Einstige Konkurrenten in einer Ausstellung vereint

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Elke Reinauer

Dass Klingenthal und Trossingen viel verbindet, zeigt die Sonderausstellung „Trossingen und Klingenthal – die Weltzentren der Harmonika“ im Deutschen Harmonikamuseum. Diese wurde am Sonntag feierlich mit einer Vernissage in der Musikschule Trossingen – dem ehemaligen Hohnerkonservatorium – eröffnet.

Aufgrund der vielen Gäste hatte man die Feier in den Konzertsaal der Musikschule verlegt, die Ausstellung ist im Deutschen Harmonikamuseum zu sehen. Die „Mundharmonika Uhus“ reisten aus Klingenthal an und spielen unter der Leitung von Jürgen Just zum Auftakt „Ode an die Freude“ und „Unsere Mundharmonika“. Nicht auf Hohner-Instrumenten, sondern auf Seydel-Harmonikas der in Klingenthal ansässigen Firma.

Früher undenkbar, dass einmal Seydel-Harmonikas im Hohner-Konservatorium zu hören seien, so Trossingens Bürgermeister Clemens Maier in seiner Begrüßung. Heute stehe die Musik im Vordergrund, sagte er und begrüßte die Gäste, darunter auch den Oberbürgermeister von Klingenthal, Thomas Hennig. Es habe in der Geschichte auch immer einen Austausch gegeben, Hohner habe Klingenthaler angeheuert und Trossinger seien nach Klingenthal gegangen.

Auch Oberbürgermeister Hennig ging auf die einstige Konkurrenten ein. Dies sei längst überwunden, sagte er. Er bedankte sich bei Museumsleiter Martin Häffner für dessen Engagement und bewunderte dessen Hartnäckigkeit, wenn es darum gehe, Projekte umzusetzen. Thomas Hennig habe schnell gemerkt, dass die zwei Städte sich ähnlich seien und die gleichen Probleme hätten. Er lud alle Gäste in die Stadt im Vogtland ein. Anschließend gab das Jam-Harmonika-Quintett des Hohnerklang ein Stück zum Besten. Auch Gerhard Müller, Produktmanager der Firma Hohner, überbrachte seine Grußworte. Er sei viel unterwegs und ihn beeindrucke es immer wieder, wo überall auf der ganzen Welt Mundharmonika gespielt werde.

Museumsleiter Martin Häffner stellte in seiner Einführung die zehn Themenbereiche der Ausstellung vor. Vor den Zeiten der Harmonika gab es in beiden Städten nicht viel Industrie. In der Frühzeit der Harmonika hätte Trossingen die Nase vorn gehabt, als Christian Messner diese 1827 herzustellen begann. Klingenthal habe später bei den Akkordeons vorne gelegen, berichtete er. Die Boom-Jahre 1890 bis 1918 spielten ebenso eine Rolle in der Ausstellung. In dieser Zeit begann die Massenproduktion der Instrumente. In Trossingen durch vier Fabrikanten, Messner, Weiss, Koch und Hohner. In Klingenthal dagegen produzierten 200 Firmen, darunter auch Ein-Mann-Betriebe. 50 Millionen Instrumente wurden 1927 von Trossingen und Klingenthal exportiert. Die Ausstellung zeigt zu jedem Thema der Geschichte Karikaturen, Bilder, Zitate und viele Informationen. Häffner ging auf den berühmten Trossinger Harmonika-Spieler Helmut Herold ein, dessen Wurzeln in Klingenthal liegen. Die Ausstellung spannt den Bogen bis ins 21. Jahrhundert, in dem es noch 200 Beschäftigte in der Branche gebe.

Bei einem Podiumsgespräch stelten sich die beiden Stadtoberhäupter den Fragen der Redakteure Frank Czilwa (Trossinger Zeitung) Markus Schmitz (Neckarquelle) und Thorald Meisel aus Klingenthal. Frank Czilwa wollte von OB Hennig wissen, ob er finde, dass Klingenthal in der Ausstellung angemessen gewürdigt werde. Dieser bejahte und erklärte, dass das Museum in Klingenthal allein von der Stadt finanziert werde und nicht von privaten Sponsoren. Thorald Meisel wollte von Clemens Maier wissen, was Trossingen lebendig hält. Dieser fand, dass die Musikhochschule und die Studierenden die Stadt lebendig machten. Auf die Frage, was die Harmonikaindustrie ersetzt habe, nannte er verschieden Firmen, die im Maschinenbau und der Elektronik tätig seien. Markus Schmitz wollte von OB Hennig wissen, ob Wintersport- und Musikfans sich in Klingenthal nicht ins Gehege kämen? Schließlich habe die Stadt auch im Wintersport einiges zu bieten. Beides laufe sehr gut, meinte Hennig, schwierig allein seien die Investitionen. Durch die Nähe zu Tschechien habe die Stadt viele Besucher. Beide Bürgermeister drückten ihre Freude über den Kontakt der beiden Städte aus. Man freue sich über weitere Begegnungen und die Chancen, die sich daraus ergeben.

Zum Schluss bedankte sich Martin Häffner bei allen Mitwirkenden der Ausstellung, darunter Volontärin Danielle Bechtold und Barbara Pelz.

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