Minister macht keine Hoffnung auf Besserung

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Jochen Haußmann, verkehrspolitischer Sprecher der FDP im Landtag (Zweiter von rechts), bei seiner kürzlichen Stippvisite am Spa
Jochen Haußmann, verkehrspolitischer Sprecher der FDP im Landtag (Zweiter von rechts), bei seiner kürzlichen Stippvisite am Spaichinger Bahnhof, rechts der Spaichinger FDP-Fraktionsvorsitzende Leo Grimm. (Foto: Michael Hochheuser)

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Jochen Haußmann, hatte kürzlich die Probleme mit der Barrierefreiheit am Spaichinger Bahnhof in Augenschein genommen (wir berichteten). Nach einem Schreiben an Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat der Minister nun geantwortet. Zum Fahrplanwechsel mit Zughalten auf Gleis 3, das nur über eine nicht barrierefreie Brücke erreichbar ist, macht der Minister Spaichingen laut einer Pressemitteilung des Spaichinger FDP-Ortsverbands- und Gemeinderatsfraktionsvorsitzenden Leo Grimm keine Hoffnung, dass sich an diesem beklagenswerten Zustand etwas ändern könnte.

Hermann schreibt: „Das Umlenken der in Spaichingen haltenden Intercities vom schnell befahrenen Gleis 3 auf das langsam befahrene Gleis 1 würde einen Fahrzeitmehrbedarf erzeugen. Dieser würde sich jeweils unmittelbar auf die sich kreuzenden Intercities in Oberndorf und Tuttlingen auswirken. Folglich wäre bei Befahren des Gleises 1 in Spaichingen der derzeitige ohnehin angespannte Fahrplan der Femverkehrszüge nicht mehr mit der erforderlichen Betriebsqualität fahrbar.“

Der Minister weiter: „Die DB hat mir mitgeteilt, dass eine stabile fahrplantechnische Lösung zu Gunsten der Nutzung von Gleis 1 in Spaichingen, ohne merkliche Angebotsverschlechterungen in Kauf nehmen zu müssen (wie wegfallende Anschlüsse und Halte oder Reisezeitverlängerungen), nicht erkennbar sei. Ich bedaure, dass damit der barrierefreie Zugang eingeschränkt wurde. In der Gesamtabwägung halte ich das neue Fahrplankonzept jedoch für so vorteilhaft, dass ich dieses nicht einschränken möchte. Ich baue daher auf die kommenden Ausbaumaßnahmen der Gäubahn und hoffe, dass der aktuelle Zustand nur vorübergehend ist.“

Da die Gäubahn auf 70 Kilometern zwischen Horb und Tuttlingen eingleisig ist, habe sich, so der Minister, bei der Fahrplanung die Notwendigkeit ergeben, dass sich die Intercities systematisch in den Bahnhöfen Oberndorf und Tuttlingen kreuzen. Das Land habe mit der DB Femverkehr AG die Anerkennung der Nahverkehrstickets in den IC-Zügen im Abschnitt Stuttgart - Singen vereinbart und so ein deutlich attraktiveres Fahrplanangebot geschaffen. Hermann: „Dabei wurden die Fahrplankonzepte abgestimmt. Details, wie das genaue Bahnsteiggleis eines Halts, sind aber Gegenstand von Realisierungsplanungen, die teilweise noch bis zur Inbetriebnahme des neuen Angebotskonzepts andauerten.“

Grimm bedauert, dass der Minister nicht auf eine frühere Lösung in Spaichingen eingeht, welche es möglich machte, Bahnhalte von Gleis 3 auf 1 zu verschieben, und vermisst einen Verweis auf ein Serviceangebot der Bahn, die damit werbe, im Fall des Falles bei mangelnder Barrierefreiheit Reisenden behilflich zu sein. „Wenn die Regierung schon eine eigene Landes-Behindertenbeauftragte bestellt hat, frage ich mich, wie ein Verkehrsminister den Zustand im Spaichinger Bahnhof Reisenden sozusagen als alternativlos zumutet. Hoffentlich hilft wenigstens die Bahn behinderten Reisenden von und zu Gleis 3, wie sie es verspricht.“

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