Wie wir bei Stress mit heiler Haut davonkommen

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Helmuth Gruner ist Heilpraktiker und Dozent an der Guanxi-Universität in china.
Helmuth Gruner ist Heilpraktiker und Dozent an der Guanxi-Universität in china. (Foto: Hoc)
Schwäbische Zeitung

Stress macht nicht nur den Menschen gereizt, sondern auch seine Haut. Wie stark sich Psyche und Haut wechselseitig beeinflussen, drückt vor allem die Organsprache aus. Allerdings steckt nicht hinter jedem Hautausschlag ein psychisches Problem.

Ein guter Heilpraktiker begutachtet zuerst die Haut seines Patienten, um eine mögliche Behandlung richtig zu gestalten. Dazu muss man wissen: die Haut eines erwachsenen Menschen wiegt etwa 15 Kilogramm und macht rund 20 Prozent des Körpergewichts aus, hat eine Gesamtfläche von etwa 1,8 Quadratmetern und nennt drei Millionen Zellen pro Quadratzentimeter ihr eigen. Sie erneuert sich alle 28 Tage, hat 100 Schweißdrüsen und 15 Talgdrüsen pro Quadratzentimeter (ausgenommen Handinnenseite und Fußsohle). Sie ist die Heimat von mehr als 700 000 Messfühlern des Nervensystems und besitzt in der Hand fünf Kälte-Sinnesorgane sowie 25 Tastorgane pro Quadratzentimeter. Im Gesicht hat sie 25 Wärme-Sinnesorgane pro Quadratzentimeter.

Wenn die Haut gesund ist, hat sie einen pH-Wert im sauren Bereich bei etwa 5,0 und ist zwischen einem und zehn Millimetern dick. Sie dient der Geschmeidigkeit, Elastizität und Widerstandsfähigkeit. Sie ist eine immunologische Barriere und ein Stoffwechselorgan.

Somit ist die Haut das größte Organ des Menschen und zugleich auch das einzige Organ, welches zwei Herren dient. Dem Schützenden und dem Verbergenden (Rauhe Schale – weicher Kern). So, wie Du aussiehst, bist Du. In modernen Zeiten ist die Haut zum Statussymbol avanciert. Wer gebräunt durchs Leben geht beweist, dass er Zeit und Geld für Urlaub hat. Warnungen vor Hautkrebs fallen nicht ins Gewicht. „Über die Haut drückt man aus, wer man ist“ sagt Prof. Christian Reich, Mediziner am Dermatologikum Berlin.

Einst war mit der Haut der ganze Mensch gemeint, und war er eine „ehrliche Haut“, dann mochte der Eine oder Andere auch gerne in dessen Haut stecken. Heute ist die Haut zum Hinweisgeber verkümmert, der als „Spiegel der Seele“ anzeigt, ob es dem Betreffenden gut oder schlecht geht.

Rötung? Ekzem? Akne? Schon spricht alle Welt davon, dass das innere Gleichgewicht gestört sein muss. Gleich, ob sie von außen oder von innen kommen, Gefühle sind an der Haut genau abzulesen (Erröten, Erblassen, Gänsehaut, oder man kann vor Aufregung schwitzen).

Abschleifen, Glätten, Polieren, Unterspritzen. „Es ist wahrscheinlich, aber kaum zu beweisen, dass Hautleiden zunehmen, weil psychische Belastungen zunehmen, während der Schönheitskult um sich greift“, sagt Prof. Uwe Gieler, Facharzt für Dermatologie, Psychosomatik und Psychotherapie an der Universität Gießen. Bewiesen ist allerdings, dass Stress Hautleiden verschlimmern kann, vor allen Dingen, weil sie viele Tastorgane und Nervenenden hat und damit agiert.

„Hauterkrankungen lassen sich provozieren“, hat Prof. Mattias Augustin festgestellt. Stress ist ein Provokateur. Bei Psoriasis-Patienten lässt sich beispielsweise nachweisen, dass Entzündungsmoleküle und Abwehrzellen im Blut erhöht sind, sobald der Mensch einer belastenden Situation ausgesetzt ist. Neurodermitiker reagieren sofort.

Weitere Forschungsergebnisse lassen sich „von den Lippen ablesen“. Von Herpes-Viren betroffene Personen wurden in zwei Versuchsgruppen aufgeteilt. Gruppe eins sah ekelerregende Fotos, Gruppe zwei genoss den Anblick von Blumenwiesen. In Gruppe eins bildeten sich bei 40 Prozent der Personen prompt aufblühende Herpes-Bläschen. Ebenso waren die Entzündungswerte im Blut erhöht.

Dass Haut und Psyche eng miteinander verknüpft sind, steht für Dr. Kurt Seikowski, Psycho-Dermatologe an der Universität Leipzig, außer Frage. Dass einem vor Entsetzen die Haare zu Berge stehen, man vor Ärger aus der Haut fahren möchte und Belastendes einem unter die Haut geht – da ist schon was Wahres dran. Somatische (körperliche) und psychische Einflüsse machen den Betroffenen das Leben schwer. Beispiel: Urticaria (Nesselsucht).

Bei Hauterkrankungen, für die sich keine organischen Ursachen finden lassen, ist das beste Rezept, sich gelegentlich, möglichst regelmäßig, auf die „faule Haut“ zu legen. Entspannungsübungen, autogenes Training, Qigong, Tai Chi oder Yoga sind dabei hilfreich.

Wer in Stress-Situationen mit seinen Zehen wackelt, entspannt Körper und Psyche. Um die Zehen zu bewegen, muss das Gehirn etwas von seiner durch den Stress geblockten Energie ableiten. Zudem fällt es niemandem auf. Eine Minute lang bewusst lächeln, das hebt die Stimmung, entspannt und verströmt gute Laune. Immer mal wieder aus dem Fenster ins Grüne schauen. Der Weitblick entspannt, weil er vom Stress weglenkt. Das natürliche Grün beruhigt. Atemzüge zählen beim Ein- und Ausatmen, sechs Minuten in einem Lieblingsbuch lesen. Das Gehirn ist fokussiert – schon entspannen sich die Muskeln. Düfte einatmen: mit den reinen ätherischen Duftölen aus der Apotheke, tropfenweise in Duftlampen oder Diffusern, entspannen Sie am besten. (Lavendel, Rose, Nelke, Melisse, Anis, Vanille, Zimt, Zirbe, Sandel- und Zedernholz).

Die Hauterkrankungen sind, wie wir sehen, sehr vielschichtig und deshalb sehr differenziert behandelbar. Patient und erfahrender Therapeut schaffen bei genauer Diagnose in jedem Fall eine Heilung oder eine Linderung, auch bei chronischen Beschwerden. Hier sei vordergründig die Akupunktur genannt, ebenso die Homöopathie wie auch die Phyto-Therapie.

Bei Hauterkrankungen wird von erfahrenen Medizinern immer wieder gern die Homöopathie mit eingesetzt.

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