Palliativnetz gedenkt der Verstorbenen

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 Pfarrer Günter Hess zitierte in seiner Predigt auch Gedichte von Dorothee Sölle und Richard Riess.
Pfarrer Günter Hess zitierte in seiner Predigt auch Gedichte von Dorothee Sölle und Richard Riess. (Foto: pm)
Schwäbische Zeitung

In der bis zum letzten Sitzplatz belegten Krankenhauskapelle des Klinikums Spaichingen hat der Vorsitzende des Palliativnetzes des Landkreises Tuttlingen, Volker Teufel, die Angehörigen und Gäste, die zur Gedenkfeier für die 85 Verstorbenen des vergangenen Jahres gekommen waren, herzlich willkommen geheißen.

Bei seinem Dank an das Team des Palliativnetzes, das sich aus speziell ausgebildeten Fachkrankenschwestern und -pflegern, Palliativärzten, Koordinations- und Kooperationspartnern zusammensetzt, betonte der Vorsitzende die wichtige Rolle, die den Angehörigen und Freunden bei der gemeinsamen Begleitung der Schwerstkranken und Sterbenden zukommt.

Der Tod werde aus der Familie ausgelagert, etwa in die Welt der Medien: „Gestorben wird im Fernsehen, kein Abend ohne Krimi, keine Nachrichten ohne Opferzahlen“, so Teufel. Das Problem sei, dass sich Viele zeitlebens niemals mit Sterben und Tod auseinandersetzten, die eigene Sterblichkeit selbst oft im Gespräch mit dem Nächsten ein Tabu darstelle. Ein wesentlicher Faktor dabei, meinte Teufel, sei die Angst vor dem Tod und die mangelnde Erfahrung mit Sterbenden.

Umgang mit Sterbenden kann erfüllend sein

Aber anders als man glaube, erführen viele Angehörige den Umgang mit Sterbenden als erfüllend: „Memento mori - denk daran, dass du stirbst –; der Ausdruck aus dem mittelalterlichen Mönchslatein bedeutete damals, sich auf das Jüngste Gericht durch Bitten um Vergebung der Sünden vorzubereiten.“ Heute sei es wichtig und möglich durch Linderung von Schmerzen, Übelkeit, Atemnot, aber auch von Angst, die Voraussetzungen für ein würdiges Sterben zu Hause zu schaffen und dem Patienten unnötige Klinikaufenthalte und Übertherapien zu ersparen, so Teufel weiter.

Pfarrer Günter Hess verwies in seiner Predigt darauf, dass alle Weltreligionen, ob christlich, jüdisch oder islamisch geprägt, dem Ende des irdischen Daseins ein Weiterleben nach dem Tod als Botschaft verkünden. Seine Trost und Hoffnung vermittelnden Worte und die Gedichte von Dorothee Sölle, „Am Ende“, und Richhard Riess, „Die eine Frage“, wurden durch den Kirchenchor der Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt aus Seitingen-Oberflacht unter der Leitung von Markus Schmid feierlich und besinnlich umrahmt: „Was Gott tut, das ist wohlgetan.“ Das Orgelspiel von Markus Schmid versetzte die Besucher in eine nachdenkliche Stimmung.

Da Gedenkfeiern auch immer Anlässe seien, sich zu besinnen, zu erinnern, miteinander zu reden, folgten viele Besucher der Aufforderung und nutzten die Möglichkeit, sich im Foyer in schöner Atmosphäre bei Kerzenlicht, schmackhaften Häppchen und Getränken noch längere Zeit auszutauschen.

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