Rena Schwarz nimmt Frauen und Männer aufs Korn

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 Auch die relativ wenigen Männer im Publikum brauchten vor den „Supertussis“ keine Angst zu haben.
Auch die relativ wenigen Männer im Publikum brauchten vor den „Supertussis“ keine Angst zu haben. (Foto: Manfred Brugger)
Manfred Brugger

Rena Schwarz, eine Ost-Westfälin („dort, wo man zum Lachen in den Bunker geht“), die schon viele Jahre im Spessart lebt, hat am Freitagabend die Aula des Gymnasiums rekordverdächtig gefüllt. Der Einladung des Kulturarbeitskreises und der Volkshochschule unter dem skandalträchtigen Titel „Supertussies packen aus“ sind vornehmlich Damen jüngeren und mittleren Alters gefolgt. Weswegen die Solo-Kabarettistin den wenigen Männern in dieser „Höhle der Löwinnen“ erst einmal Respekt bekunden und Mut zusprechen musste.

„Leben ist Kabarett“ – unter diesem ersten Leitgedanken wurden existenzielle Alltagsfragen aus weiblicher Perspektive betrachtet: Lassen Vornamen wie „Paris“ oder „San Diego“ Rückschlüsse auf den Zeugungsort zu? Sind Traummänner so unwirklich wie Weihnachtsmänner? Und wieso hat sich die ursprüngliche Getränkebemessung bei Tupperabenden („ein Asti-Spumante auf sechs Damen“) zwischenzeitlich ins Gegenteil verkehrt?

Apropos Tupperware: Ein ganzes Arsenal (jedes einzelne Teil hat bekanntlich einen Namen) wurde aufgefahren und einzeln abgehandelt. Mit dem dezenten Hinweis darauf, dass Tupper in der Mitgift den Marktwert einer Braut beachtlich steigert. Und gipfelnd im Hymnus „Lasst uns unsere (Plastik-)Gläser heben, Tupperware soll ewig leben“ (auch wenn nur 30 Jahre Garantie drauf sind).

Welcher Körperteil ist der wichtigste? Mit dieser Gewissensfrage an die Damenwelt wurden die Anti-Aging-Produkte durch den Kakao gezogen. All die faulen Versprechungen eines Ewig-jung-Aussehens. Bauch, Beine und Po dürfen sich angeblich auf immer weiter entwickeltere Anti-Falten-Cremes freuen. Bei deren Ganzkörperauftrag nur noch darauf geachtet werden muss, dass der Kopf schlussendlich nicht „wie 20“ rauskommt und das Gesäß dazu „wie 80“ (oder umgekehrt).

Gefahr droht auch bei Tattoos, die einst als züngelnde Flammen gestochen, sich bisweilen zu einem Flächenbrand auswachsen können. Und überhaupt: Zuviel des Guten hat schon manchen blühenden Blumenstrauß in einen welken Trockenstrauß verwandelt.

Nostalgische Rückblicke auf einstige TV-Helden

„Frau und Technik“-Betrachtungen dürfen an einem angriffslustigen Kabarettabend nicht fehlen. Von Omas erstem ungelenken Umgang mit der Fachsprache eines Smartphones angefangen bis hin nostalgischen Rückblicken auf einstige TV-Helden (der Herzensbrecher „Little Joe“ aus „Bonanza“ verzückt noch heute, während „Sandy“ aus einstigen „Flipper“-Tagen mittlerweile bemitleidenswert gealtert sei).

Dazu noch zwei lebenspraktische Tipps: Ein Geschäft für Übergrößen aufzusuchen wird denjenigen empfohlen, die noch einmal im Leben hören wollen, dass sie für das ausgewählte Kleidungsstück leider zu dünn sind. Und wer unter den Männern an seiner Glatze leidet, sollte sich vergegenwärtigen, dass dies Freikörperkultur auf höchstem Niveau darstellt. Danach kommt auch noch „Mutti Merkel“ mit dem unverwechselbaren Raute-Handgriff an die Reihe.

Zum Finale wechselt die freche Göre dieses kurzweiligen Programms ihre saloppe Garderobe und erscheint als „Femme fatale“ auf der Bühne. Mit Frack, Zylinder und sexy Netzstrümpfen, wie aus dem Ei gepellt. Und macht auch damit eine gute Figur.

Zum Schluss lässt Rena Schwarz rote Rosen ins Publikum regnen. Und eine davon erreicht sogar den in der letzten Reihe sitzenden Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher, den Hausherrn dieses Abends.

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