Deutsches Harmonikamuseum würdigt Rudolf Würthner mit eine Sonderausstellung

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Der Musiker, Komponist, Arrangeur und Dirigent Rudolf Würthner würde am 13. August 2020 hundert Jahre alt.
Der Musiker, Komponist, Arrangeur und Dirigent Rudolf Würthner würde am 13. August 2020 hundert Jahre alt. (Foto: Deutsches Harmonikamuseum)
Schwäbische Zeitung

Nur sehr kurz ist der nach ihm benannte Weg (neben der Hohner-Villa), aber sehr lang ist der Schatten, den Rudolf Würthner in der Akkordeonwelt hinterlassen hat. Der grandiose Musiker, Komponist, Arrangeur und Dirigent wurde am 13. August 1920 in Trossingen geboren, würde also demnächst seinen 100. Geburtstag begehen können. Dieses runde Jubiläum nimmt das Deutsche Harmonikamuseum zum Anlass, in zweifacher Weise an Rudolf Würthner zu erinnern: Mit einem Benefizkonzert (bereits ausverkauft) und einer kleinen Sonderausstellung.

Corona-bedingt können insgesamt nur 65 Personen in den Genuss der beiden Live-Konzerte mit dem Duo Gerard Déleye / Matthias Würthner am Freitag und Sonntag kommen.

Musik spielt selbstverständlich eine wichtige Rolle in der Sonderschau „Rudolf Würthner zum 100sten“, die ab Sonntagnachmittag, 2. August, im Multifunktionsraum des Deutschen Harmonikamuseums präsentiert wird und bis zum 6. September zu den üblichen Öffnungszeiten des Museums besichtigt werden kann.

Die Sonderschau behandelt nicht nur Person und Werk Würthners, der unter der Vielzahl von Akkordeon-Virtuosen und -Musikpädagogen des 20. Jahrhunderts herausrage. Sie erinnert ebenso an „sein“ Orchester des Hauses Hohner, das als „Hohner Symphony Accordion Orchestra“ in den Konzertsälen der Welt für Furore sorgte. Dieses OdHH existierte von 1947 bis 1963, ist untrennbar mit dem Namen seines Dirigenten Rudolf Würthner verbunden und genießt unter Kennern der Akkordeonszene auch heute noch den besten Ruf.

Nur noch wenige ehemalige Aktive des OdHH – sämtlich studierte Akkordeonisten –sind heute noch am Leben. In Trossingen sind dies: Edith Gelück, Lore Würthner, Heinz Herre und Erhard Winter.

Rudolf Würthner war ein waschechter Trossinger und wuchs in den 1920er und 1930er Jahren in die Glanzzeiten von Handharmonika und Akkordeon hinein. Noch halb Kind wurde er bereits von Meisterspieler Hermann Schittenhelm unterrichtet und zu Beginn der 1930er Jahre und das gerade erst formierte Hohner-Handharmonikaorchester integriert.

1939 gehörte Rudolf Würthner zu den besten Absolventen der von Hugo Hermann geleiteten Musikschule, des heutigen Hohner-Konservatoriums. Dort wurde er bald auch Dozent.

In den Nachkriegsjahren war der junge und ehrgeizige Musiker und Musikpädagoge maßgeblich an der Aufbauarbeit der Akkordeonszene beteiligt. Aus einem kleinen, ursprünglich vom Hohner-Werbemann und Chromonicaspieler Walter Bilger gebildeten Ensemble formte Würthner 1947 das Orchester des Hauses Hohner, das durch seine Konzertreisen in wenigen Jahren regelrechte Berühmtheit erlangte.

Auf das Jahr 1948 datiert Würthners größter Erfolg als Solist. Bei den Weltfestspielen in Lausanne belegte er hinter der französischen Akkordeonistin Yvette Horner den 2. Platz, Vizeweltmeister mit einer Bach-Bearbeitung auf dem Akkordeon!

Die fruchbarste Zeit seines Schaffens fiel sicher in die Zeit des OdHH. Aber auch nach 1963 blieb Rudolf Würthner sehr aktiv. Er leitete ein professionelles Quintett und übernahm als Nachfolger Schittenhelms das Hohner Akkordeonorchester 1927.

Dennoch meinen im Rückblick viele Zeitzeugen, Rudolf Würthner, der geniale Kopf und Motor des OdHH, habe die recht abrupte Auflösung des Profi-Orchesters Ende 1963 nie verwunden.

Von Krankheit gezeichnet starb er viel zu früh am 3. Dezember 1974. -

Auf die Geschichte des OdHH und Rudolf Würthners Lebenslauf wird in der nächsten Ausgabe des Mitteilungsblatt näher eingegangen. Dort wird unter anderem zu erfahren sein, warum der Akkordeonvirtuose sein Instrument scheinbar immer verkehrt herum spielte.

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