„Wir sind kein Cliquenhaus“

Lesedauer: 7 Min

Die Jugendlichen fühlen sich im Jugendhaus Bubsheim beim Auftakt des Osterferienprogramms richtig wohl – im Bild vorn von links
Die Jugendlichen fühlen sich im Jugendhaus Bubsheim beim Auftakt des Osterferienprogramms richtig wohl – im Bild vorn von links: Letizia Leichner, Waldemar Scharf, Aziz Calishan; hinten von links: Luca Huber, Thomas Hepp, Alexander Dubinin, Jugendref (Foto: Gisela Spreng)
Schwäbische Zeitung
Gisela Spreng

„Hot Dog and Chill – Langeweile in den Ferien? Dann schaut im Jugendhaus vorbei!” So werden die Jugendlichen auf dem Heuberg in den Mitteilungsblättern der Gemeinden Bubsheim, Deilingen, Gosheim, Königsheim, Kolbingen und Wehingen eingeladen. Diese sechs Gemeinden arbeiten nämlich mit dem Jugendreferat des „Haus Nazareth“ mit Sitz in Sigmaringen zusammen. Die beiden Jugendreferenten Sabina Eppler und Gunther Roth haben für die erste Woche der Osterferien ein spannendes Unterhaltungsprogramm für junge Leute entworfen, das von Montag bis Donnerstag in Bubsheim, Wehingen und Gosheim stattfindet. Von besagtem Hot-Dog-und-Chill-Event über einen Kino-Tag, einen Fitness-Tag und einen Poker-Abend wird alles angeboten.

Am Montag geht es in dem kleinen Jugendhaus in Bubsheim in der Bärenstraße 3, vordem eine ganze Reihe Bikes geparkt sind, hoch her. Etwa 15 Jugendliche drängen sich in den engen Räumen. Der Großteil ist aus Bubsheim. Aber auch Gosheimer, Wehinger und Reichenbacher sind dabei. Ein paar spielen Kicker, die anderen vergnügen sich an einer Spielekonsole mit einem Fußballspiel. Weil eine Videowand fehlt, haben ein paar Cleverle großformatiges weißes Papier an die Wand geheftet und so eine perfekte Leinwand in die enge Bude gezaubert. In der kleinen Küche liegen schon die Brötchen für eine leckere Hot-Dog-Mahlzeit bereit.

Ein paar der Jugendlichen sind ganz wild darauf, dem „Heuberger Bote“ Auskunft zu erteilen. Wir sitzen auf den großen Sofas in der „guten Stube“ und immer mehr junge Leute lassen ihr Fußballspiel im Stich und stoßen dazu. Alexander (14) erzählt, wie er schon mitgeholfen hat, als das Jugendhaus hier in der Bärenstraße hergerichtet wurde, nachdem das alte Gebäude dem neuen Feuerwehrmagazin weichen musste. „Ich bin oft und gerne hier“, freut er sich. „Heute habe ich sogar mein Fußballtraining sausen lassen“.

Die anderen schwärmen geradezu von dem heimeligen Ambiente hier im Haus. „Wir vertreiben uns so die Langeweile; das ist viel besser als Glotze zu Hause“, meint Maxim, einer der Wortführer. Nachher wollten sie alle dem „Guni“ (Gunther Roth) helfen bei der Zubereitung der Hot Dogs. Auch Abspülen und wieder Saubermachen gehöre dazu – das sei klar.

Letizia kommt ins Jugendhaus, weil sie es schön findet, sich mit Freunden zu treffen. „Man kann einfach kommen, Karten spielen oder Playstation spielen“. Luca ist neugierig auf das Kino in Wehingen. Manche sind mit dem Rad da; andere wurden hergefahren. „Auf den Poker-Abend sind wir gespannt; wir haben nämlich null Ahnung, wie’s geht.“ Aber wie man ein Poker-Face macht, wissen Luca und Maxim schon mal und führen es vor. Das Gelächter ist groß.

„Wenn im Jugendhaus nichts los ist, spiele ich im Sommer Fußball oder gehe ins Freibad“ verrät Maxim. Er legt großen Wert darauf, dass es hier im Haus keine „Cliquen-Wirtschaft“ gibt. „Wir sind kein Cliquenhaus“, erklärt auch Letizia energisch; „jeder darf kommen und mitspielen“. Es seien sogar schon Leute aus Böttingen und Mahlstetten gekommen, freut sich Gunther Roth und lobt seine jungen Leute für ihre Offenheit anderen gegenüber.

Zurzeit seien sie daran, Selbstverwaltungsteams in den einzelnen Orten zu bilden. „Wir proben das nach Ostern richtig“, sagt Letizia. „Maxim und ich kriegen dann den Hausschlüssel. Heute machen wir schon mal einen Probelauf, weil Guni nachher für eine Weile weg muss.“

Bilanz der Jugendreferenten

Gunther Roth, der heute in Bubsheim das Programm leitet, berichtet, was er zusammen mit Sabina Eppler seit einem guten Jahr schon auf den Weg gebracht hat: Im April 2017 haben die beiden Jugendreferenten gemeinsam das Jugendhaus in Gosheim wiedereröffnet. Fürs ganze vergangene Jahr haben sie Ferienprogramme angeboten, die gut ankamen. Beliebt waren Angebote mit Künstlern, zum Beispiel ein Graffiti-Workshop. Die Öffnungszeiten wurden erweitert. Das Jugendreferat hatte an Dorfputz-Aktionen und bei diversen Dorffesten und Ähnlichem teilgenommen: beim „Heuberger“ in Königsheim, bei den Weihnachtsmärkten in Gosheim und Kolbingen oder der Dorfhockete in Bubsheim. Die Regelung „Kein Alkohol in betreuten Jugendhäusern“ werde streng eingehalten.

Für dieses Jahr ist eine großangelegte Umfrage-Aktion an den Heuberger Schulen geplant. Die Jugendlichen sollen darüber Auskunft geben, wie sie sich wohl fühlen, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen, was ihnen in ihrer Umwelt fehlt.

Es gibt bereits Pläne zu neuen Selbstverwaltungs-Teams in den Jugendhäusern in Bubsheim, Wehingen und Gosheim. In Wehingen sei das Projekt bereits angelaufen.

Für die Vereine und ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter plant Roth im Herbst eine Fortbildung zum Thema „Aufsichtspflicht“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen