Stadtkapelle führt das Publikum durch Musikjahrhunderte „Made in Germany“

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Die Stadtkapelle sorgte in der Stadthalle für große Begeisterung.
Die Stadtkapelle sorgte in der Stadthalle für große Begeisterung. (Foto: Fotos: Richard Moosbrucker)
Richard Moosbrucker

In der Spaichinger Stadthalle hat es am Samstag zigfach Zoom gemacht. Beim traditionellen Herbstkonzert vor fast ausverkauftem Haus, machte die Spaichinger Stadtkapelle unter der Leitung von Musikdirektor Thomas Uttenweiler dem Label „Made in Germany“ alle Ehre und ließ dabei musikalische Merkmale aufblitzen, die an Qualität, Finesse und Ausdrucksstärke kaum zu überbieten waren.

Weil tausendfach gehört, aber in Konzerten vielfach vermisst, startete die Stadtkapelle mit einem furiosen Militärmarsch alter Schule, deren Titel „Eherne Wehr“ schon eine geballte Ladung an Dynamik versprach, die einer martialischen Stimmung im Vierviertel-Takt den Weg ebnete. Wolfgang Dreher ordnete diese Musik richtig ein und erwies sich als kundiger Informant, der die „Zooms“ für das Publikum richtig verbal fokussierte. Hochpräzise, schmissig und akzentuiert wurde der Klassiker der Militärmusik in rasanten und triumphalen Sequenzen in den Hallenäther geschickt.

In der Ouvertüre zu Beethovens einziger Oper „Fidelio“ ebnete das Orchester in subtiler Art und Weise die klassischen Pfade der musikalischen Auseinandersetzung vom Kampf gegen das Schicksal und die Interpretation humanistischer Werte, wie es Dreher ausdrückte. Dabei wechselten sich die Register mit höchst gegensätzlichen, teilweise aufbrausenden und wieder besänftigenden, weichen Melodienbögen ab, die in der Summe ein klar gefasstes Bild der klassischen Musik zum Ausdruck brachten. Einer zarten Oboe, entgegneten weiche Melodien der Hörner, die wiederum eine dramatische Zuspitzung erfuhren, welche in ein munteres accelerando mündete. Lyrische Flöten und weiche Hornstimmen mündeten schließlich in ein grandioses Staccato-Finale. In der „Ouvertüre Allemande“ von Thomas Dost öffneten die Spaichinger Musiker einen musikalischen Schauerregen über alle Register und ließen sternschnuppengleich Melodien in die Halle rieseln, denen alternierende, prachtvolle Sequenzen, die Schönheit der Natur beschreibend, folgten. Kurz blitzte die Einleitung von Mozarts Figaro-Ouvertüre auf, um sogleich wieder in variantenreiche Register-Eskapaden zu münden, die wieder von einem beruhigenden Flötensolo gebändigt wurden, um eine lyrische Stimmung zu erzeugen.

Sich in ein U-Boot „hineinzuzoomen“ verstand Klaus Doldinger in seiner Filmmusik zu „Das Boot“ meisterhaft. Dem Publikum wurde der Tauchgang mit all seinen tragischen Momenten plastisch vorgeführt, so dass man durchaus nachempfinden konnte, welche Stimmungen in den unterschiedlichen Situationen sich in dieser Stahlkapsel wohl entwickelt haben, die aber auf der einen Seite heroisch wirkten und auf der anderen wieder eher sentimentale und euphorische Gefühle auslösten.

Die berühmte Berliner Luft schnuppern konnten die Konzertbesucher im gleichnamigen Titel mit zündenden Melodien, die, eine euphorische und frohgelaunte Stimmung der Jahrhundertwende zum Ausdruck bringend, quirlig-vergnügt in den Hallenäther strömten. Beschwingt und frohgelaunt zeichnete die Stadtkapelle diesen Lebensoptimismus jener Zeit, der manchmal auch an die Wiener Walzerseligkeit erinnern ließ.

Mit dem Kerntruppenmarsch als „Rausschmeißer“ des ersten Konzertteils, rundeten die Spaichinger Musiker den ersten Konzertteil ab.

Im zweiten Teil wurden die „Zooms“ auf die „Neue Deutsche Welle“ gerichtet. Hier standen vor allen Dingen die Arrangements von Markus Wissmann im Zentrum der Hörerlebnisse, die dann in der „Drehscheibe Musik“ im Bigband-Sound in eine bunte Revue von Swing und Jazz mündeten, die zahlreiche solistische Blitzlichter zauberten. Registerweise setzten die Akteure eigene, brillante Zooms. Auch bei den Boney M-Hits hatte Wissmann seinen Musiker-Kollegen und Kolleginnen eine maßgeschneiderte Auswahl zubereitet, die von den Musikern genussvoll umgesetzt wurden. In der finalen „80er KULT(tour)“ konzentrierten sich die Musiker im allerletzten Zoom auf die neue deutsche Welle der Popkultur, machten Halt im Sperrbezirk, huldigten dem Sternenhimmel oder schilderten auf musikalische Art die Einschlafstörungen dieser Zeit. Und dann hat es tatsächlich noch einmal bei Klaus Lages „Tausendmal berührt ein letztes Mal Zoom“ gemacht. Winke-Winke zum Schluss und eine Sportstudio-Zugabe mit aktivem Ballzauber durch das Publikum, das begeistert mitmachte und dem Dirigenten, wie allen Musikern damit seine Begeisterung für diesen Abend zeigte. Thomas Uttenweiler stand am Ende des Konzerts seine Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben. Nach der Anspannung kam die Entspannung: Was könnte für einen Musiker schöner sein, als der Applaus-Lohn am Schluss eines grandiosen Konzertes?

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