„Tempo 30 und Parkbuchten haben viel gebracht“

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Jürgen Gäckle
Jürgen Gäckle (Foto: Regina Braungart)
Redaktionsleiterin

Zum Schulbeginn und erst recht zur Einschulung Ende der Woche in den verschiedenen Schulen sind die Eltern hin- und hergerissen: Sollen sie ihren Nachwuchs selbstständig zur Schule gehen oder mit dem Fahrrad fahren lassen, oder ist das zu gefährlich? Mit dem Thema Schulweg beschäftigen sich die Elternbeiräte der Spaichinger Kindergärten und Schulen seit vielen Jahren. Der Gesamtelternbeiratsvorsitzende der Spaichinger Schulen, Jürgen Gäckle, antwortet auf die Fragen von Regina Braungart.

Herr Gäckle, seit rund sieben Jahren organisieren die Elternbeiräte der Schulen und Kindergärten in Spaichingen die Aktion „Aktiv zur Schule und zum Kindergarten“. Haben Sie dabei auch Gefahrenstellen identifiziert?

Ja, es gab ganz am Anfang eine umfangreiche Umfrage unter der Federführung von Jana Lodahl. Die direkten Gefahrenstellen wurden dabei an der Bushaltestelle Schillerschule, beim Gymnasium an der Ampel und auf dem Parkplatz, wo es morgens relativ chaotisch zugeht, und an der Realschule identifiziert. An der Realschule hat sich viel verändert wegen der Parkbuchten in der Bahnhofstraße. Bei der Metzgerei Hermle war ein Gefahrenpunkt, wo die Ampel ist, weil dort die Autos relativ schnell fahren. Es gab Gespräche mit der Polizei und Verkehrszählungen, aber es hat sich dort so viel wie gar nichts getan. Aber ein gewisses Grundbewusstsein der Schüler für mögliche Gefahrenstellen ist vorhanden, zum Glück auch schon bei den Jüngeren.

Aber bei der Realschule gibt es jetzt ja auch Tempo 30 und bei den Bushaltestellen an der Schillerschule ein metallenes Leitsystem.

Ja, Tempo 30 und vor allem die Parkbuchten haben viel gebracht, weil man da als Autofahrer automatisch nicht so schnell fahren kann. Das metallene Leitsystem bei der Schillerschule gibt es, glaube ich, nun auch schon länger. Außerdem wurde an der Schillerschule ja auch ein Film gedreht, mit dem badenwürttembergweit ein Bewusstsein entsteht, wie man sicher in einen Bus ein- und aussteigen soll.

Über die Zeit beobachtet: Sind Kinder in Ihren Augen heute kompetenter oder eher weniger kompetent, sich im öffentlichen Verkehrsraum zu bewegen?

Ich denke, inzwischen sind sie kompetenter, weil es insgesamt mehr Verkehr gibt. Man sieht es an Kindern, die sich in der Großstadt bewegen, wie diese selbstverständlich Ampeln nutzen und ähnliches. Kinder sind in ihrer Entwicklung und ihrem Verhalten natürlich unterschiedlich, aber dadurch, dass es inzwischen auch bei uns mehr Verkehr gibt, sind sie insgesamt auch besser im Umgang damit. Früher war die Versuchung sicher größer, neben dem Zebrastreifen über die Straße zu gehen.

Was raten Sie als Elternvertreter und als Vater anderen Eltern: Erstklässler alleine zu Fuß oder mit dem Rad losschicken – Ja oder nein?

Man muss unterscheiden. Wenn ein Kind zu Fuß geht, muss man dafür sorgen, dass es den Weg kennt und dass mehrfach mit dem Kind mitgegangen wird. Wenn man dann sieht, das ist ein sicherer Weg, kann man es tun. Aber das ist das Risiko und die Entscheidung eines jeden einzelnen und hängt davon ab, wie der Schulweg ist, zum Beispiel wie oft eine Straße überquert werden muss und wie weit das Kind entwickelt ist. Auf keinen Fall sollte man das Kind alleine losschicken, ohne dass man den Weg mit dem Kind gegangen ist und das Risiko eingeschätzt hat. Was das Fahrradfahren angeht, bin ich mit der Polizei einig: Allein mit dem Fahrrad zur Schule sicher erst nach dem Fahrradführerschein, oder wenn man durch mehrfaches Begleiten, Anleiten und Beobachten des Kindes fundiert einschätzen kann, dass das Kind vielleicht doch schon so weit ist.

Aber unsere Aktion „Aktiv zur Schule“ hat ja nicht nur den Aspekt der Verkehrssicherheit, sondern sie soll Bewegung fördern und helfen, weg von Elterntaxis zu kommen.

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