Unternehmer Anton Häring stirbt überraschend

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Anton Häring ist gestorben.
Anton Häring ist gestorben. (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiterin

Die Nachricht wirkt wie ein Schlag: Der Bubsheimer Unternehmer Anton Häring ist im Alter von 75 Jahren plötzlich gestorben. Er erlitt am Sonntagabend einen Herzinfarkt, an dem er verstarb. Es starb eine der bedeutendsten Unternehmerpersönlichkeiten des Heubergs und der Region.

Anton Häring war der klassische Heuberger Unternehmer – aber vor allem Vorreiter. Er gründete sein Werk für Präzisionstechnik 1961 im elterlichen Wohnhaus in Bubsheim, zog in neue Räume und dann 1979 noch einmal an den jetzigen Standort, an dem heute 660 Menschen arbeiten. Die Firma hat weitere Standorte in Polen mit 1900 Mitarbeitern, China mit 500 Mitarbeitern und eine Fertigung in den USA ist gerade im Aufbau.

Anton Häring, am 3. Oktober 1940 im Krankenhaus in Spaichingen geboren, in seinem Heimatort Bubsheim aufgewachsen, war seit 1965 mit seiner Frau Irma, geborene Stier, ebenfalls eine Bubsheimerin, verheiratet. Beide haben den Sohn Jürgen, der 1966 geboren ist und der heute zusammen mit seinem Vater Geschäftsführer ist.

Anton Häring war kantig. Seine große Verbundenheit mit seiner Heimat und das Festhalten am Standort Bubsheim zeigte sich in vielen Feldern seines Handelns, das er aber nie an die große Glocke hängte. Er war ein Unternehmer vom alten Schlag. Einen Betriebsrat hielt er für überflüssig, also verhinderte er ihn. Andererseits widmete er seinen Mitarbeitern viel Fürsorge, so zum Beispiel mit dem Bau der Werkskantine, die eher einem Restaurant gleicht.

Auch sein Engagement für die Ausbildung, für das Fördern von Potenzial des Nachwuchses verdeutlicht diese Fürsorge. Er stellte für eine gute Ausbildung kurzerhand die Häring-Akademie auf die Beine und sein Unternehmen kooperiert mit mehreren Bildungseinrichtungen. Davon ist vieles auch unternehmerisch uneigennützig gewesen, etwa die Zusatzförderung von Hauptschülern an den Samstagen, die er mit einem kleinen Lohn motivierte. Oder die Förderung des Tuttlinger Hochschulcampus. Vor allem aber Härings Engagement für die Spaichinger Berufsschule war herausragend. Er war bis September 2015 Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Erwin-Teufel-Schule.

Außerdem ist die Entwicklung der Gemeinde Bubsheim ohne Anton Häring so nicht denkbar. Er prägte mit sehr vielen deutschstämmigen Spätaussiedlern, die er als Arbeitskräfte warb und eine ganze Siedlung für sie initiierte, die Struktur der Gemeinde. Und er sorgte für die Gemeinde. „Wir verlieren mit Anton Häring unseren Ehrenbürger“, sagt Bürgermeister Thomas Leibinger auf Anfrage des Heuberger Boten. „Er war ein Förderer und Gönner aller Bubsheimer Vereine und er hat sich immer um den Kindergarten und der Schule gekümmert.“ Er habe Häring für seine Visionen für das Unternehmen und die Gemeinde sehr geschätzt. „Er war ein Gesprächspartner, der auch in kritischen Situationen interessante Impulse geben konnte“, so Leibinger.

Zusammenschlüsse, die Region als Ganzes begreifen – diesen offenbaren Leitsatz verkörperte Häring auch als Impulsgeber zur Gründung der GVD (Gemeinnützige Vereinigung der Drehteilehersteller), der er immer verbunden blieb, und vieles andere mehr.

Aber Anton Häring war auch immer ein offensiver „Gegen-den-Strich-Denker“. Und er wollte seine Heimat daran teilhaben lassen. Zum Beispiel durch die Horizont erweiternden Vorträge, die er seit Jahren organisierte. Namen waren Bahnchef Grube, Innenminister Friedrich, FDP-Spitzenkandidat Guido Westerwelle, Hans Werner Sinn, Roman Herzog und viele mehr.

Anton Häring hinterlässt nicht nur eine Lücke, sondern ein tiefes Loch.

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