Annegret Kramp-Karrenbauer, Generalsekretärin der CDU, steht zwischen Jens Spahn (CDU, rechts), Bundesgesundheitsminister, und
Annegret Kramp-Karrenbauer, Generalsekretärin der CDU, steht zwischen Jens Spahn (CDU, rechts), Bundesgesundheitsminister, und Friedrich Merz (CDU) vor einer Veranstaltung der Frauen-Union. Die drei Politiker wollen sich beim Parteitag im Dezember für die Nachfolge von Angela Merkel im Amt des CDU-Bundesvorsitzenden bewerben. Die CDU-Vorsitzenden aus dem Raum Spaichingen sehen keinen klaren Trend, wer das Rennen machen wird. (Foto: Michael Kappeler)
Redaktionsleiterin

Die CDU wird nach dem angekündigten Rückzug Angela Merkels eine neue Spitze wählen. Eine leichte Tendenz zu Friedrich Merz machen die Vorsitzenden der CDU-Ortsverbände im Bereich Spaichingen/Primtal/Heuberg, die wir bei einer kleinen Umfrage am Freitag erreicht haben, unter den Mitgliedern aus. Doch die meisten bewerten die Tatsache, drei profilierte Kandidaten zu haben, als Glücksfall für die Partei. Albin Ragg mahnt mehr inhaltliche Schwerpunktsetzungen an.

Die CDU-Stadtverbandsvorsitzende Eva Burger ist derzeit auf Reisen und war nicht erreichbar. Einer, der den CDU-Stadtverband aber jahrzehntelang leitete und jetzt begleitet ist der Landtagsabgeordnete a.D. Franz Schuhmacher. Er habe sich in der vergangenen Woche aus gesundheitlichen Gründen noch nicht umhören können, hat aber eine eigene Meinung. „Jens Spahn sollte lieber ein ein mutiger Gesundheitsminister bleiben.“ Die Sympathie gelte Annegret Kramp-Karrenbauer, weil sie fleißig und zuverlässig sei. Der Verstand aber tendiere, vorausgesetzt es gebe keine neueren Fakten, zu Friedrich Merz als Wirtschaftsfachmann, wenn er sich frei mache für die Partei und von seinen wirtschaftlichen Verflechtungen.

Er sehe schwierige Zeiten kommen im Umfeld von Brexit, Italien, Trump. „Ich setze voraus, dass er mit der Kanzlerin zusammen arbeitet, wir können uns im Moment nichts anderes leisten. Und ich setze auf neuen Schwung und Selbstbewusstsein in der Partei“, so Schuhmacher.

Auch der Gosheimer CDU-Vorsitzende Karl-Werner Bode sieht im Ortsverband eine Tendenz zu Merz als CDU-Vorsitzender. Allerdings sollten die Regionalkonferenzen abgewartet werden, bei denen sich die Bewerber vorstellen werden. „Sich jetzt schon auf eine Person festzulegen halte ich für falsch.“ Auf dem Kreisparteitag seien Maria-Lena Weiß und Volker Kauder zu Delegierten gewählt worden, aber jedes Mitglied sei frei, ohne Stimmrecht teilzunehmen.

„Jeder Kandidat hat seine Anhänger“

Im Ortsverband Dürbheim-Balgheim sei kein klarer Favorit zu erkennen, berichtet Ortsverbandsvorsitzender Markus Keller. „In der Diskussion merke ich, dass jeder Kandidat seine Anhänger hat. Mich freut es, dass wir dies in der Partei breit diskutieren können.“ Im Moment sei auch für Baden-Württemberg eine Regionalkonferenz vorgesehen. Kellers „persönlicher Favorit ist Friedrich Merz. Ich freue mich, dass er sich wieder in der CDU engagieren möchte.“

Rolf Geiger, CDU-Vorsitzender in Frittlingen, hingegen hält Annegret Kramp-Karrenbauer für die beste Kandidatin für die CDU „Sie hat als Ministerpräsidentin des Saarlands eine gute und erfolgreiche Politik abgeliefert.“ Als Kandidatin würde er sie wählen, weil sie sehr überzeuge als Generalsekretärin. Auch besetze sie mit ihren Argumenten alle internen Flügel der Christdemokraten. Im Hinblick auf die Alterssituation traue er ihr zu, die Alterspflege zu reformieren. „Ihr soziales Engagement spricht außerdem für sich.“

Auch Bürgermeister Albin Ragg, Vorsitzender der CDU Deilingens, hört aus dem Ortsverband Stimmen für Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer heraus. Er glaube nicht, dass Merz und Spahn sich total von der Politik der Kanzlerin abwenden würden. Ragg weiter: Er habe sich mit den Vorstellungen aller drei Politiker beschäftigt. Aber: „Ich lege Wert darauf, dass wir uns in Zukunft mehr mit Zukunftsthemen, wie zum Beispiel dem Breitbandausbau, beschäftigen müssen. Wie sind wir in Zukunft noch global wettbewerbsfähig? Wie sichern wir Mobilität, bezahlbaren Wohnraum und eine gute medizinische Versorgung? Wie gehen wir mit den Herausforderungen des Klimawandels und der dadurch verursachten Migration um?“ An den Antworten auf diese Fragen müssten sich die Kandidaten messen lassen, auch von den Delegierten beim Parteitag.

„Lassen wir die Jugend ran“

Einige ironische Bemerkungen kann sich in einem Schreiben an die Redaktion ein langjähriges CDU-Mitglied, Bürgermeister a.D. Hans-Heinrich Ahlfeld, der Beziehungen auch zu überregionalen CDU-Politikern hat, weil er für das BMZ in Albanien Aufbauarbeit geleistet hat, nicht verkneifen:

In der CDU regiere zur Zeit der unbedingte Wunsch nach Verjüngung der Spitze. „Prompt kommt ein Außenseiter aus der Deckung. Hurrah! Friedrich Merz, der Merz ist da! Verjüngung! Das muss jeder verstehen. Frau Merkel ist 64 Jahre und 3,5 Monate alt. F. Merz ist natürlich erheblich jünger. Er wird am 11. November 63 Jahre alt. Also: Lassen wir die Jugend ran!“, lästert Ahlfeld.

Ahlfeld ist kein Freund von Merz, bei dem er wegen seiner Wirtschaftsverflechtungen Günstlingswirtschaft befürchtet. Er habe Merz bei einem Wahlkampf, den er mit ihm und Erwin Teufel für Volker Rühe und gegen Heide Simonis gemacht habe, als „selbstgerechten, rechthaberischen, überheblichen, egozentrischen und arroganten Menschen kennen gelernt.“ So jedenfalls sehe sein CDU Vorsitzender nicht aus, so Ahlfeld.

Ihn ärgert, wie mit Kanzlerin Merkel umgegangen wird. Er frage sich, was die Deutschen, die abtrünnigen MdBs, einige Medien von ihr wollten. „Frau Merkel hat sehr, sehr viele Krisen effektiv bewältigt und entschärft. Sie ist Eckpfeiler und Garant der stabilen deutschen Politik in der EU und der Welt.“

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