Die Beschwörung des Windes

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 Sambatour durch die Bar Centrale
Sambatour durch die Bar Centrale (Foto: Cornelia Addicks)

Vom Amazonas an die Copacabana, von Samba zum indigenen Mantra: Der Perkussionist und Sänger Célio de Carvalho führte am Donnerstagabend in der gut besuchten Bar Centrale durch sein Heimatland.

Rund drei Dutzend Instrumente hatte de Carvalho ausgeklügelt angeordnet: von der Rassel aus Ziegenhufen bis zur Conga, vom Vogelpfeifchen bis zum Berimbau. Zunächst rieb er mit einem befeuchteten Finger über das Fell der Rahmentrommel und imitierte somit gekonnt den Gesang der Wale.

Mitten in das Dickicht des brasilianischen Urwalds versetzt fühlten sich die zahlreichen Konzertbesucher bald danach: Verschiedene Vogelpfeifen und Rasseln, verdichtet durch die Loop-Technik, machten den „son de floresta“ möglich. Bei der folgenden „Kanufahrt“ diente Célio de Carvalho ein leise raschelnder „Regenmacher“ als Paddel.

Fast wie ein Schamane wirkte der Perkussionist, als er den Gong bearbeitete oder auf der liegenden Trommel sitzend nicht nur die Hände sondern auch eine Ferse einsetzte.

Die Zuhörer waren als Helfer bei der Beschwörung des Windes gefragt, den der Brasilianer dann gekonnt durch die Bar fegen ließ – nur mit Hilfe seines Atems, der gefalteten Hände und eines kleinen Metallinstruments. Jubel und Applaus blieben nicht aus.

De Carvalho stammt aus einer Musikerfamilie aus Rio, hat sich von klein auf für die Schlagwerke interessiert und klassisches Schlagzeug am Institut Villa Lobos studiert. Dort begegnete er „o bruxo“, dem Hexenmeister der brasilianischen Musikwelt, Hermeto Pascoal, dessen Schüler er wurde. 1983 ging er nach Oslo, um zu unterrichten – und blieb 34 Jahre im kühlen Norden, vor er wieder in sein Heimatland zurückkehrte.

De Carvalho ist auch ein Virtuose des Cajón: Die rote Beleuchtung ließ seine Hände „brennen“, als er den Rhythmus ständig steigerte.

Als gewiefter Musiker für den brasilianischen Kampftanz Capoeira erwies er sich mit dem Berimbau, einem einsaitigen Bogeninstrument, das mit der „Baqueta“, einem hölzernen Stab, gespielt wird.

Mit der umgehängten Sambatrommel führte de Carvalho schließlich die Tanzbereiten polonäse-artig durch die Bar. Eng? Kein Problem!

Dass zu den unzähligen bisherigen Auftrittsorten de Carvalhos jetzt auch Trossingen zählt, ist Ingrid Schorscher zu verdanken. Die Rhythmik-Absolventin der Musikhochschule hat den 59-Jährigen in einem brasilianischen Meditationszentrum kennengelernt und begleitet ihn auf seiner derzeitigen Europatournee.

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