Akkordeon-Orchester musiziert auf hohem künstlerischen Niveau

Lesedauer: 4 Min
Die letzte Zugabe beim Jahreskonzert des Hohner-Akkordeon-Orchesters in Trossinger Konzerthaus spielten die Musiker stehend. (Foto: Jutta Bärsch)
Jutta Bärsch

Das Jahreskonzert des Hohner-Akkordeon-Orchesters 1927 Trossingen hat den Besuchern im fast ausverkauften Dr.-Ernst-Hohner-Konzerthaus am Samstag ein abwechslungsreiches Programm auf hohem künstlerischen Niveau geboten. Das Repertoire reichte von Grieg über Piazzolla bis zur „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauß.

Es begann mit dem „Präludium“ aus der „Holberg-Suite“ von Edvard Grieg. Unter der klaren Zeichengebung seines Dirigenten Johannes Baumann profilierte sich das Orchester mit diesem ursprünglich für Streichorchester komponierten Stück. Leicht federnd, sensibel die Stimmungen fühlend, zog es die Zuhörer in seinen Bann.

Die Hommage an Astor Piazzolla, "Inmortal" von Hans Boll, war ein Feuerwerk aus Melodie und Rhythmus, Melancholie und Leidenschaft. Sehr reizvoll herausgearbeitet waren die rhythmischen Elemente sowie die traurig-schönen Melodien. Die Vielschichtigkeit der Klangfarben eines Akkordeon-Orchesters zeigten die „Varianten“ von Fritz Dobler. Klang da nicht eine Flöte, ein Fagott oder eine Orgel? Ein interessantes Stück mit vielen, manchmal unerwarteten Wendungen, endend im furiosen Crescendo.

Eher schwermütig begann die „L’Arlésienne - Suite Nr. 2“ von Georges Bizet in einem Arrangement von Curt Herold. Auch bei dieser Bearbeitung gelang es dem Hohner-Orchester und seinem Dirigenten zu illusionieren, es würden Streich- und Blasinstrumente erklingen. Effektvoll war der stürmische Schlusssatz mit einem provenzalischen Volkstanz. Ein musikalischer Scherz von Johann Strauß „Perpetuum Mobile“, arrangiert von Walter Maurer, beendete amüsant den ersten kurzweiligen Programmteil.

Duo verzaubert die Zuhörer

Das Duo Naoko & Andreas Nebl verzauberte das Publikum nach der Pause. Naoko Nebl verstand es auf ihrer Chromonica, geigen- und flötenartige Klänge hervor zu bringen. In der „Sonate F-Dur“ von Georg Philipp Telemann, dem „Kanon“ von Johann Pachelbel und Franz Schuberts „Moment Musical“ f-Moll aus den Klavierstücken Op. 94 zog ihr sensibles Linienspiel, unter der einfühlsamen und dynamisch angepassten Begleitung ihres Mannes auf dem Akkordeon, das Publikum in Bann. Für die abschließenden Astor Piazzolla-Kompositionen „Chiquilin de Bacchin“ und „Libertango“ bedankte sich das Publikum mit Beifallsstürmen. Die Zugabe kommentierte Naoko Nebel: „Damit haben wir nicht gerechnet und haben nichts vorbereitet“. So wurde noch einmal „Chiquilin de Bacchin“ vorgetragen.

Mit südamerikanischen Rhythmen brachte das Hohner-Orchester das Publikum in Stimmung. Bei „Danzón Nr. 2“ von Arturo Márquez wippten nicht nur die Zuschauer, auch die Akkordeonisten tanzten sitzend Samba und Rumba.

Den krönenden Abschluss bildete die „Fledermaus-Ouvertüre“ in einem Arrangement von Rudolf Würthner. Das war wirklich große Orchestermusik. Maestro Baumann führte die Akkordeonisten sicher durch das mit Tempo- und Tonartwechseln gespickte Konzertstück. Herausragend hier die erste Akkordeonistin Andrea Heinzelmann, deren Finger leicht und ohne jegliche Unsicherheit über die Tasten flitzten und den Eindruck vermittelten, Akkordeonspielen sei die einfachste Sache der Welt.

Enthusiastisch forderten die Zuhörer Zugaben. Nach der „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauß, den mitreißenden „Foxtrott-Visionen“ von Hans Rauch und „Soul Bossa Nova“ von Quincy Jones verabschiedete sich das Orchester.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen