Weihestimmung auf dem Dreifaltigkeitsberg

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 Nach dem Konzert auf dem Dreifaltigkeitsberg kam noch der eine oder die andere Zuhörerin, um sich bei den vier Musikern zu beda
Nach dem Konzert auf dem Dreifaltigkeitsberg kam noch der eine oder die andere Zuhörerin, um sich bei den vier Musikern zu bedanken. (Foto: Magnus Schlichtig)
Schwäbische Zeitung

Das Konzert am Palmsonntag auf dem Berg in der Dreifaltigkeitsberg-Kirche war ein fein ausgearbeitetes Musikereignis. Schon im dritten Takt der Introduktion nach den tosenden Anfangs-Akkorden war der zarte Farbwechsel der Harmonie von B Dur über A Dur und D Dur nach G Moll deutlich erlebbar und stimmte auf das musikalische Meisterwerk Joseph Haydns ein.

Glocken klar wie feiner Zimbel-klang pulsten im rhythmischen Schwung die Achtel-Ketten in der ersten Sonate, gespielt von Bettina Rustemeyer Violine und Hermann Geugis Viola, über denen sich die zur Freude verwandelte Tränen-Melodie, passend zur Überschrift „Herr vergib Ihnen“, ausbreitete. Auch schon in der ersten Sonate erklangen tiefe B-Tonarten wie im Takt 35 das abgründig-erschütternde Des-Dur samt Kadenz, was durch die untemperiert reine Intonationsweise, gründend auf dem Kammerton der 2er-Potenz maßgeblich unterstützt wurde.

Hier schon kam das feurige Musikantentum des Cellisten Gotthard Killian zur Geltung, der immer wieder neu richtungsweisende Impulse mit seinen energischen Basstönen setzte. Wie ein Frühlingsblütenzauber wurde die dritte Sonate „Weib, sieh dein Sohn“ von den vier Musikern mit zart-vibrierender Tongebung gestaltet.

Nachdem die vierte Sonate wieder vom feurigen Klang des Cellos bestimmt und impulsiert war, überraschten beim „Sittio“ – „mich dürstet“ – die Bratsche mit martialisch-klarer Brillanz und die Violine, von Bettina Rustemeyer gespielt, mit Einwürfen von unsagbarer Schönheit, unvergesslicher Zartheit und Wehmut. Auch Magnus Schlichtig, der schon vor 50 Jahren in der Wallfahrtskirche mitmusizierte, zeigte auch diesmal wieder ein facettenreiches Violinspiel.

Apokalyptische Posaunen-Klänge

Im „Consumatum est“ („Es ist vollbracht“) hörte man apokalyptische „Posaunen“-Klänge, und nach dem getragenen „Herr, in deine Hände empfehle ich meinen Geist“ donnerte, blitzte und grollte das Terremoto (die musikalische Darstellung eines „Erdbebens“.

Die weihevolle Stimmung des treffend interpretierten Meisterwerks Joseph Haydns, in harmonischer Vollendung vorgetragen, ließ den Beifall erst nach längerem Schweigen aufkommen, dafür kräftig und lang anhaltend.

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