St. Michael-Kindergarten wirkt seit 50 Jahren

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 Die Kinder vom St. Michael freuen sich: Am 25. Mai feiert ihr Kindergarten 50. Jubiläum
Die Kinder vom St. Michael freuen sich: Am 25. Mai feiert ihr Kindergarten 50. Jubiläum (Foto: Ronja Straub)
Ronja Straub

Der Spaichinger Kindergarten St. Michael hat Geburtstag: 50 Jahre besteht das Haus, das zur Rupert-Mayer-Schule und dem Katholischen Schulwerk Spaichingen gehört. Ein halbes Jahrhundert voller Geschichten, Erzieherlebensläufe und Kindergenerationen. Leiterin Maria Sitzenberger blickt zurück auf eine Zeit, in der immer das Kind im Mittelpunkt stand.

Passend zum Jubiläum fertig geworden ist das neueste Projekt an dem katholischen Kindergarten: Der Umbau des Eingangsbereichs, der 2017 in Auftrag gegeben wurde. Beige Holzwände und ein heller Glattboden ersetzen dunkle Wände und Teppichboden. Gegenüber der Eingangstür ragt seit Februar eine Art „Indoor-Baumhaus“ in die Höhe – etwa 2,5 Meter ist es hoch. „So haben die Kinder eine neue Sicht auf das Leben im Kindergarten“, erklärt Kindergartenleiterin Maria Stitzenberger. Über eine Treppe kommen die Kinder auf eine Hochebene.

Neue Garderoben

Auch Teil der Umgestaltung: Rollbare Garderobenteile, die im Raum so angeordnet sind, dass sich dahinter Spielecken ergeben. Wenn man die Garderoben wegschiebt, kann man den Raum auch für Veranstaltungen, Elternabende oder Fortbildungen nutzen. „Jetzt fehlt noch der neue Elternbereich und auch die Gruppentüren werden neu gestaltet“, so Stitzenberger.

Optisch hat sich im Kindergarten seit seiner Gründung 1969 einiges geändert. Was geblieben ist über all die Jahre ist die Montessoripädagogik. Das sehe man an den „Materialien“ im Kindergarten. „Wir haben zum Beispiel viele Spielsachen nur einmal da“, sagt Stitzenberger. So würden die Kinder die Dinge mehr schätzen.

Etwas Besonderes im St. Michael Kindergarten: Die Kinder dürfen sich in der kleinen Küche selbst ein Rührei braten. „Wir zeigen den Kindern, wie es geht, und dann dürfen sie das alleine machen“, sagt Stitzenberger. „Fett in die Pfanne, die kommt auf die Herdplatte, wenn das Fett verlaufen ist, kommt das gequirlte Ei rein.“ Dieser Ansatz „Hilf mir, es selbst zu tun“, sei Teil des Marchtaler Plans, nach dem der Kindergarten ausgerichtet ist. Anwendungen wie diese bedürften viel Vorbereitung. „Früher hatten wir dafür mehr Zeit“, sagt Kupferschmid. „Wir haben damals sogar Rhythmiktücher selbst genäht, damit wir sie nicht kaufen mussten“, erinnert sich Gabriele Münch, die stellvertretende Leiterin des Kindergartens.

Andere Betreuungsformen

Die Betreuung hat sich über die Jahre verändert: Kinder werden länger und in Ganztagsgruppen betreut. „Akuten Erziehermangel haben wir zum Glück nicht“, sagt Stitzenberger. Aber man brauche bald eine Elternzeitvertretung. „Das bereitet mir schon Sorgen“, so die Leiterin.

Auch schon die erste Kindergartenleiterin, Hannelore Kupferschmid, hat an dem sogenannten Marchtaler Plan gearbeitet. Initiatoren des Kindergartens, der damalige Rektor der Rupert-Mayer-Schule, Alfred Hafner, und der Vorstand des Katholischen Schulwerks Spaichingen, Roland Weber, eröffneten den Kindergarten am 27. November 1969 und stellten Kupferschmid mit fünf weiteren Erzieherinnen ein.

Gabriele Münch erinnert sich noch an Hannelore Kupferschmid. Sie hatte Münch damals eingestellt. „Frau Kupferschmid war pädagogisch sehr gut und hat viel für unsere Fortbildung getan“, sagt Münch.

60 Kinder gingen zur Anfangszeit in den Vorschulkindergarten. Er war der Zweite seiner Art in Baden-Württemberg, wie der Heuberger Bote in einem Artikel über die Eröffnungsfeier schrieb. Voraussetzung damals: Kinder mussten schon einmal in einem Kindergarten gewesen sein und nach einem Jahr Vorschule in die Rupert-Mayer-Schule eingeschult werden.

Übergang von Kindergarten in Schule fließend

Das hat sich bis heute erweitert: Seit 1978 können Kinder ab drei Jahren in den St. Michael Kindergarten gehen. Heute ist es schon ab dem Alter von einem halben Jahr möglich.

„Das ist viel besser, weil die Kinder von drei Jahren bis zum Schuleintritt und teilweise darüber hinaus zusammenbleiben können“, sagt Maria Stitzenberger. Vorschule gebe es heute in dem Sinne nicht mehr. „Wir integrieren das in den Kindergarten-Alltag.“

Nach Hannelore Kupferschmid leitete ab 1993 bis 2001 Martina Dreher für neun Jahre den Kindergarten. Ab 2001 übernahm Carmen Weiß und seit 2012 hat Maria Stitzenberger die Kindergartenleitung von St. Michael, der sich seit 1989 so nennt.

Besonders wichtig sei, dass die Kinder einen guten Übergang von dem Kindergarten in die Grundschule erleben. „Die Erfahrungen, die ein Kind im Übergang macht, prägen“, sagt Stitzenberger. „Die Kinder können mit ihren Freunden in die Schule übergehen.“

Bereits im Kindergarten würden die Kinder Regeln aus der Schule lernen: Zum Beispiel der Umgang in der Turnhalle, der Mediathek oder der Schwimmhalle. Im letzten halben Jahr besuchen die Kinder die Klassen. „Diese Vorgehensweise machen wir seit vielen Jahren und sie hat sich bestätigt“, sagt Stitzenberger. Auch so könne man Kinder „zur Freiheit berufen“, wie es der Marchtaler Plan vorsieht.

Die Jubiläumsfeier

Am 25. Mai um 10.30 Uhr findet ein Gottesdienst in der Kirche St. Peter und Paul in Spaichingen statt. Ab 12 Uhr geht es mit dem Mittagessen und einer Spielstraße mit Preisen weiter. Es gibt auch Kinderschminke, Popcorn und ein Puppentheater mit der Geschichte von Petterson und Findus.

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