer noch der Friedhof.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen