Prozess gegen Drogenhändlerring startet

Lesedauer: 3 Min

 Trotz Handschellen und Gerichtsprozess hat Placido A. ein Lächeln im Gesicht, als er in den Saal geführt wird.
Trotz Handschellen und Gerichtsprozess hat Placido A. ein Lächeln im Gesicht, als er in den Saal geführt wird. (Foto: Eich/sbo)

Pizzabäcker und Geschäftsmann oder doch Mafiosi und brutaler Verbrecher? Beim Prozess gegen einen Drogenhändlerring aus der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg/Rottweil am Landgericht Konstanz haben die Hauptangeklagten beim Prozessauftakt versucht, ein ganz anderes Bild von sich zu zeichnen.

Kopfschüttelnd hört sich der Rottweiler Gastronom Placido A. die von Oberstaatsanwalt Joachim Speiermann vorgetragenen Vorwürfe gegen die neun Angeklagten an, grinst dabei und wirkt siegessicher. Er und ein Verbrecher – für ihn ist das offenbar völlig abwegig. Auch sein Anwalt Martin Stirnweiss spricht davon, dass der 53-Jährige mit den Verbrechen nichts zu tun habe. Vielmehr habe man ihn durch die Festnahme im Juni 2017 „im reifen Alter aus dem Arbeitsumfeld gerissen“ und von Familie und Freunden getrennt. In der Presse sei er der „Dauerbrenner“ – würde dort gar als „Mafiosi“ bezeichnet, obwohl dies noch gar nicht belegt sei.

Laut Stirnweiss passe es da aus Sicht der Medien auch ins Bild, dass ausgerechnet er als angeblicher Mafiosi dem Tuninger Bürgermeister Jürgen Roth Schmiergeld gezahlt haben soll – Vorwürfe, die im Zuge des OB-Wahlkampfes in Villingen-Schwenningen aufkamen und sich nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft als haltlos erwiesen.

Doch genaue jene Nebenkriegsschauplätze, nämlich, dass bereits eine Vorverurteilung der aus ihrer Sicht unschuldigen Angeklagten stattgefunden habe, eröffnete die Verteidigung zum Auftakt.

In den Vordergrund rückte plötzlich auch der schlechte Gesundheitszustand des Donaueschinger Geschäftsmanns, der laut Angaben seines Verteidigers mit dem Weitervermieten von Lokalen sein Geld verdient. Der 49-Jährige erwägt angesichts der „schlechten Behandlung in den Justizvollzugsanstalten“ gar eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung, weil ihm bei einem Zusammenbruch nicht sofort geholfen worden sei. Zudem seien seine Partnerin und die beiden Kinder aufgrund der Festnahme durch ein Spezialeinsatzkommando „traumatisiert“ – man habe dadurch sein gesamtes Lebensumfeld zerstört.

Weniger traumatisiert wirkte auf der Rückfahrt Placido A. Der mutmaßliche Kopf der Bande ließ sich im vergitterten Justiz-Fahrzeug auf der Autobahn von Familienangehörigen feiern – sein Grinsen und der Daumen nach oben unterstrich seine Siegesgewissheit in diesem Mammut-Prozess.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen