Missbrauch über Whatsapp – Verfahren eingestellt

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Über den Kommunikationsdienst Whatsapp hat der Heuberger immer wieder pornografische Bilder des Mädchens angefordert und bekomme
Über den Kommunikationsdienst Whatsapp hat der Heuberger immer wieder pornografische Bilder des Mädchens angefordert und bekommen. (Foto: Silvia Marks)
Moni Marcel

Anmerkung der Redaktion: Wir haben vor allem auf die Printveröffentlichung zwei schockierte Reaktionen von Lesern bekommen, die die explizite Darstellung kritisierten. Wir haben die missbrauchenden Textpassagen deshalb zitiert, weil Eltern oft keine Ahnung haben, welchen unmittelbaren Gefahren ihre Kinder durch das Internet und direkt mit ihren Handys und den dort verfügbaren Kommunikationsmitteln ausgesetzt sind. Es handelte sich in dem geschilderten Fall um ganz „normale“ junge Leute. Und Studien zeigen, dass Kinder oft sehr früh und häufig ungewollt mit Pornografie im Internet konfrontiert werden. Die Realität in diesem Bereich ist viel drastischer, als sich viele der Eltern- und Großelterngeneration vorstellen können. Sie können sich zum Schutz der Kinder zum Beispiel unter www.schau-hin.info informieren.

Glimpflich davongekommen ist ein 21-Jähriger am Montag vor dem Spaichinger Amtsgericht. Er war angeklagt wegen sexuellem Missbrauchs eines Kindes und Nötigung, doch nach einer Stunde einigten sich Amtsgerichtsdirektorin Beate Philipp, Staatsanwältin Isabel Gurski-Zepf und Anwalt Mirko Metzler darauf, das Verfahren gegen eine Geldstrafe einzustellen.

Der 21-Jährige aus einer Heuberggemeinde hatte vor drei Jahren Kontakt mit einer damals Zwölfjährigen aus Ostdeutschland, per Whatsapp schickte er ihr Bilder von seinem erigierten Penis und forderte sie auf, entsprechende Aufnahmen ihres Geschlechtsteils zu machen, einmal verlangte er sogar, dass sie ihren Namen mit Edding darüber schreiben sollte und sich dabei filmen, wie sie sich selbst befriedigte. Das Mädchen hatte offenbar teilweise mitgemacht, sich aber auch geweigert.

„Geil! Geil!“

Als sie einmal schrieb, sie müsse jetzt heulen, kam als Antwort vom Angeklagten: „Geil! Geil!“ Auch pornographisches Material von anderen Männern ging durch den Chat. Erwischt wurde der gebürtige Heuberger offenbar, weil die Eltern des Mädchens auf die Sache aufmerksam wurden und die Polizei einschalteten. Davor hatte er der Familie das Internet per Fernabschaltung vorübergehend lahmgelegt und dem Mädchen damit gedroht, das wieder zu tun.

Die Chatverläufe verlas Richterin Beate Philipp sichtlich angeekelt, Sätze wie „ich will nicht Deine Sexpuppe sein“ oder „warum hasst Ihr mich?“, aber auch „Du gehst jetzt den Stift holen“, „Nix aber, machs!“, „Fühle mich wie Bitch, aber ok“, „Will Deine Fotze sehen, mach Deine Beine ganz auf!“ Das Mädchen schien aber auch immer wieder offen für solche Angebote, einmal schrieb er ihr, „musst kommen und lutschen“, sie darauf: „würde ich gerne“.

Der Angeklagte zeigte sich geständig, sein Anwalt beantragte aber, das Mädchen als Zeugin zu laden, denn sie habe nicht nur mit dem 21-Jährigen, sondern auch mit zahlreichen anderen Männern Ähnliches gemacht. Auch die Polizistin aus Ostdeutschland, die das Handy des Kindes untersucht hatte, wollte er nach Spaichingen holen.

212 Bilder mit pornographischem Inhalt aus 14 Chats habe diese gefunden, „sie versandte auch selbst Bilder ihres eigenen Körpers und forderte Männer auf, ihr Bilder zu schicken“, so Metzler. Und die Staatsanwaltschaft habe bislang keinen Anlass gesehen, darauf einzugehen. Er stellte in Frage, ob man auf ein derart abgebrühtes Kind, das schon 25 verschiedene Penisse gesehen habe, mit einem 26. solchen noch einwirken könne.

Staatsanwältin Gurski-Zepf gab zu, die Akten nicht so genau zu kennen, „man könnte das als wahr unterstellen“, räumte sie ein. Der einzige Zeuge am Montag war ein Beamter aus Tuttlingen, der den Strafantrag formuliert hatte. Er war mit den Ermittlungen nicht befasst, die hatte ein Kollege gemacht, der dann in Pension ging. Auch er konnte wenig zu den Vorfällen sagen.

Anwalt Metzler betonte, dass sein Mandant vom Verfahren sehr beeindruckt worden sei, und Staatsanwältin Gurski-Zepf bestätigte, dass seitdem nichts mehr vorgefallen sei. So einigte man sich dann darauf, dem Angeklagten, der derzeit eine Lehre macht, eine Geldauflage von 1400 Euro zu machen – das sind zwei seiner Monatsgehälter – und das Verfahren einzustellen.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben vor allem auf die Printveröffentlichung zwei schockierte Reaktionen von Lesern bekommen, die die explizite Darstellung kritisierten. Wir haben die missbrauchenden Textpassagen deshalb zitiert, weil Eltern oft keine Ahnung haben, welchen unmittelbaren Gefahren ihre Kinder durch das Internet und direkt mit ihren Handys und den dort verfügbaren Kommunikationsmitteln ausgesetzt sind. Es handelte sich in dem geschilderten Fall um ganz „normale“ junge Leute. Und Studien zeigen, dass Kinder oft sehr früh und häufig ungewollt mit Pornografie im Internet konfrontiert werden. Die Realität in diesem Bereich ist viel drastischer, als sich viele der Eltern- und Großelterngeneration vorstellen können. Sie können sich zum Schutz der Kinder zum Beispiel unter www.schau-hin.info informieren.

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