Offene Türen sollen helfen, Vorurteile abzubauen

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 Beim Mittagsgebet in der Spaichinger Fatih-Moschee durften Besucher am Donnerstag zuschauen.
Beim Mittagsgebet in der Spaichinger Fatih-Moschee durften Besucher am Donnerstag zuschauen. (Foto: Lothar Dittes)
Lothar Dittes

Der dritte Oktober ist nicht nur Nationalfeiertag der Bundesrepublik Deutschland, sondern an diesem Tag werden auch in der ganzen Republik die Moscheen zu einem „Tag der offenen Tür“ geöffnet. Seit 23 Jahren ist dies bei den islamischen Gotteshäusern der Fall. Interessierte erhielten so am Donnerstag auch in der Spaichinger Fatih-Moschee Einblicke in das religiöse Leben des Islam.

Der Gebetsraum darf nur ohne Schuhwerk betreten werden. Andächtig knien die Gläubigen zum Mittagsgebet auf dem Boden und hören den gesungenen Gebeten von Imam (Vorbeter) Veli Kaplan zu. Sechs Mal am Tag wird gebetet. Die Gebetsräume sind getrennt, obwohl Männer wie Frauen gemeinsam beten dürfen. Also haben die Frauen einen separaten Gebetsraum. „Seit Freitag waren schon 450 bis 500 gläubige Moslems hier, um zu beten“, sagt Akin Eski vom türkisch-islamische Verein Spaichingen. Zur Spaichinger Moschee kommen die Gläubigen aus der Raumschaft. Wehingen, Rottweil und Tuttlingen haben eine eigene Moschee und somit eigene Gemeinden.

In jüngster Zeit blieben die Moscheen und islamischen Einrichtungen vor Anschlägen nicht verschont. Froh sind die Muslime aus Spaichingen, dass es hier noch keine negativen Vorkommnisse gegeben hat. Über den Nachwuchs kann die Gemeinde nicht klagen: Viele Kinder besuchen den Islamuntericht in der Moschee. „Hin und wieder kommen Interessierte, welche den Islam besser kennen lernen und verstehen wollen und zum Teil dann konvertieren“, so Eski. Diese Zahl sei aber überschaubar, „und es sind keine radikalen Menschen dabei“, betont Akin Eski.

„Wir müssen immer noch mit vielen Vorurteilen kämpfen“ meint Eski. Daher sei es auch eine wichtige Sache, einen solchen Tag der offenen Tür durchzuführen, um den Vorurteilen entgegenzuwirken. Mit dazu beitragen sollen auch Vorträge in Schulen und Berufsschulen.

„Deutschland ist unsere Heimat“, betont Akin Eski. „Wir fühlen uns hier wohl und zuhause. Die Moscheen gehören dazu, wie auch die vielen anderen Religionen. Wir wollen in dieser Gesellschaft nicht ausgegrenzt werden.“ In Spaichingen gebe es keine Berührungsängste, weder mit der katholischen Kirchengemeinde noch mit der evangelischen Glaubensgemeinschaft.

Etwa 50 Personen kamen zum Besuch in die Fatih-Moschee. Auf die Frage, was sie bewegt (keiner wollte seinen Namen nennen) ein solches Gebetshaus zu besuchen, kam die Antwort: „Ich bin neugierig, wie so eine Moschee innen aussieht, und wie ein Gottesdienst abläuft.“ Eine weitere Frau meint: „Ich bin schon öfters in einer Moschee gewesen. Wichtig ist es für mich, dass sich Christen und Muslime untereinander austauschen und gegenseitig das vorherrschende Misstrauen abgebaut wird.“ Vieles sei doch der christlichen Religion ähnlich. In der Bibel seien es die Psalmen und im Koran die Suren.

Vor der Moschee wird auf einem Spieß leckerer Kebab gegrillt. Dazu gibt es Kaffee und Tee sowie orientalische Spezialitäten.

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