Faulbrut: Sperre für Trossingens Imker

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Die Imker hoffen, dass die Faulbrut bis zum Frühjahr 2019 verschwunden ist - und wieder gesunde Bienen ihre Bienenstöcke bevölke
Die Imker hoffen, dass die Faulbrut bis zum Frühjahr 2019 verschwunden ist - und wieder gesunde Bienen ihre Bienenstöcke bevölkern. (Foto: Sven Hoppe)
Schwäbische Zeitung

Weil bei mehreren Trossinger Bienenvölkern Faulbrut entdeckt wurde, hat das Landratsamt die Stadt bis zum kommenden Frühjahr jetzt zum Sperrbezirk erklärt. Dies teilt das Landratsamt Tuttlingen mit. Betroffen sind auch Schura und Weigheim.

Bei Untersuchungen stellten das Amt für Veterinärwesen und Ver-braucherschutz des Landratsamtes Tuttlingen sowie das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg im Juni in zwei Bienenständen auf Trossinger Gemarkung die Amerikanische Faulbrut der Bienen fest. Daraufhin ordneten sie einen Sperrbezirk an, der die Gemarkungen Trossingen, Schura und Weigheim umfasst. Das bedeutet: Es dürfen keine Bienenvölker im Sperrbezirk umgestellt oder aus dem Sperrbezirk hinausgebracht werden, damit die Bienenseuche sich nicht weiter ausbreiten kann. Außerdem dürfen keine Bienenvölker in den Sperrbezirk hineingebracht werden.

Alle Bienenvölker und Bienenstände im Sperrbezirk wurden von den örtlichen Bienensachverständigen und Amtstierärzten des Amtes für Veterinärwesen und Verbraucherschutz auf Amerikanische Faulbrut überprüft und beprobt. Inzwischen ist die Untersuchung abgeschlossen. Dabei wurden an fünf weiteren Bienenständen – in der Regel bei Einzelvölkern – Faulbrut-Sporen nachgewiesen, weshalb die betreffenden Völker nun als Faulbrut-verdächtig gelten.

Ende Juli schließlich wurde in einem weiteren Bienenstand im Sperrbezirk ein Volk mit eindeutigen Krankheitssymptomen gefunden, auch der bakteriologische Befund war positiv. Deshalb wurde am 3. August der dritte Fall von Amerikanischer Faulbrut amtlich festgestellt. Alle betroffenen Bienenvölker wurden zwischenzeitlich getötet.

Die nötige Wiederholungsuntersuchung aller Bienenvölker und Bienenstände im Sperrbezirk dürfe laut Landratsamt frühestens zwei Monate nach der Abtötung der seuchenkranken Bienenvölker erfolgen. „Vor dem Hintergrund des aktuellen dritten Faulbrut-Falls wäre diese Frist erst Anfang Oktober verstrichen. Zu diesem Zeitpunkt sind jedoch die für die bakteriologische Untersuchung notwendigen Futterkranzproben nicht mehr aussagefähig“, heißt es in einer Pressemitteilung. Als Futterkranz werden Futtervorräte für Brut und Königin in unmittelbarer Umgebung der Brutwaben bezeichnet.

Viele Völker nicht gemeldet

Deshalb kann die Wiederholungsuntersuchung erst nach Einsetzen der ersten Honigtracht zu Beginn der Obstblüte im kommenden Jahr stattfinden. Alle Imker im Sperrbezirk werden dazu in den nächsten Tagen erneut angeschrieben. Darüber hinaus plane das Veterinäramt gemeinsam mit dem Bezirksimkerverein Trossingen für den Herbst eine Informationsveranstaltung zu der Problematik, wie der Vorsitzende Otto Knapp gegenüber unserer Zeitung bestätigt.

„Viele wissen nicht, wie gefährlich die Seuche ist“, sagt er, „vor allem, wenn sie nicht im Verein sind.“ Dabei empfiehlt er den Beitritt unbedingt: „Das ist sehr wichtig, denn im Verein erhalten Imker viele Informationen, Medikamente für die Bienen sind günstiger und die Imker können Entschädigung für Verluste beantragen.“

Bei den Untersuchungen im Sperrbezirk ist dem Landratsamt aufgefallen, dass es insbesondere in Trossingen noch deutlich mehr Bienenstände gibt als im Vorfeld bekannt: Nach aktuellem Stand befinden sich im gesamten Sperrbezirk 76 Standorte von 58 Imkern, mit zusammen 456 Bienenvölkern; 90 Prozent der Standorte und Bienenvölker sind auf Gemarkung Trossingen und Schura. Besorgniserregend sei, so die Pressemitteilung, dass immer wieder Bienenhaltungen entdeckt wurden, die nicht gemäß den Vorgaben der Bienenseuchenverordnung gemeldet waren. Jeder nicht untersuchte Bienenstand sei ein Infektionsrisiko und damit eine Gefahr für alle anderen Bienenhaltungen.

Das Veterinäramt erinnert in der Pressemeldung deshalb noch einmal nachdrücklich an die Meldepflicht (Registrierpflicht) nach der Bienenseuchen-Verordnung, die bereits ab der Haltung von einem Volk gilt. Außerdem bittet das Landratsamt alle Bürger darum, nicht zuzuordnende oder auch verlassen erscheinende Bienenstände an das Veterinäramt zu melden.

Otto Knapp ist derweil froh, dass die Faulbrut rechtzeitig bemerkt wurde. Woher sie komme, könne man schwer sagen. „Es gibt immer wieder Fälle“, erzählt er, „in Trossingen hatten wir vor rund zwei Jahren einen leichten Befall, im Kreis Rottweil ebenfalls.“ Die Bienenzüchter wollen nun daran arbeiten, dass die Bienenvölker jedes Frühjahr beprobt und auf Faulbrut überprüft werden, so Knapp. Ansonsten bleibt er positiv gestimmt: „Ich hoffe und gehe davon aus, dass im Frühjahr wieder alles gut ist.“

Die Amerikanische Faulbrut (AFB) ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Erreger ist ein sporenbildendes Bakterium, das nur Bienenlarven infiziert. Erwachsene Bienen sind gegen den Erreger resistent. Trotzdem kann auch das ganze Volk an der AFB eingehen, wenn zu viele Larven an AFB sterben.

Für den Menschen ist P. larvaedas Bakterium ungefährlich, so dass mit Sporen belasteter Honig unbedenklich verzehrt werden kann. Bienen dürfen mit diesem Honig aber nicht mehr in Kontakt kommen, da sie sich daran anstecken können.

Quelle: Länderinstitut für Bienenkunde

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