Zwei Frauen sitzen auf zwei Sesseln nebeneinander
Elisabeth Büchle liest aus ihrem Roman. (Foto: Elke Reinauer)
Elke Reinauer

Geschichten riechen oder von künstlicher Intelligenz bewerten lassen - die Trossinger Autorin Elisabeth Büchle hat auf der Frankfurter Buchmesse einiges erlebt. Unsere Mitarbeiterin Elke Reinauer hat sie begleitet.

Elisabeth Büchle wartet mit ihrer Lektorin, Lena Woikowiak, und ihrem Mann Christoph am Stand von Amazon-Publishing auf ihre Lesung. Die Bühne wird gerade frei, Papphocker, die als Stühle dienen, werden zurecht gerückt. Es ist laut in Halle 3.0, Menschen wuseln durch die Gänge. Elisabeth Büchle wird mit einem Mikrofon verkabelt und nimmt in einem Sessel auf der kleinen Bühne Platz.

Vor ihr auf dem Tisch stapeln sich Exemplare ihres neusten Romanes „Der Schatten eines Sommertags“, den sie unter dem Pseudonym Noa C. Walker veröffentlichte. Die roten und gelben Farben des Covers wirken fröhlich, doch als Elisabeth Büchle das erste Kapitel vorliest, wird klar: Hier steht die Spannung an erster Stelle. Es geht um mysteriöse Ereignisse im Leben der Protagonistin Tonya, deren erste große Liebe getötet wurde. Die Zuschauer lauschen gebannt, die Lesung ist wie eine kleine Insel im Messerummel. Hinsetzen und Luft holen, für einen Moment. Elisabeth Büchle hat eine halbe Stunde. Nach der Lesung signiert sie Bücher.

Eine Autorin - zwei Namen. Sie las in diesen Tagen auch am Stand ihres zweiten Verlages aus ihrem neuesten Buch „Im Schatten der Vergangenheit“.

Thomas Gottschalk, Jo Nesbo oder Doris Dörrie - die Liste der Promis, die auf der Buchmesse vertreten sind, ist lang. Elisabeth Büchle schaut sich aber selten andere Autoren an. „Ich habe mich von Vorbildern gelöst, weil ich ein eigenständiger Mensch bin.“ Sie lese aber zu Recherchezwecken - und auch gerne mal ein Buch von einer Kollegin. Ihr Buch „Der Schatten eines Sommertags“ landete erst kürzlich auf Platz eins der Bild-Bestsellerliste. Elisabeth Büchle besucht seit dreizehn Jahren die Buchmesse, sie ist gut im Geschäft und inzwischen Bestsellerautorin.

Doch wie wird man so erfolgreich? Zufall? Oder gibt es ein Erfolgsgeheimnis?

Etwas weiter hinten in Halle 3.0 haben Gesa Schöning und Ralf Winkler die Antwort. Die beiden gründeten die Firma „QualiFiction“ und arbeiten mit einer künstlichen Intelligenz (KI), die analysiert, ob ein Buch Bestsellerpotenzial hat. An diesem Tag präsentieren sie dieses Programm auf der Messe. Die KI kann in dreißig Sekunden vorhersagen, ob ein Buch ein Bestseller wird. Anhand verschiedener Merkmale wie Spannungsbogen, Figurenentwicklung und Stil vergibt die Software Punkte. Ab 60 Punkten beginnt der Bestsellerbereich. Um die KI zu entwickeln, fütterten sie diese erst einmal mit Bestsellern, die schon erschienen waren, heißt es am Stand. Elisabeth Büchle hat so ihre Zweifel an einem Computerprogramm wie diesem. Sie weiß, dass auch die Werbung, die ein Verlag in ein Buch investiert, dieses zu einem Bestseller macht.

Apropos: Wer an skandinavische Bestseller denkt, dem kommt wohl rasch der düstere Krimi in den Sinn. Doch die Literatur aus dem Norden hat mehr zu bieten als Kriminalromane, wie Gastland Norwegen zeigt. Im Pavillon erwarten den Besucher verspiegelte Wände, Fotos von dunklen Wäldern und etliche Büchertische. Auf der Bühne finden fortwährend Lesungen statt. 60 Architekten haben sich am Wettbewerb zur Gestaltung des Pavillons beteiligt. Modern und minimalistisch wirkt die Einrichtung, doch kann man auf den ersten Blick nicht so recht deuten, was die Zeichen aus Stahl an jedem Büchertisch bedeuten sollen. Auf einem Tisch stehen verschiedene Döschen. Riechen statt lesen ist angesagt, denn hier kann man eine Geschichte des Autors Erling Kagge durch die Nase erleben. Wie riecht regennaser Asphalt, wie norwegischer Ziegenkäse? Von einer Geruchsforscherin kreiert, schnuppert sich der Leser durch die nicht immer angenehmen Düfte einer Erzählung.

Auch Elisabeth Büchle ist neugierig auf den Pavillon. Trotz vieler Termine nehme sie sich die Zeit und schaue sich jedes Jahr die Ausstellung des Gastlandes an, sagt sie. Denn die Messe ist für sie nicht nur Arbeit, sondern auch Vergnügen.

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