Spaichinger Modehaus Kimmerl schließt

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 Leidenschaft für Mode ist Heinz Herter auch jetzt anzumerken. Sein Alter von 81 Jahren nicht.
Leidenschaft für Mode ist Heinz Herter auch jetzt anzumerken. Sein Alter von 81 Jahren nicht. (Foto: Regina Braungart)
Redaktionsleiterin

Das Gerücht stimmt: Das Spaichinger Modehaus Kimmerl schließt zum 31. Dezember. Ab kommender Woche soll der Ausverkauf starten, die neue Herbst-/ Winterkollektion ist seit einigen Wochen bereits da. Einen Nachfolger zu finden, das hatte Inhaber Heinz Herter bereits als aussichtslos verworfen. Damit stirbt ein weiteres Traditionsgeschäft in Spaichingen.

Denn Herter, der das Fachgeschäft für Herren- und Damenmode vor 22 Jahren übernommen hatte, war nicht der erste Inhaber. Drei Jahre zuvor hatte Thomas Kimmerl den Laden von Theo Bader übernommen. Dessen Vater hatte das Fachgeschäft in Spaichingen einst gegründet.

Warum der Laden Kimmerl heißt und nicht Herter? Thomas Kimmerl hatte sich vom elterlichen Betrieb in Dillingen gelöst und etwas eigenes in Spaichingen aufbauen wollen. Die Dinge änderten sich und Kimmerl kehrte zurück in das größere Geschäft nach Dillingen. Zu viel war da schon in den Namen investiert gewesen.

Heinz Herter hatte über zehn Jahre lang bis 1976 sein Geschäft Cresta Mode in Biberach mit einem Compagnon, was aber nicht funktionierte, und so griff er bei Spaichingen zu. Für viele überraschend werden zwei Faktoren sein: Herter ist bereits 81 Jahre alt, was ihm keiner so richtig glauben mag, und er hat seine 66 Berufsjahre keineswegs alle mit Mode verbracht. „Ich bin ein Quereinsteiger“, sagt er und lacht.

Eigentlich hatte er als Vertriebsleiter im Bereich Lebensmittel gearbeitet und mit Einkaufszentren zusammen gearbeitet. „Und da bin ich auf die Mode gestoßen.“ Aber das Fachwissen, Stoffe, Schnitte, Trends, neben dem Gefühl für Ästhetik? „Das lernen Sie alles auf Messen und den verschiedenen Arbeitskreisen. Man muss am Anfang sehr viel zuhören.“

Und dazu müsse Begeisterung, Leidenschaft für Mode kommen. Und auch für den Einzelhandel überhaupt. Herter war immer auch aktiv in der Werbegemeinschaft und in Fachgremien. Entsprechend differenziert und pessimistisch ist auch sein Blick auf die Entwicklung des stationären Einzelhandels, speziell in der Modebranche, insgesamt.

Er schließe jetzt nicht nur wegen des Alters. Doch spüre auch das Modehaus, das eher die Zielgruppe 40/50 plus im Blick habe, den Trend zum Internethandel. Oder sie kommen in ein Alter, in dem Mode nicht so wichtig wird. „Die Umsätze waren zuletzt nicht mehr befriedigend“, so Herter. Überraschend ein weiterer Punkt: „Wir spüren so langsam den Klimawandel“, sprich, die Saison ist unberechenbar und kurz, auf einen kalten März kann ein heißer April folgen, das bedeutet, dass Frühjahrsmode eine ganz kurze Saison habe, wenn überhaupt.

Ein Großflächenplakat, das Bürgermeister Schuhmacher unbedingt weg haben wollte, konnte letztlich bleiben.

Auch wenn er sich auf mehr Freizeit freut, fällt Herter das aufhören schwer. „Wenn sie so eine Leidenschaft fürs Geschäft hatten und so gute, treue Kunden, ist es nicht leicht.“ Und seine Mitarbeiterinnen, insgesamt ein Team von sieben Teilzeitkräften, schätzt er hoch. Es habe immer ein gutes Betriebsklima gegeben und er habe es geschätzt, wenn sie ihre eigene Kreativität umgesetzt hätten, er habe vor allem im Hintergrund gelenkt. Sie sind fast alle aber auch an der Rentengrenze. Auch darüber ist der Chef froh.

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