Warum Eltern ihre Kinder am Wasser immer beobachten sollten - DLRG-Vorsitzender im Interview

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 Kinder sind vor dem Ertrinken besonders gefährdet.
Kinder sind vor dem Ertrinken besonders gefährdet. (Foto: Patrick Seeger/dpa)
Schwäbische Zeitung

Kinder werden von Wasser angezogen. Sie sind aber auch besonders davon gefährdet. Schon niedrige Gewässer können lebensgefährlich sein, weil Kindern oft die Erfahrung, die Koordination und die Kraft fehlt. Sie ertrinken „leise“. Welche Stellen besonders gefährlich sind und auf was Eltern achten müssen, darüber hat sich Heuberger-Bote-Volontärin Ronja Straub mit Michael Plaumann, Vorsitzender der DLRG Spaichingen-Aldingen, Aixheim, unterhalten.

Waren Sie selbst schon als Badeaufsicht in einen Fall involviert, bei dem ein Kind ertrunken ist?

Ertrunken nicht direkt. Ich bin schon oft ins Wasser gesprungen, um einem Kind, das Wasser geschluckt hat, zu helfen. Ich greife ihm dann unter die Arme, schaue, dass der Kopf über Wasser ist und hebe es auf den Beckenrand. Solche Fälle passieren vor allem dann, wenn viele Menschen auf kleinem Fleck gemeinsam im Wasser sind und dann auch die Ellenbogen auspacken. Auch im Spaichinger Freibad sind erst letztens die Bademeister in Klamotten rein gesprungen, um jemandem zu helfen.

Besonders gefährdet zu ertrinken sind Kinder. Wieso ist das so?

Kinder sind besonders schreckhaft. Der Schreck lähmt die Kinder, weil ihre Reaktion noch nicht so gegeben ist. Kinder haben die Erfahrung, die Koordination und die Kraft nicht. Ertrinken passiert leise, weil der Ertrinkende nicht die Zeit hat, zu brüllen. Sie sind bemüht, Luft zu holen und denken nicht ans Schreien, beziehungsweise haben keine Zeit.

Wie läuft der Vorgang des Ertrinkens ab?

Das Kind schluckt Wasser und es kommt zum Schutzreflex, wie auch beim Husten, wenn der Körper versucht, einen Fremdkörper abzuwehren. In diesem Fall soll er das Einatmen von Wasser verhindern. Es kommt jedoch zum Stimmritzenkrampf und der Kehlkopf geht zu. Dann kann es zum Ersticken kommen.

Sind Kinder, die einen Schwimmkurs gemacht haben und das Seepferdchen haben, weniger gefährdet?

Das ist wie mit dem Fahrradfahren: Wenn ein Kind erst damit angefangen hat, ist es am Anfang eine wackelige Angelegenheit. Deswegen sind auch Kinder mit dem Seepferdchen nicht unbedingt sicher. Die DLRG hat den Richtwert, dass jemand dann sicher ist, wenn er 200 Meter am Stück schwimmen kann und das bedeutet im Freibad viermal durchs Becken. Das heißt, auch nach einem Schwimmkurs müssen Eltern ihre Kinder weiterhin beobachten.

Was empfehlen Sie Eltern?

Ganz klar: Eltern müssen Kinder beobachten. Wie ausgeprägt das passieren muss, richtet sich danach, was das Kind kann und ob es Vorkenntnisse hat. Oft glauben die Eltern, mit einer Schwimmhilfe sind die Kinder gesichert. Das stimmt aber nicht.

Außerdem müssen Eltern ihren Kindern Regeln beibringen: Zum Beispiel, dass sie nicht einfach ins Becken springen dürfen, sondern Rücksicht nehmen müssen oder, dass sie sich, bevor sie ins Wasser gehen, abduschen müssen.

Können auch Eltern ihren Kindern das Schwimmen beibringen oder sollte jedes Kind einen Schwimmkurs machen?

Eltern können das genauso machen, viele wissen sehr gut wie das geht. Das Problem ist eher, wenn Eltern selbst nicht schwimmen können. Manchmal liegt es daran, dass sie aus Ländern kommen, in denen es keine Badekultur gibt. Das soll nicht heißen, dass sie da etwas dafür können, aber sie müssen es ihren Kindern trotzdem mitgeben. Und auch der Schwimmunterricht in der Schule ist ein Problem: Oft findet er gar nicht oder viel zu selten statt.

Wieso sind Kinder so fasziniert vom Wasser?

Das hat viele Gründe: Kinder glauben, sie können das Wasser greifen und dann geht es doch nicht. Wasser tut in der Regel nicht weh, aber es ist trotzdem da und man kann es mit einem Eimer schöpfen. Kinder haben ganz unterschiedliche Ansätze, wie sie mit Wasser spielen. Der eine spielt gerne im Wasser, der andere baut eine Sandburg und flutet sie dann mit Wasser. Wasser ist einfach ein faszinierendes Medium.

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