Tricks an der Stange wecken den Ehrgeiz

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Die Polefitness-Trainerinnen Benita Sontheimer, Julia Bänsch und Sabrina Hinterhäuser (von links) bringen unserem Reporter Simon
Die Polefitness-Trainerinnen Benita Sontheimer, Julia Bänsch und Sabrina Hinterhäuser (von links) bringen unserem Reporter Simon Schneider in einer Schnupperstunde Tricks an der Stange bei. (Foto: Fotos: Move Sensations)
Simon Schneider

Muskelkraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Technik und den richtigen Griff – wer all diese Eigenschaften mit seinem Körper gleichzeitig bedienen kann, hat gute Chancen, um beim Polefitness an der Stange eine gute Figur abzugeben. Die Sportart verlangt einiges an Fitness ab, sie bietet aber auch vieles. Davon überzeugt hat sich in einem Selbsttest unser Reporter Simon Schneider.

Das kann doch nicht so schwer sein, dachte ich mir, als ich mich auf ein Training der besonderen Art eingelassen habe. Mit Julia Bänsch, Sabrina Hinterhäuser und Benita Sontheimer begleiten mich gleich drei ausgebildete Trainerinnern vom Spaichinger Studio „Move Sensations“ durch meine Schnupperstunde beim Polefitness. Damit kann eigentlich nichts mehr schief gehen bei meinem Ausflug an die Stange.

Bevor es aber so richtig losgeht, heißt es aufwärmen. Unter Anleitung der drei Mädels kreise ich den Kopf in alle Richtungen, genauso die Schultern. Das Aushalten in der Stützstellung auf den Ellenbogen, das Anspannen der Bauch- und Rückenmuskeln sowie den Bizeps, sind noch keine Herausforderung, genauso wenig die Übung, bei der es mehrmals in die Hocke geht. „Das Aufwärmprogramm ist für uns und die Kursteilnehmer sehr wichtig, um Verletzungen zu vermeiden. Deshalb gehen wir das sehr gründlich an, bevor es an die Pole geht“, gibt mir Julia zu verstehen. Nach 15 Minuten ist es geschafft, das Warm-Up habe ich ohne Probleme überstanden.

Auf geht’s an die Stangen. Mein erster Trick: „Fireman“. Eine Übung, bei der die Hände in einer ganz bestimmten Position die Stange umgreifen, genauso Sekunden später die Füße. Die Polefitness-Expertinnen, die ab sofort im Landkreis Tuttlingen vermehrt bei Showauftritten zu sehen sein werden, führen mir es ästhetisch und geschmeidig vor – ein Hingucker. Es wirkt so, als hätten sie die Erdanziehung außer Kraft gesetzt. Mich zog es dagegen schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn: Die ersten drei Versuche scheitern sofort. Immer wieder zeigt mir Julia Schritt für Schritt die richtigen Griffe, bevor ich beide Füße vom Boden heben kann. Schließlich klappt der Trick. Als Motivation gibt es sogar Applaus. Ob ich stolz bin auf mein erstes Erfolgserlebnis an der Stange? Minimal. Schnell merke ich: Was so leicht und einfach aussieht, erfordert viel Muskelkraft und gleichzeitig die richtige Technik. Ähnlich ergeht es mir beim Klettern bis nach ganz oben.

Neue Herausforderungen bietet Polefitness ständig. „Wir lernen immer dazu. Natürlich ist es auch der Ehrgeiz, Choreographien und Tricks zu perfektionieren“, sagt Julia und ergänzt: „Bei diesem Sport sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, da die Sportart so viele Facetten bietet.“ Während beim Pole Dance mehr der tänzerische Aspekt in den Fokus rückt, geht es beim Polefitness mehr um Kraft und Akrobatik. Egal wie, der Sport an der Stange ist längst zum Trend geworden und richtet sich nicht nur an sportlich Ambitionierte. „Mitmachen kann jeder, egal in welchem Alter und mit welcher Statur. Bei uns braucht sich niemand zu verstecken“, weiß Benita.

Sie führt mir an der Pole einen Trick kopfüber vor. Mir ist klar, dass dieser nicht für mich bestimmt ist. Falsch gedacht. Keine fünf Minuten später hänge ich mit leichten Orientierungsschwierigkeiten an der Stange, während mir das Blut in den Kopf schießt. Der Trick „Invert“ sieht spektakulärer aus als das Hochklettern, entpuppt sich für mich aber als einfachere Nummer, natürlich mit Hilfestellung.

Polefitness ist kein Striptease

Apropos Stellung, während meiner Schnupperstunde denke ich zu keiner Zeit an einen Stripclub oder das Rotlichtmilieu. Mit diesem Vorurteil werden die Trainerinnen gelegentlich konfrontiert. „Die Frauen sind eher unvoreingenommen. Von manchen Männern kommt aber der eine oder andere blöde Spruch. Dennoch wissen die meisten, welches Trainingspensum und welche Fitness dahintersteckt“, betont Sabrina. Und das hat einen Grund: Polefitness stammt ursprünglich aus dem asiatischen Raum und entwickelte sich aus der Akrobatik. „Es waren vor allem die Männer, die ihre Künste an der Stange präsentierten“, gibt Julia zu bedenken. Heute wird Polefitness weltweit in Zirkussen von professionellen Artisten betrieben. Das Studio in Spaichingen gibt es seit zwei Jahren und bietet für diesen Trendsport Kurse an, die in Deutschland aber meist von Frauen besucht werden.

Nach meiner ersten Kursstunde sind meine Hände, Beine und Muskeln bereits so stark beansprucht und tun weh, dass ich mehrere Showeinlagen der Mädels auf dem Boden sitzend und völlig erschöpft genießen darf. Das Dehnen zum Abschluss komplettiert schließlich meinen Selbsttest.

Mein Fazit: Zwar fühle ich mich an der Pole noch wie ein Klotz, dennoch bereitet es mir viel Spaß. Definitiv ist Polefitness ein vielseitiges und herausforderndes Ganzkörpertraining und eine Sportart, die mich vom ersten Moment an begeisterte und meine Motivation und meinen Ehrgeiz in kürzester Zeit weckte.

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