Rekordbesuch bei christlich-islamischem Dialog

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 Die Religionen reichen sich die Hände: Dr. Mahmoud Abdallah, Prof. Bernd Jochen Hilberath und Pastoralreferent Thomas Blessing
Die Religionen reichen sich die Hände: Dr. Mahmoud Abdallah, Prof. Bernd Jochen Hilberath und Pastoralreferent Thomas Blessing (von links). (Foto: Franz Dreher)
Franz Dreher

Pastoralreferent Thomas Blessing ist vom großen Besucherandrang selbst überrascht gewesen. So mussten die Helfer der katholischen Erwachsenenbildung schnell weitere Stühle heranschaffen, damit die rund 120 Interessierten im Edith-Stein-Haus Platz nehmen konnten. Zwei Theologen, Prof. Bernd Jochen Hilberath und Dr. Mahmoud Abdallah, arbeiteten Parallelen und Gegensätze von Christentum und Islam heraus.

Zunächst zeichnete der katholische Prof. Bernd Jochen Hilberath mit einem Impulsreferat seine Sicht zum christlichen Gottes- und Menschenbild auf, wobei er die Gemeinsamkeit des „Ein-Gottglaubens“ unterstrich. Allerdings seien das Bekenntnis und die Liebe zu dem einzigen Gott Jahwe des Alten Testaments durch Jesus akzentuiert und mit dem Gebot der Nächstenliebe ergänzt worden.

Der Dogmatiker im Ruhestand versuchte hierbei schon den erwarteten Widerspruch mit der Dreifaltigkeit aufzulösen, in dem er die Trinität mit drei Kerzen verglich, welche zusammen gestellt mit einer Flamme leuchten würden. Damit hoffte er, seinen muslimischen Kollegen davon zu überzeugen, dass die Christen auch nur einen einzigen Gott verehren, allerdings in den drei Personen Vater, Sohn und Heiliger Geist. Bezug nehmend auf Karl Rahner betonte der Theologe, dass schließlich nur die Nächstenliebe die wirkliche Gottesliebe sei. Auf den momentanen Zustand „seiner“ katholischen Kirche anspielend, meinte Hilberath, dass ihm nur sein angeborener rheinischer Humor den „real-existierenden Zustand“ ertragen lasse.

Dr. Mahmoud Abdallah stellte die in verschiedenen Koranversen dargestellte Güte und Barmherzigkeit seines Gottes dar. Auch in den prophetischen Überlieferungen werde betont, dass „nur der wahrhaftig gläubig ist, welcher für seinen Bruder das wünscht, was er für sich selber wünscht“. Die Rituale im Islam seien zwar wichtig, aber der wahre Glaube sei am Umgang mit den Menschen zu beweisen und umzusetzen. Jesus habe im Islam einen besonderen Status als gütiger Prophet, der jedoch nicht aus sich selbst, sondern nur durch Gott geheilt habe.

Stefan Schnee wollte von Abdallah wissen, wie es denn mit der Friedfertigkeit des Islam und dem kriegerischen Mohammed zusammen gehe. Der islamische Theologe wich diesem Widerspruch mit dem Hinweis aus, dass diese Frage thematisiert werden müsse und dazu noch Forschungsbedarf bestehe. Er wolle hier ein Fragezeichen setzen, denn es könne auch sein, dass die arabischen Überlieferungen den Propheten als großen Helden darstellen wollten. Allerdings gab er unumwunden zu, dass die „These“, dass Mohammed bis zu 800 Menschen getötet habe, als Rechtfertigung für die Untaten im Namen Allahs missbraucht würde. Gewalt sei allerdings nur zur Selbstverteidigung erlaubt. Im Übrigen, räumte er ein, sei der Prophet in menschlichen Dingen nicht unfehlbar gewesen.

Auf die Frage „Warum trägt die Spaichinger DITIB-Moschee ausgerechnet den Namen des kriegerischen Sultans Fatih“, sprang der katholische Dogmatiker seinem islamischen Kollegen bei. „Alle Religionen haben ihre Geschichten hinter sich, auch die katholische Kirche hat gegen den Geist des Evangeliums gehandelt.“

Nach vielen weiteren, durchweg sachlichen Fragen zog Thomas Blessing das Fazit einer gelungenen Begegnung: „Das ist der richtige Weg im Zusammenleben, wir müssen einfach respektvoll miteinander umgehen.“

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