„Der Funke“ springt auch unkonventionell über

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Stimmlich, instrumental und tänzerisch überzeugen die Musikerinnen von „Las Migas“.
Stimmlich, instrumental und tänzerisch überzeugen die Musikerinnen von „Las Migas“. (Foto: cornelia addicks)

Flamenco in neuem Licht: Das Frauenquartett „Las Migas“ aus Barcelona gastierte mit seinem Programm „Cuatro“ am Freitagabend im Hohner-Konzerthaus.

Wie jetzt? Minirock und Hosenanzug statt wallenden Rüschen? Stilettos statt schlichter Zapatos mit Holzabsätzen? Gar kein Fächer? Und gar die Aufforderung zum Sing-along, zum Partymachen? Puristen unter den Flamenco-Liebhabern im 306 Köpfe starken Publikum mussten erst mal schlucken. Da war Umdenken dringend angesagt. Das virtuose Gitarren-Spiel von Marta Robles, die als einzige seit der Bandgründung 2004 dabei ist, und von Alicia Grillo hilft dabei.

Auch Carol Durán Moreno hat ihre Geige bestens im Griff. Und dass Carolina Fernández sehr gut tanzen und singen kann, steht außer Frage. Den Übernamen „la chispa“, der Funke, hat sie redlich verdient.

Nur haben sich die vier Grazien weit wegbewegt vom traditionellen Flamenco. Hin zur Weltmusik, ja sogar zum simplen Latino-Schlager. Wie bei der eindeutigen Aufforderung „Vente conmigo“ – „Komm mit mir“. Auch etwas Tango ist dabei, so der „de la Repompa“. Mit dessen zungenbrecherischem Refrain „Calabacita – calabazón“ versuchen die attraktiven Vier, das Publikum zum Mitsingen zu animieren. Nicht wirklich erfolgreich. Sie geben nicht auf. „Louder, more energy!“ fordert Marta, doch vergeblich. Erst als nur „hey!“ gefragt ist, geht der große Chor mit.

Bei den „Bulerías“ von Agustín Sabicas mit den komplizierten Rhythmen und den andalusischen Alegrías fühlen sich auch die Anhänger des traditionellen Flamenco zuhause. 93 Minuten müssen sie jedoch warten, bis „la chispa“ zum ersten Mal das kehlige „ayayayaaaay“ ausstößt. Und gar bis zur Zugabe, einer Sevillana, auf einen Paartanz und auf Kastagnattenklang.

Während das Quartett stimmlich, instrumental und tänzerisch überzeugt, und dafür auch mit lautstarkem Beifall belohnt wird, schwächelt es beim Umgang mit der Elektronik und bei der Moderation. Ein paar Brocken Deutsch, schwer verständliches Spenglisch – da hätte Spanisch allemal besser gewirkt.

Gut kam der „unplugged Ausflug“ der Vier in den Bereich vor der Bühne an, aber so richtig mittanzen traute sich dann doch niemand aus dem Publikum.

Dafür wagten sich doch einige an den Refrain bei der zweiten Zugabe: „Calabacita, calabazón, que a este bicho lo mato yo!” Die Bedeutung des Ensemblenamens ist mehrdeutig – „migas“ sind sowohl Brotkrümel als auch eine deftige Mahlzeit, kann aber auch „Essenz“ oder „Substanz“ bedeuten.

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