Spaichingen reagiert fassungslos

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Pfarrer Michael Felder ist am Sonntag an Herzversagen gestorben. (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiterin

Erschüttert haben viele Spaichinger am Montag und Dienstag reagiert, als sie vom vollkommen unerwarteten Tod des früheren Spaichinger Pfarrers Dr. Michael Felder erfahren haben. Er ist 46-jährig in Zermatt am Sonntagnachmittag an Herzversagen gestorben.

Die Bindung vieler Spaichinger – nicht nur Katholiken – zu Michael Felder geht weit über das „normale“ Pfarrer-Gemeinde-Verhältnis hinaus. Tiefe Freundschaften waren entstanden. Erst am Montag vergangener Woche besuchte Felder, auf einer Fahrt nach Tübingen, Spaichingen. Er hatte am Sonntag in der Kapelle Maria zum Schnee am Schwarzsee im Schweizer Wallis, unweit des Matterhorns, die Festpredigt gehalten und sich nachmittags am Urlaubs-Vertretungsort Zermatt ein wenig hingelegt. Er ist nicht mehr aufgewacht.

Nach seiner fünfjährigen Pfarrerszeit in Spaichingen, Dürbheim und Balgheim ging Felder 2004 nach Tübingen als Studentenpfarrer, wo er neben Malta und Rom auch studiert hatte, und arbeitete an seiner Habilitation. Promoviert hatte er schon 1999 mit Summa cum laude in Rom. Von Tübingen aus wurde er zum Professor für Pastoraltheologie, Religionspädagogik und Homiletik an der Freiburger theologischen Fakultät (Fribourg, Schweiz) berufen.

Wie Dekan Matthias Koschar, der ebenfalls mit Michael Felder befreundet war, in einem Nachruf schreibt, spezialisierte sich Felder auf die Themenkreise Katechese und Jugendpastoral, denen auch, neben vielen anderen aktuellen pastoralen Fragen, sein Interesse als akademischer Lehrer galt. Felder war Schriftleiter der renommierten Zeitschrift „Diakonia“. „Pastoraltheologie im Kontext der Moderne zu betreiben und die Leichtigkeit und Freude, die aus dem Glauben an Gott entspringt, zu leben und zu verkünden waren sein Anliegen“, so Koschar. „Michael Felder war ein vielfältig begabter Mensch, den eine große Herzlichkeit, Intellektualität und eine humorvoll-fröhliche Wesensart auszeichneten. Seine Musikalität verband er mit einem großen Interesse an Literatur und den schönen Künsten überhaupt. Sein priesterliches Wirken war inspiriert von der Spiritualität des Heiligen Don Bosco und getragen durch das Gebet zu den Heiligen. In einem Interview bezeichnet Felder Gal 4, 26 als Bibelvers der ihm sehr wichtig ist. Dort heißt es: „Das himmlische Jerusalem aber ist frei, und dieses Jerusalem ist unsere Mutter“ Für uns unverständlich früh wurde Prof. Dr. Michael Felder ins himmlische Jerusalem gerufen.“

Weinend suchten Freunde am Dienstag Trost in der Dreifaltigkeitsbergkirche, die Betroffenheit auf die Todesnachricht hin in Spaichingen ist groß. Diakon Horst Teufel, dem Felder vergangene Woche bei seinem Besuch sein neues Buch überreicht hat, führt das auf die offene, undogmatische, menschliche Art Felders zurück: „Er verstand es die Menschen so zu nehmen wie sie sind. Und ist nicht zu allererst mit kirchlichen Vorschriften gekommen. Vor nichts was auf ihn zugekommen ist, hat er sich verschlossen. Dieses gelebte Menschsein und Miteinander kam auch aus dem Evangelium, aber vor allem aus seiner Zuwendung zum Menschen“, sagt Teufel.

Felders jüngstes Buch, dessen Herausgeber er ist, heißt in Anlehnung an Martin Walsers Buch „Gespräche über Mein Jenseits“. Auch mit Walser war Felder, ist die ganze Familie – er hat zwei Brüder - schon seit Felders Kindheit befreundet. Bei jedem Kontakt fragte Felder nach seinen Spaichingern, wie es ihnen geht, wie sich ihr Leben weiter entwickelt hat.

Die Bindung war, so Teufel, eng. Sein Tod „ist einfach nicht zu fassen“. Eine eng befreundete Spaichinger Familie hatte sich vergangene Woche von im verabschiedet in Vorfreude auf den 21. August - dann sollte der gemeinsame Urlaub beginnen. „Er war immer für uns da, vor allem für die Kinder, er hat einfach etwas ganz Spezielles gehabt“, sagen seine Freunde. Was das Besondere an ihm war? „Demut war sein wichtigstes Wort, trotz seiner Gelehrtheit, seine Menschlichkeit, er war immer da.“ „Es war Charisma, so wie der Titel seiner Habilitation.“ Wenigstens, so klammern sich seine Freunde an diesen Strohhalm, sei er an dem für ihn schönsten Ort gestorben, er habe Zermatt geliebt. „Wir müssen dankbar sein, dass wir ihn überhaupt gehabt haben.“

Die Seelsorgeeinheit Am Dreifaltigkeitsberg feiert das Requiem für Michael Felder am Freitag, 10. August, um 18.30 Uhr in der Stadtpfarrkirche. Der Rosenkranz ist am Donnerstag, 9. August, um 18 Uhr. Zum Requiem und Beisetzung am Samstag, 11. August, um 13 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche in Gernsbach-Obertsrot fährt ein Bus: Anmeldung vormittags über das Pfarramt Spaichingen, Telefon 958400

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