Der neunte Mann half bei der Flucht

Lesedauer: 3 Min
Vertreter der IGFM (von links) Heinz Ernst und Karl Hafen mit Buchautorin Shirin, Lehrerin Inge Riedl, Schulleiterin Irene Mack,
Vertreter der IGFM (von links) Heinz Ernst und Karl Hafen mit Buchautorin Shirin, Lehrerin Inge Riedl, Schulleiterin Irene Mack, Wolfgang Mack und Khalil Al-Rasho, Mitarbeiter von IGFM im Gymnasium. (Foto: Schule)

„Ich kann nicht vergessen, dass fast meine ganze Familie immer noch in den Fängen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) ist.“ In so bedrückenden Worten schilderte die zwanzigjährige irakische Jesidin Shirin den Abiturienten des Gymnasiums Trossingen ihren Leidensweg während der beinahe einjährigen Gefangenschaft beim Islamischen Staat.

Eine Gruppe der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), die aus Shirin, dem Deutsch-Iraker Khalil Al-Rasho und den IGFM-Vorstandsmitgliedern Karl Hafen und Heinz Ernst bestand, war auf Einladung der Schulleiterin Irene Mack in die Schule gekommen, um über die Menschenrechtssituation im Irak zu sprechen.

Besonderen Charakter erhielt die Veranstaltung durch die Anwesenheit der beiden Jesiden Shirin und Khalil Al-Rasho. Die Jesiden sind eine sehr alte, monotheistische Religion, die von islamistischen Gruppen im Irak und in Syrien verfolgt wird.

Khalil Al-Rasho lebt seit 2005 in Deutschland und bringt seine ganze Energie in die Menschenrechtsarbeit ein. Bei der IGFM ist er derzeit zuständig für Hilfstransporte in diese Länder zuständig.

Shirin wollte 2014 weiter in die Schule gehen und träumte davon, Anwältin zu werden. Dann fielen IS-Terroristen in ihr Dorf ein. Sie wurde zusammen mit anderen Mädchen und Frauen ihres Dorfes im Norden des Irak entführt und insgesamt neunmal als Braut verkauft oder als sogenanntes Geburtstagsgeschenk einfach weitergegeben. Mithilfe des neunten Mannes gelang ihr schließlich die Flucht, weil dieser sich vom IS lossagen wollte.

Trauma überwinden

Schwer vorstellbar und doch zutiefst beeindruckend war das Schicksal der jungen Frau, die fast gleich alt wie die anwesenden Abiturienten war. Ihre Erzählungen illustrierten nicht nur die Weltgeschichte, sondern zeigten auch, dass sie eine mutige Frau ist, die daran arbeitet, ihre Traumatisierungen und grausamen Erinnerungen zu überwinden und Hoffnungen lebendig zu machen.

Auch aus diesem Grund hat sie ein Buch über ihr Schicksal geschrieben. Es heißt: „Ich bleibe eine Tochter des Lichts“. Geschrieben wurde es von Shirin mit Alexandra Cavelius und Jan Kizilhan, erschien im Europa Verlag Berlin.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen