Schäferversammlung lockt Gäste aus weitem Umkreis nach Talheim

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 Aufmerksam lauschten die Teilnehmer der Schäferversammlung in Talheim.
Aufmerksam lauschten die Teilnehmer der Schäferversammlung in Talheim. (Foto: Silvia Müller)

Die Schäferversammlung 2020 hat am Mittwochabend im Talheimer Gasthaus „Sonne“ stattgefunden. Annähernd 40 Schaf- und Ziegenhalter aus den Landkreisen Rottweil, Konstanz, Schwarzwald-Baar, Waldshut und Tuttlingen waren gekommen, um Fachvorträge rund um die Schafhaltung zu hören. Carmen Siebenrock-Stehle vom Landwirtschaftsamt des Landkreises Tuttlingen war es gelungen, gleich fünf Referenten zu gewinnen.

Den Anfang machte Achim Schellenbaum aus Irndorf. Sein Tier ist nicht das Schaf, sondern die Ziege. Er sei von Carmen Siebenrock-Stehle gebeten worden, sein Vermarktungsprojekt vorzustellen. So habe er sich als Ziegenhalter zu den Schafhaltern „getraut“, sagte der Nebenerwerbslandwirt. In Erinnerung an frühere Zeiten, in denen viele kleine bäuerliche Betriebe Tiere zur Selbstversorgung hielten, schaffte Schellenbaum 2014 sechs Burenziegen an – diese Rasse deshalb, weil sie einfach zu halten sei.

Aus kleinen Anfängen, auf einem familieneigenen Grundstück, sind mittlerweile zwei Herden mit insgesamt 90 Tieren entstanden. Die Burenziegen beweiden unbewirtschaftete Weiden im Simonstal und im Irndorfer Hardt, in Kooperation mit den Naturschutzbehörden. Die Tiere leisten einen wertvollen Beitrag zur Landschaftspflege. Längst kann Schellenbaum die Arbeit nicht mehr allein stemmen. Die Ziegenhaltung ist zu einem Familienprojekt geworden, bei dem Ehefrau Bettina, die Söhne und der Vater von Achim Schellenbaum zusammenarbeiten.

Für die Vermarktung der Ziegen hat sich der gelernte Wirtschaftsingenieur das „MeiMecki Ziegen Invest“ einfallen lassen: Ein Investor bezahlt für eine Ziege im Frühjahr 138 Euro. Sie wird in der Herde gehalten, der Besitzer erhält im Verlauf des Jahres mehrfach Informationen über sein Tier und hat die Möglichkeit, es zu besuchen. Im Herbst bekommt der Investor Fleisch und Wurst im Wert von 155 Euro – „was einer zwölfprozentigen Rendite entspricht“, erläuterte Schellenbaum. Das Konzept gehe Jahr für Jahr auf, Interessenten kämen nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern unter anderem auch aus dem Großraum Stuttgart, erfuhren die Zuhörer. „Ich wollte den Umgang mit den Ziegen erlebbar machen und einen Bezug zur Natur herstellen.“ Seine Hoffnung sei es, einen Akzent zu setzen für ein heimisches Produkt und die direkte Vermarktung. „Damit wir Fleisch nicht nur aus Neuseeland bekommen.“

Thomas Stehle vom Landschaftserhaltungsverband hielt das zweite Referat. Der Verband verstehe sich als „Brückenbauer zwischen Mensch und Natur“, stellte er sich und seine Tätigkeit vor. Aufgabe des Verbands sei es, Landwirte bei Fragen um Förderrichtlinien zu beraten. Stehle betonte, dass die postalische Adresse zwar das Landratsamt sei, es sich jedoch um eine als Verein strukturierte Organisation handele, die in eigenen Räumen in Tuttlingen eine Geschäftsstelle unterhalte.

Von Stehle erfuhren die Zuhörer, dass Mitte der 1980er Jahre in Bayern die ersten derartigen Vereine gegründet wurden. „Mitte der 1990er Jahre sind dann Vereine in Baden-Württemberg entstanden. Inzwischen gibt es 33 Verbände im Land.“ Das erklärte Ziel sei die Gestaltung einer lebendigen Landschaft im Konsens mit allen Beteiligten. In seinem Referat stellte Stehle Schwerpunkte und Förderrichtlinien sowie Praxisbeispiele vor.

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