Was ändert sich für ukrainische Geflüchtete ab 1. Juni? Hier sind die Antworten

 Großes Interesse hat die Informationsveranstaltung für ukrainische Geflüchtete gefunden. Übersetzt haben Iryna Kaehler und Juli
Großes Interesse hat die Informationsveranstaltung für ukrainische Geflüchtete gefunden. Übersetzt haben Iryna Kaehler und Julia Lobikova den ganzen Abend lang. (Foto: Regina Braungart)
Redaktionsleiterin

Welche Papiere braucht welches Amt? (Siehe unten) Wie viel Unterstützung gibt es, wenn ich einen Minijob antrete? (270 Euro werden angerechnet) Zählt eine Wohnung in der Ukraine als Vermögen, wenn ich nicht weiß, ob sie morgen noch existiert? (Es geht um die Frage der Verwertbarkeit, und das ist in dem Fall wohl nicht der Fall) Wo kann ich mein Kind betreuen lassen, wenn ich einen Sprachkurs machen will und wo geht das? (Die Sprachkursträger und Gemeinden bemühen sich um Lösungen und sind Ansprechpartner) Bekomme ich auch einen Alleinerziehendenzuschlag, wenn mein Mann in der Ukraine ist? (Ja, wer allein mit Kind hier ist gilt als alleinerziehend) Gibt es einen Sozialfriseur für wenig Geld? (Friseure suchen immer wieder Modelle für die Auszubildenden) Lebhaft und engagiert haben geschätzt knapp 150 Ukrainerinnen – ein paar Männer und einige Kinder waren auch gekommen – am Dienstag im Martin-Luther-Haus die Gelegenheit genutzt, Antworten aus erster Hand zu bekommen.

Der Informationsabend wurde veranstaltet vom Heuberger Boten. Redaktionsleiterin Regina Braungart freute sich bei der Begrüßung über die („für Deutschland eigentlich untypische“) spontane Zusage aus dem Landratsamt und von der evangelischen Kirchengemeinde, deren Diakonin Gritli Lücking, sie koordiniert auch die Aktivitäten der Spaichinger Flüchtlingshilfe seit 2015, ebenfalls zur Versammlung stieß.

Bei der seit Kriegsausbruch unermüdlich ihren Landsleuten helfenden Spaichingerin Iryna Kaehler waren nach der gut besuchten Veranstaltung in der Stadthalle, als sich Arbeitgeber und Arbeitsinteressierte trafen, jede Menge Fragen eingegangen. Dazu kommt, dass ukrainische Geflüchtete der Wechsel der Zuständigkeit für Sozialleistungen vom Aufenthalts- und Integrationsamts hin zum Jobcenter beziehungsweise Sozialamt zum 1. Juni bevorsteht. Das bedeutet, dass die Leistungen für Erwachsene über 15 und unter 65 von dort ihre Zahlungen zum Lebensunterhalt, für Wohnung, Schulbus, Krankenkasse und anderes bekommen und je nach Möglichkeiten auch Hilfe zur Aufnahme einer Arbeit.

Wie sehr die Lage der Geflüchteten zwiegespalten ist, und wie oft das Jobcenter pragmatische Lösungen anstrebt, zeigte sich gerade zum Beispiel in der Frage des Besitzes in der Ukraine. Alles, was über 60 000 Euro an Vermögen für eine Person existiert, jede weitere Person 30 000 Euro, muss angegeben werden. Eine Wohnung oder ein Haus, das morgen schon zerbombt sein könnte? Natürlich könne man hier nicht davon ausgehen, dass auf dieses Vermögen zugegriffen werden könne, sagte der Leiter des Jobcenters, Joachim Schwarzfischer, der über eineinhalb Stunden lang Frage um Frage beantwortete. Eine andere Frau fragte, wie es wirke, wenn sie als Selbstständige ihr kleines Unternehmen online versuche weiter zu führen, um ihren Angestellten wenigstens ein bisschen Verdienst zu ermöglichen, sie selbst aber nichts bekomme. Man zwinge sie natürlich nicht, ihre Firma zu schließen, um hier Unterstützung zum Lebensunterhalt zu bekommen.

Wer Sozialleistungen bekommt, muss auch jede Veränderung wie Wohnsitzwechsel, Abwesenheit und anderes vorab melden, bis zu drei Wochen Abwesenheit im Jahr wirke sich nicht auf die Leistungen aus, mehr wird entsprechend gekürzt. Meldungen müssen entweder persönlich oder per Festnetzanschluss mitgeteilt werden.

Schwarzfischer war mit seiner Stellvertreterin Linda Mellien gekommen. Im Anschluss informierte Sozialamtsleiter Fabian Biselli mit seiner Stellvertreterin Claudia Hagen über Möglichkeiten der Arbeit zum Beispiel in der Pflege, wo jetzt ein Kurs aufgelegt werden soll, der auch die deutsche Sprache vermittelt und anderes.

Der Leiter der GAST, der Registrierungsstelle in Tuttlingen, Bengt Krezer, ergänzte zum Schluss Informationen zum Sozialen und gab den Geflüchteten eine Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse mit für Anliegen, die jenseits der finanziellen Fragen liegen. Das Integrationsmanagement des Landkreises unterstützt – wie die Integrationsmanager der Gemeinden, wie etwa in Aldingen und Spaichingen, im Bereich Arbeit, Bildung und Schule, Gesundheit, Wohnen und Mobilität. Außerdem wurde ein Termin mittwochs zwischen 9 und 12 Uhr im Insel-Café in der Selbsthilfekontaktstelle, Oberamteistraße 17 in Tuttlingen für ukrainische Frauen eingerichtet. Hier sollen sie sich austauschen können und Unterstützung bekommen.

Um die Arbeitsstellen müssen sich die Frauen in der Regel selbst kümmern, es gibt aber Arbeitsvermittler, die Gespräche anbieten und Vorschläge machen.

Welche Papiere braucht das Jobcenter?

Geflüchtete aus der Ukraine, die bisher schon bei de GAST angemeldet sind und vom Amt für Aufenthalt und Integration Unterstützung bekommen haben, brauchen die Papiere, die dort eingereicht worden sind, beim Jobcenter nicht noch einmal einreichen. Jede/r Betroffene Haushalt bekommt dieser Tage einen Brief, in dem die für die Person oder die Familie zuständige Sachbearbeiterin aufführt, welche Papiere noch eingereicht werden müssen, damit die Sozialleistung möglichst rechtzeitig ausbezahlt werden kann.

Folgende Papiere und Nachweise braucht das Jobcenter:

Eine Kopie der Fiktionsbescheinigung (also des Aufenthaltsstatus’) oder des Aufenthaltstitels (für die Gemeinden des Landkreises bei der Ausländerbehörde im Landratsamt zu erhalten, wer in Tuttlingen wohnt geht zur GAST)

Kopie über die Kosten der Unterkunft

Kopie über den Nachweis einer Bankverbindung, die bei einer Bank der Wahl eingerichtet wird. Die Kreissparkasse habe die Unterstützung zugesagt. Wer bisher wegen eines fehlenden Passes kein Konto eröffnen konnte, soll sich extra melden, dann gibt es Auszahlungen in bar.

Wer ein deutsches Konto besitzt muss eine Kopie der Kontoauszüge seit der Eröffnung einreichen

Wer ein Konto im Ausland besitzt, zum Beispiel für Online-Banking, muss die Auszüge der letzten drei Monate vorlegen.

Kopie der Bescheinigung der Krankenkasse und der Sozialversicherungsnummer. Jede/kann sich bei einer Krankenkasse selbst versichern, etwa der AOK, der BKK, SBH oder der IKK Klassik. Die AOK bietet in der GAST in Tuttlingen Beratungstermine am 17., 18., 24., 25., 31. Mai und 1. Juni Beratungstermine an. Die AOK in Spaichingen und Trossingen bieten in den Geschäftsstellen am 18. und 25. Mai von 14 bis 18 Uhr Beratungstermine an.

Eine schriftliche Erklärung muss vorgelegt werden, ob man erhebliches Vermögen besitzt (inklusive Autos und allem anderen). Das Formular, das von allen Haushaltsmitgliedern zu unterschreiben ist, liegt dem Brief bei.

Auch Einkommen wie Renten, Mieten und ähnliches müssen nachgewiesen werden.

Der Antrag wird von der Frau für die ganze Familie gestellt, die auch erklären muss, wie das Verwandtschaftsverhältnis zu den Familienmitgliedern ist ist.

Möglichst die Kopie der Geburtsurkunden der Kinder beilegen.

Eine aktuelle Meldebescheinigung beilegen.

Wenn Kinder in die Schule gehen, braucht das Jobcenter auch für Schulbus, Schulessen, Schulausstattung, Schulaktivitäten Nachweise.

Dem Schreiben liegt ein Profilfragebogen bei, der ausgefüllt und mit Nachweisen versehen eingereicht werden. Dabei geht es vor allem auch um berufliche Qualifikationen, Vorbildungen und anderes.

Wichtig auch: Kindergeld muss bei der Agentur für Arbeit beantragt werden.

Heruntergeladen werden können hier: Das Musterschreiben (Deutsch), der Antrag auf Kindergeld (Ukrainisch), der Profilbogen (Ukrainisch) und der Flyer des Amtes für Integration (Ukrainisch) und die Informationen der Initiative Selbsthilfe Tuttlingen

Arbeit suchen - Integration finden

Wer eine Berufsausbildung hat, kann sie Ausbildung anerkennen lassen, aber das dauert fünf bis sechs Monate.

In der Pflege zu arbeiten ist sehr niedrigschwellig. es gibt wahrscheinlich einen Grundkurs Pflege mit 250 Stunden beim der BBT. Der Kurs wird vom Jobcenter finanziert. Wer Interesse hat, kann sich per E-Mail an das Integrationsmanagement wenden.

Das Integrationsmanagement hilft beim Thema Gesundheit, Bildung, Wohnen, Arbeit und mehr. Es geht dabei darum zu vermitteln, wie man sich in diesen Bereichen zurecht findet, wenn man Hilfe benötigt.

Die Integrationsmanager besuchen die Familien zuhause, um die aktuelle Situation zu besprechen und Hilfe zu suchen.

Eine Frau fragte: Ihr Kind habe Krieg gesehen, male ständig alles schwarz, könne nicht in die Schule gehen. Auch hier gebe es Hilfe: Es soll auch ein Programm geben für traumatisierte Kinder und Erwachsene. Die Telefonnummer ist 07461/9264740, die Emailadresse ist: integrationsmanagement@landkreis-tuttlingen.de

Zusätzlich sind auch die Kommunen ansprechbar für Rat und Hilfe. (abra)

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