Der Applaus will nicht enden

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 Gut gefüllt war die Bühne der Musikhochschule bei dem Konzert mit Werken Beethovens.
Gut gefüllt war die Bühne der Musikhochschule bei dem Konzert mit Werken Beethovens. (Foto: Wetzel)
Julia Wetzel

„Beethoven!“ – mit Werken ausschließlich dieses Komponisten, dessen 250. Geburtstag 2020 gefeiert wird, fand das traditionelle Dreikönigskonzert der Musikhochschule statt. Unter der künstlerischen Gesamtleitung von Prof. Michael Alber beeindruckten Vokalsolisten, Chor und Instrumentalisten mit der Chorfantasie op. 80, der Messe C-Dur op. 86 und einem Quartett aus der Oper „Fidelio“.

Das anspruchsvolle Programm startete mit Beethovens Fantasie c-Moll für Klavier, Chor und Orchester op. 80. Mit einer langen solistischen Introduktion in „aufgewühltem c-Moll“ (so das Programmheft) führte Pianistin Anna Alvizou in das Stück ein und ließ bereits hier ihre Virtuosität aufblitzen, die auch später noch genügend zu bewundern war. Beethoven hatte die Chorfantasie recht spontan geschrieben, als er für ein Konzert im Dezember 1808 mit zwei eigenen Sinfonien, Teile aus der C-Dur-Messe sowie seinem vierten Klavierkonzert noch beschloss, ein krönendes Abschlussstück zu komponieren. Durch die Ähnlichkeit mit seiner letzten Sinfonie erhielt die Chorfantasie den Beinamen „Kleine Neunte“.

Der knappen Zeit geschuldet, schaffte der Komponist es allerdings nicht mehr, die Klavierstimme vollständig fertig zu schreiben, sodass die Einleitung in jenem Konzert kurzerhand improvisiert wurde. Frei im Tempo und mal diesem Gedanken nachhängend, mal jenen verfolgend – so klang auch Alvizous überzeugende Interpretation. Über der Freiheit ihrer eigenen Stimme vergaß sie doch nie den (Blick-)Kontakt mit dem Orchester und Dirigent Fabian Weithoff führte die beiden Klangkörper souverän zusammen.

Perlende Läufe und flirrende Triller am Klavier sowie prägnante rhythmische Akzente des Orchesters (einziges Manko: die nicht immer saubere Intonation in den Bläsern) verbanden sich zu einem abwechslungsreichen Klangerlebnis – der zum Schluss einfallende Chor setzte dem Ganzen mit gewaltiger Stimmkraft noch die Krone auf.

Für das Quartett „Mir ist so wunderbar“ aus Beethovens Oper „Fidelio“ wechselten Dirigent (nun Philipp Schweizer) und Solisten – sollen doch verschiedene Studierende die Möglichkeit haben, in solch einem großen Projekt tragende Rollen zu übernehmen.

Hochachtung gebührt hier Nikolaus Henseler (Einstudierung), der offensichtlich dafür sorgte, dass trotz unterschiedlicher Dirigenten der runde Gesamtklang nie verloren geht.

Nach diesem kurzen Stück mit ruhigem Charakter und langen Phrasen (spannend: die räumlich weit entfernte Aufstellung der vier Solisten auf der Bühne), das einen völligen Kontrast zur oft wilden, überschäumenden Chorfantasie bildete, war das letzte Meisterwerk des Abends Ludwig van Beethovens Messe C-Dur für Soli, Chor und Orchester op. 86, ein Auftragswerk des Fürsten Nikolaus II. von Esterházy.

Die verschiedenen Messsätze boten allen Beteiligten die Möglichkeit, unterschiedliche Charaktere und Emotionen darzustellen – und die Musiker nahmen das Angebot an. Von fast unhörbarem Pianissimo zu klanggewaltigem Forte (bravo an die starken Chorsoprani, die in höchsten Lagen brillierten), von Zeilen im völligen Einklang zu anspruchsvoller Polyphonie mit Koloraturen, von gezupften Akkorden zur Begleitung des Chores zu inbrünstigen eigenständigen Linien im Orchester schöpften die jungen Sänger und Instrumentalisten all ihre Möglichkeiten aus und boten dem begeisterten Publikum im bis auf den letzten Platz gefüllten Konzertsaal einen musikalischen Abend allerhöchsten Niveaus – der Applaus wollte nicht enden.

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