Spaichingen könnte vom IC abgehängt werden - Ministerium dementiert

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Beim Besuch des bahnpolitischen Sprechers Matthias Gastel versuchten vier Männer, den schweren elektrischen Rollstuhl Michael Rö
Beim Besuch des bahnpolitischen Sprechers Matthias Gastel versuchten vier Männer, den schweren elektrischen Rollstuhl Michael Röhrers die Hühnerleiter hochzutragen. Es gelang nicht. (Foto: Archiv- Michael Hochheuser)
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Wer sich beteiligen möchte, vor allem am „Team Tuttlingen“ und „Team Rottweil“, möge sich bei Hermann Polzer unter Telefon 07424/502658 oder polzer.hermann@gmail.com melden.

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Die „Hühnerleiter“ als einziger Weg zu den Fernzügen ist untragbar. Dieses Fazit einigt alle, die am 28. April ab 14.30 Uhr am Bahnhof demonstrieren wollen. Doch was genau kann und soll beim Aktionstag gefordert werden? Bei einem Vorbereitungstreffen im Gasthaus „Olympia“ haben rund 15 Teilnehmer von Hermann Polzer, dem Sprecher der Spaichinger Grünen und Organisator, Neues erfahren. Laut einer, so Polzer, glaubwürdigen, aber nicht zu nennenden Quelle sei es schon ausgemachte Sache, ab 2026 Spaichingen vom IC-Fernverkehr abzuhängen. Das Landesverkehrsministerium dementiert.

Zwar sei es nach dem derzeitigen Interimsfahrplan bis 2025 vertraglich gesichert, dass stündlich ein schneller und ein langsamer IC zwischen Stuttgart und Singen fährt, wobei nur der langsame in Spaichingen hält. Doch „wie Spaichingen danach an Stuttgart und Singen angebunden wird, ist planerisch vom Land noch nicht entschieden“, so eine Pressesprecherin des Ministeriums auf Anfrage dieser Zeitung.

Fest stehe nur, dass der zweistündige, schnelle IC nach einem Streckenausbau der Gäubahn - der im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans enthalten ist – mit Neigetechnik verkehren solle, so die Sprecherin. Und auch, dass das Konzept, die Gäubahn über den Flughafen an Stuttgart 21 anzubinden, im Januar 2018 von den Projektpartnern bekräftigt worden sei.

Ein Bahnsprecher sagt auf Anfrage dieser Zeitung, dass Aussagen zu genauen Fahrplangestaltungen frühestens zwei Jahre vorher möglich seien. Von einer politischen Entscheidung zugunsten durchfahrender ICs wisse man allerdings nichts.

Laut Polzer seien die ihm vorliegenden Pläne dem Umstand geschuldet, dass die angestrebten kurzen Fahrzeiten von 2,5 Stunden zwischen Zürich und Stuttgart nicht möglich seien, wenn man überall halte. Daher sei angestrebt, langfristig die kleinen Bahnhöfe mit dem Nahverkehrszug als Zubringer zu den ICs, in dem Fall in Rottweil und Tuttlingen, gut abgestimmt zu bedienen.

Das ist aber vor allem für körperlich eingeschränkt lebende Menschen mit Rollator oder Rollstuhl fast unmöglich, sagen die Vertreter des Sozialverbands VdK. Der Verband war mit vier Mitgliedern beim Vorbereitungstreffen dabei. Ebenso, neben mehreren Grünen-Mitgliedern, auch der BUND und das Ehepaar Goldfuß mit eigenen Vorschlägen.

„Salamitaktik beenden“

Eine mögliche hohe Investition der Stadt in Aufzüge zur barrierefreien Überwindung der Hühnerleiter wird selbstverständlich sehr stark davon abhängen, ob eine politische Entscheidung gemäß der von Polzer genannten Skizzen fallen wird. Daher, so Polzer, müssten die Entscheidungsträger aufgefordert werden, ihre Salamitaktik zu beenden und klar zu sprechen.

Weiterhin seien bis 2026 noch acht Jahre Zeit – Zeit für Pendler und Reisende, die die Fernzüge nutzen. Deshalb gelte es, auch kurzfristige Lösungen zu finden. Zu klären wäre, ob die bis geschätzt 1995 existierende Fußgängerfurt mit einer Absenkung der Bahnsteige etwa mit einer automatischen Schranke reaktiviert werden könne, welche baulichen Maßnahmen möglich seien, ob spätestens zum nächsten Fahrplanwechsel wieder Fernzüge auf Gleis 1 fahren können. Dass Reisende wieder auf Gleis 1 nicht nur im Nah- sondern auch Fernverkehr abfahren können, ist jedenfalls eine Kernforderung der Demonstration am 28. April.

In der von einer Präsentation begleiteten Rückschau zeigte Polzer, dass es schon einmal 1999 eine konzertierte Aktion gegeben habe, und tatsächlich konnte durch den Einbau neuer Weichen das kurzfristig favorisierte Gleis 3 wieder „entmachtet“ werden.

Doch inzwischen sei es so, dass mit der Steigerung der Frequenz von 23 auf 32 Züge die Fahrpläne quasi nach Sekunden getaktet werden müssen. Das Gleis 3 ist das Durchgangsgleis, das mit 120 Stundenkilometern angefahren werden könne. Gleis 2 und 1 würden abgezweigt und müssten ab dem Vorsignal auf 80 reduziert werden.

Was am Aktionstag passiert

Ein breiter, überparteilicher Kreis werde am 28. April ab 14.30 Uhr den Aktionstag mit der Forderung der Barrierefreiheit tragen. Erwin Teufel habe geschrieben und informiert, dass er schon eigenständig bei verschiedenen Stellen interveniert habe. Er könne wegen eines anderen Termins nicht kommen. Der frühere Landtagsabgeordnete und CDU-Vorsitzende Franz Schuhmacher jedoch werde ein Grußwort sprechen. Die Genehmigung der Stadt liege vor, Bürgermeister Schuhmacher habe ein gutes Gelingen gewünscht, allerdings moniert, dass es gar keine Erhebung gebe, wie viele Betroffene es überhaupt gebe.

Dies wird wohl am 28. April sichtbar werden, denn betroffen seien Menschen mit Kinderwagen, Rollatoren, schweren Koffern, Fahrrädern und schweren E-Bikes, Gehbehinderte, Menschen mit Rollstühlen, kurz alle, die nicht topfit und gepäcklos sind. Der Kern des Aktionstages wird sein, dass ein Team Rottweil und ein Team Tuttlingen mit eben diesen Einschränkungen von Rottweil und Tuttlingen kommend denen, die bei der Hühnerleiter warten, praktisch vor Augen führen, was geschieht, wenn man auf diesem Gleis aussteigen muss und vor der steilen Treppe steht.

Wer sich beteiligen möchte, vor allem am „Team Tuttlingen“ und „Team Rottweil“, möge sich bei Hermann Polzer unter Telefon 07424/502658 oder polzer.hermann@gmail.com melden.

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