BuJazzO spielt „Zukunftsmusik“

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Trompeter Marvin Frey war am Freitag in der Bundesakdemie zu hören.
Trompeter Marvin Frey war am Freitag in der Bundesakdemie zu hören. (Foto: Cornelia Addicks)
Schwäbische Zeitung
Cornelia Addicks

Ihre Passion für den Jazz haben die Mitglieder des BundesJazzOrchesters am Freitagabend beim gut besuchten Abschlusskonzert im neuen Saal der Bundesakademie unter Beweis gestellt. Niels Klein dirigierte die „Zukunftsmusik“.

„Phänomenal“ fand ein Zuhörer den fast dreistündigen Abend, „wunderbar“ schwärmte ein Besucher, der aus Stuttgart nach Trossingen gekommen war. Niels Klein, Leiter der 57. Arbeitsphase des BuJazzO, hatte „Brandneues“ angekündigt, „eine Bestandsaufnahme dessen, was von jungen Leuten heute komponiert wird“. Das Programm bestand ausschließlich aus Beiträgen zum 3. BuJazzO-Kompositionswettbewerb, der nur Arrangeuren und Stückeschreibern unter 30 Jahren offenstand. So wie dem Frankfurter Komponisten Maximilian Shahik-Yousef, der sein Werk „Wald“ der dreiköpfigen Jury vorgelegt hatte. Bei der Umsetzung durch das im Februar neu besetzte Orchester aus Deutschlands besten Jungjazzern spielte Florian Boos dezent ein Solo am Tenorsaxofon.

„Ruine“ nennt der Komponist Ruben Gianotti seinen Wettbewerbsbeitrag: Der Schwenninger Saxofonist Daniel Roncari entlockte seinem Instrument den gewünschten „fetten“ Sound, während der Bass sonor schmeichelte, bis ein aufregender Sirenenklag der Bigband die „Ruine“ beendete.

Das zehnköpfige Gesangsensemble zeigte sich bei Christoph Klenners „Salix“ als schon nach nur einer Probenwoche gut eingespieltes Team. Nur die Platzierung der sechs Sängerinnen und ihrer vier Kollegen hinter dem Piano war nicht so ganz glücklich. Zentraler positioniert hätte der tonale Flirt zwischen Basssänger Erik Leuthäuser und drei der Sängerinnen noch mehr Wirkung gehabt. Bestens kam die Perkussionszauberei an, den die Bläser eher unterschwellig begleiteten, bis das tiefe Blech für einen ruhigen Schluss sorgte.

Der 27-jährige Spanier Daniel Tamayo Gómez hatte die Komposition „The Edge of Forgetfulness“ eingereicht – das BuJazzO machte ein pures Hörvergnügen daraus. Mit seiner Gibson L5 aus dem Jahr 1939 verzauberte der Dinkelsbühler Gitarrist Philipp Schiepek das Publikum. Zu dem ungewöhnlich langen Solo befragt, sagte der Musikstudent „Das scheint ein neuer Trend zu sein, dass den Solisten mehr Zeit zugestanden wird. Und die Sologitarre ist beim Jazz eindeutig im Kommen“. Auch dem Projektleiter Dominik Seidler fiel auf, dass die Komponisten es „nicht mehr bei den herkömmlichen16-Takt-Soli“ belassen.

Auch um ein „Edge“ ging es bei dem Stück von Raoul Vychodil, bei dem Solist Max Boehm sein Saxofon in dem attraktiven Rhythmus parlieren ließ. Klein tänzelte und dirigierte locker und wie „nebenbei“.

„Weekdays“ heißt der Beitrag der jungen Kielerin Hendrika Entzian mit zwei Soli: ausdrucksstark Philipp Schittek (Posaune), strahlend Marvin Frey (Trompete).

Das von der Jury auf Platz 3 gesetzte „Perceptions of Reality“ von Lars Seniuk umfasste eine große Klangpalette. Nach einem schönen Bassintro begann Altsaxofonist Fabian Boos das Solo bedächtig und steigerte sich dann zur Ektase. Auch hier gab es Zwischenapplaus.

Wäre in Trossingen ein Publikumspreis verliehen worden, so hätte der nach der Applausstärke dem Frankfurter Peter Klohmann, BuJazzO-Saxofonist bis 2011, zugestanden. Bei seinem witzigen Stück „Bouncing B’s“ ließ Daniel Buch sein Tenorsax gackern, kollern und röhren. Im Solistenduett überzeugten Saxofonist Victor Fox, mit 15 Jahren der Junior des derzeitigen BuJazzOs, und der Amerikaner Alistaire Duncan an der Posaune.

Den ersten Preis erzielte Tamara Lukasheva mit ihrem Arrangement des 73 Jahre alten Songs aus dem Musical „One Touch of Venus“ von Kurt Weill. Eine Chance für die Sänger, die mit Hingabe fragten: „How could I possibly refuse?“. Zweitplatzierter Beitrag war Mike Conrads Gesangsstück „The Whole Truth“, der in Trossingen wohl gustiert wurde. Als Zugabe und „Betthupferl“ gab es „Moony Aesthesia“ von Marc Doffey, bis 2014 selbst Orchestermitglied, jetzt Musiker in Berlin. Schlagzeuger Ludwig Wandinger setzte frische Akzente in die die lyrische Ballade.

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