„Der Trend geht zum Drittkind“

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 Immer mehr Kinder werden in Trossingen geboren, die Infrastruktur hinkt hinter.
Immer mehr Kinder werden in Trossingen geboren, die Infrastruktur hinkt hinter. (Foto: Archiv/DPA)
Sabine Felker

Regelmäßig informiert die Stadtverwaltung den Gemeinderat über die steigenden Kindernzahlen, die damit verbundenen fehlenden Kindergartenplätze und die Raumnot in den Schulen. Auch dieses Mal konnte Hauptamtsleiter Ralf Sulzmann keine Entspannung vermelden. Denn spätestens im Schuljahr 2024/25 wird es einen neuen Höchststand geben.

Bereits seit ein paar Jahren werden Kinder von der besonders belasteten Friedensschule auf die Rosen- beziehungsweise Kellenbachschule verteilt. Doch auch diese Option sei bald erschöpft. „Alle Schulen sind räumlich am Limit“, so Sulzmann. Auch bei den weiterführenden Schulen sehe es nicht viel besser aus. „Die Realschule geht in eine stabile Fünfzügigkeit“, so seine Prognose. Ein sechster Zug sei ebenfalls denkbar. Weil die Schule für so viele Schüler nicht ausgerichtet ist, sei der Neubau des Schulzentrums umso wichtiger, die Umsetzung eile. Doch nicht nur die Stadt, die als Schulträger für die Gebäude zuständig ist, sei gefordert. „Auch das Schulamt. Die Räume müssen mit Lehrkräfen gefüllt werdne“, so der Hauptamtsleiter weiter. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren habe sich hier aber eine leichte Entspannung abgezeichnet: „Es sieht relativ gut aus.“

Auch Bürgermeister Clemens Maier unterstrich noch einmal den Ernst der Lage. Laut seinen Zahlen wurden im Herbst 2016 201 Kinder in die drei weiterführenden Schulen eingeschult. 2027 sollen es bereits 325 sein. „Das ist eine Steigerung um fast 100 Kinder je Jahrgang.“

FDP-Stadtrat Hilmar Fleischer brachte die Frage auf, ob es theoretisch möglich sei, Trossinger Schüler gegenüber auswärtigen bei der Platzvergabe zu bevorzugen, um die Schulen etwas zu entlasten, „Das sollte die letzte Möglichkeit sein“, antwortete Maier. „Wir sind ein Unterzentrum, es ist unsere Aufgabe, die Menschen aus dem Umland nach Trossingen zu bringen. Davon profitieren auch der Einzelhandel, die Vereine und die Musikschule.“

Neue Plätze schnell belegt

Im Kindergartenbereich müssen sich die Stadt ebenfalls „arg nach der Decke strecken“, so Sulzmann. Ziel sei es, jedem Trossinger Kind einen Platz zur Verfügung zu stellen. Maier betonte, dass auch nach der Eröffnung des Kindergartens Albblick keine große Veränderung zu erwarten sei (wir haben mehrfach berichtet). Auch die zusätzlichen Plätze seien schnell belegt.

Wolfgang Schoch (CDU) erkundigte sich danach, ob alle Erzieherstellen in Trossigen besetzt werden könnten. Es sei ein „Kampf um Köpfe“, sagte Sulzmann. Doch habe die Stadt gute Erfahrungen mit der praxisintegrierten Ausbildung gemacht. Für Gustav Betzler (Freie Wähler) stand fest, dass „diese Situation auch den künftigen Gemeinderat beschäftigen“ werde. Dem stimmte Susanne Reinhardt-Klotz (OGL) zu: „Das wird noch lange ein Dauerthema sein.“

Dieter Görlich (SPD) legte Wert darauf, die positiven Aspekte steigenden Kinderzahlen zu beachten. „Andere Gemeinden hätten die Probleme gerne.“ Der Bürgermeister stellte lachend fest: „Der Trend geht zum Drittkind“ und schob nach: „Und das ist ja auch schön.“

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