Ein Volkspark für 1,8 Millionen Euro

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So könnte die zentrale Fläche des Volksparks aussehen: Rechts Skatepark und Multifunktionsfläche „Plaza“, unten Streetball, in d
So könnte die zentrale Fläche des Volksparks aussehen: Rechts Skatepark und Multifunktionsfläche „Plaza“, unten Streetball, in der Mitte Liegewiese, Sitzlandschaften, Slackline und ein Kletterspielplatz, links Trial-Bike und oben ein Pumptrack. (Foto: Stadt)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiterin

Weil das Stadtjugendreferat seine Räume an die Rosenschule abgeben muss, wird derzeit nach einem neuen Domizil gesucht. Im Gemeinderat hat Lisa Nottmeyer, Leiterin des Jugendreferats, nun einen Rundumschlag präsentiert: Aus der Erlebniswiese soll einVolkspark mit Sportanlagen und Jugendtreff werden. Der Rat hat mit knapper Mehrheit für weitere Planungen des 1,8 Millionen Projekts gestimmt.

Landschaftsarchitekt Harald Sailer präsentierte einen ersten Entwurf für die Anlage. Die Ideen dafür hatte er gemeinsam mit den Jugendreferenten und engagierten Jugendlichen in einem Workshop erarbeitet. Als Gelände soll die bisherige Eerlebniswiese dienen, die sich neben dem Stadion, gegenüber dem THW befindet. „Der Jugendtreff soll gleich am Eingang in Containerbauweise platziert werden. Das ist kostengünstig und modern“, sagte er. Die vorhandene Anlage, die aus einer Skaterbahn und Sportgeräten besteht, solle integriert werden. „Das soll ein Volkspark werden, der dazu animiert, sich sportlich zu betätigen. Eltern und Großeltern sollen mit ihren Kindern auf die Anlage. Für alle Altersklassen ist was dabei“, betonte er.

Auf einer Dirtbike-Strecke sollen Mountainbiker ihre Runden drehen können, ein Pumptrack - also eine Hügelstrecke - soll gemeinsam mit einem Spielplatz und einer Multifunktionsfläche das Gelände abrunden. Alles zusammen werde, so seine Schätzung, rund 1,8 Millionen Euro kosten, wovon die Stadt selbst rund 878 000 Euro tragen müsse. Der Rest könne durch Landeszuschüsse zur Stadtsanierung gedeckt werden.

Der Volkspark könne in drei Baustufen realisiert werden, um die finanzielle Belastung für die Stadt zeitlich zu verteilen, so Lisa Nottmeyer. Am wichtigsten sei die erste Baustufe, die die Jugendräume, die Dirtbike-Strecke und einen Außenbereich umfasse. Fällig würden dafür 850 000 Euro, die Stadt müsse 498 000 Euro davon übernehmen.

Die Meinungen im Rat dazu waren unterschiedlich. Hilmar Fleischer von der FDP: „Es geht absolut nicht darum, Jugendlichen etwas vorzuenthalten. Wir haben mit dem Schulzentrum ein riesiges Projekt vor.“ Die Summe von 887 000 Euro, die für den Volkspark nötig seien, sei „nur ganz schwer zu verkraften“. Die Kosten seien schlicht zu hoch.

Begeistert hingegen zeigte sich Wolfgang Schoch von der CDU. „Das wäre ein wunderbarer weicher Faktor für die Stadt.“ Das Sanierungsgebiet und die damit verbundenen Fördergelder seien ein „Glücksfall“, so Schoch. Doch betonte er auch: „Wir entschieden heute nicht über die 1,8 Millionen Euro.“

Gustav Betzler von den Freien Wählern brachte mit Blick auf die Kosten einen Sparvorschlag: „Wir könnten den Jugendtreff in der Nähe des Schulzentrums ansiedeln. Wir müssen einfach an allen Ecken und Enden sparen. 1,8 Millionen Euro sind ein Unding, auch mit Zuschüssen.“

Susanne Reinhardt-Klotz (OGL) widersprach dieser Idee. Werde der Jugendtreff in Schulnähe gebaut, würde das „sicher einige abhalten hinzugehen“. Die Gelegenheit, das Projekt durch Fördergelder voranzutreiben, solle die Stadt nutzen, so die Stadträtin.

Auch Dieter Görlich von der SPD sprach sich für die Idee des Volksparks aus: „Wir tun herzlich wenig für die Jugendlichen. Das hier ist eine gute Idee und wir sollten gucken, was wir machen können.“

Bürgermeister Clemens Maier machte sich stark für den vorgestellten Entwurf. „Dass das viel Geld ist, das ist uns allen klar. Darüber fällt heute aber auch keine Entscheidung.“ Die Abstimmung drehe sich um die Frage, ob die Stadt weiter das Projekt planen solle oder nicht. Über die Finanzen würde bei den Haushaltsdebatten Ende des Jahres diskutiert werden.“ Dann könne der Rat immer noch „die Reißline ziehen“.

CDU, OGL und SPD stimmten für den Vorschlag, FDP und Teile der Freien Wähler dagegen. Zwei FW-Räte enthielten sich. Der Antrag der Stadt, die Planungen weiter voran zu bringen, wurde dadurch knapp angenommen.

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