Nach Großbrand mit 120 toten Rindern: Peta zeigt Trossinger Landwirt an

Ein verheerender Brand tobt in der Nacht vom 6. auf den 7. Oktober in einem Trossinger Rinderstall mit Stroh- und Heulager.
Ein verheerender Brand tobt in der Nacht vom 6. auf den 7. Oktober in einem Trossinger Rinderstall mit Stroh- und Heulager. (Foto: SZ-Archiv)
Redaktionsleiterin

Für Kopfschütteln hatte nach dem verheerenden Brand in der Nacht vom 6. auf den 7. Oktober in einem Trossinger Rinderstall mit Stroh- und Heulager gesorgt, dass die Tierschutzorganisation Peta auch noch den betroffenen Landwirt wegen mutmaßlich fehlender Brandschutzmaßnahmen und damit dem Verstoß gegen das Tierschutzgesetz angezeigt hatte.

Die Staatsanwaltschaft hat wegen fehlender Grundlage eines Verdachts keine Ermittlungen eingeleitet, so die Antwort auf Anfrage dieser Zeitung in Rottweil. Aber auch Peta sagt: Wenn die Organisation gewusst hätte, dass vorsätzliche Brandstiftung als Ursache im Raum steht, hätte man die Anzeige nicht erstattet. Das ändere aber nichts daran, dass es dringend nötig wäre, gesetzliche Rahmenbedingungen für Brandschutz in Tierställen zu schaffen.

Falsche Textbausteine

Das Schreiben, mit dem im Oktober Peta die Öffentlichkeit über die Anzeige informiert, hat einen peinlichen Fehler. Dort ist in einem Satz von „qualvoll erstickenden Schweinen“ die Rede. Ja, das seinen wegen der vielen Brände Textbausteine, die immer wieder verwendet würden, sagt die Fachreferentin und Agrarwissenschaftlerin bei Peta, Lisa Kainz aus Stuttgart auf Anfrage dieser Zeitung.

Wegen der bloßen Masse hat man keine Chance hat, die Tiere lebend herauszubringen. Lisa Kainz

Animal Rights Watch wird auf der Facebookseite „Stallbrände“ des mit dem Thema intensiv befassten Tierschützers Stefan Stein sogar mit der Zahl 2500 solcher Brände in diesem Jahr zitiert. Und weil dabei wegen der Größe der Bestände sehr viele Tiere elend verenden, die bei ausreichendem Brandschutz hätten gerettet werden können, zeige Peta alle solche Fälle an, die sie zur Kenntnis bekommt. Denn jeder Halter sei verpflichtet, in jeder Situation für die Sicherheit der Tiere zu sorgen.

Kaum Chancen bei Massentierställen

Meist verendeten Schweine oder Hühner qualvoll bei diesen Bränden oder durch aufgefallene Belüftungsanlagen. Daher der Textbaustein. Das größte Problem seien die großen Ställe der Massentierhaltung, gerade bei Schweinen und Hühnern, denn bei Tausenden von Tieren sei es von vorneherein klar, dass „wegen der bloßen Masse hat man keine Chance hat, die Tiere lebend herauszubringen“, so Kainz.

Deshalb dürfte man aus Sicht der Tierrechtler niemals Ställe entwerfen, bei denen es im Brandfall von vornherein unmöglich wäre, dass die Tiere nicht gerettet werden könnten. Das wäre auch bei von Menschen bewohnten Gebäuden undenkbar. Dazu komme, dass eine Rettung schwierig sei, wenn die Tiere nicht gewohnt seien, hinauszugehen. Sie würden dann selbst bei einem Brand im Stall und damit dem sicheren Tod bleiben.

Nicht brennbare Wände

Und moderne Rinderställe mit weiten und mehreren Türen? Dann müsste es auch Vorrichtungen geben, die Tiere im Freien in umzäunten Schutzflächen aufzufangen, auch das sei teuer und aufwändig. Bei Neubauten gebe es gewissen Brandschutzvorschriften wie nicht brennbare Wände, das nicht Verwenden von leicht entzündlichen Materialien und anderes. Aber das sei nicht genug, so die Agrarwissenschaftlerin.

Und was wäre genug jenseits der Ablehnung von riesigen Massentierhaltungen auch aus anderen Gründen? Brandmelder, die für Ställe geeignet sind, so wie sie zum Beispiel auch in der Industrie mit Schmutz und Dampf vorgeschrieben seien und für Ställe geeignete Sprinkleranlagen, sagt Kainz. Das alles gäbe es, aber es sei sehr teuer. Eine genaue Zahl hat sie nicht, aber sie schätzt viele tausend Euro.

Brandgefahr größer als in Wohnungen

Es sei nicht einsehbar, so Kainz, dass ausgerechnet in landwirtschaftlichen Betrieben, wo die Brandgefahr viel größer als in Wohnungen sei, weil Heu und Maschinen oft im gleichen Stall gelagert würden, keine entsprechenden Brandschutzmaßnahmen vorgeschrieben seien.

Tierschützer fügen noch einen weiteren Punkt hinzu: Auch Photovoltaikanlagen, die inzwischen auf sehr vielen Stallgebäuden installiert seien, müssten durch Fachleute gegen einen möglichen, Brände auslösenden, Defekt geschützt werden.

Versicherungen werden laut

Weil die Stallbrände so häufig und auch die materiellen Schäden so groß seien, begännen auch die Versicherungen laut zu werden, was eine Regelung des Brandschutzes angehe, so Kainz. „Es gibt eine Arbeitsgemeinschaft auf Agrarministerebene, aber auch die Bundesregierung beschäftigt sich mehr und mehr mit dem Thema.“ Doch ein Musterland in dieser Frage gebe es „leider nicht“.

Fest stehe, in den allermeisten Fällen sei ein technischer Defekt Ursache. Wenn Informationen vorlägen, dass es eine vorsätzliche Brandstiftung gewesen war, dann ziehe Peta die Anzeige auch zurück. In jedem Fall sei der Tod der Tiere furchtbar und qualvoll. Und natürlich sei das auch für die Landwirtsfamilie schrecklich.

Wurde schon einmal ein Landwirt auf eine solche Anzeige hin verurteilt? Ja, weil bei Schweißarbeiten ein Brand ausgebrochen war, und der Landwirt nicht dafür gesorgt hatte, dass seine Tiere bei einem Brand überleben konnten.

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