„Meine Oma wird das Opfer unserer aktuellen rückbauenden Generation“

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 Eine Frau hat in einem offenen Brief an Kreisräte, Landräte und Landtagsabgeordnete geschildert, wie schwierig es war, für ihre
Eine Frau hat in einem offenen Brief an Kreisräte, Landräte und Landtagsabgeordnete geschildert, wie schwierig es war, für ihre Großmutter ein Krankenhausbett zu bekommen. (Foto: Symbol: Federico Gambarini / dpa)
Schwäbische Zeitung

In einem offenen Brief wendet sich Heike Weber aus Gosheim an die Kreisräte, Landräte und Landtagsabgeordneten des Landes, um anhand einer konkreten Erfahrung aus ihrer Familie zu schildern, wie sich ihrer Ansicht nach die Gesundheitsversorgung im Kreis durch die Verlegung der Klinikbetten von Spaichingen nach Tuttlingen verschlechtert hat.

Sie stellt „die jetzige Realität“ am Beispiel ihrer Großmutter dar: Diese ist 90 Jahre alt, lebe noch zuhause und werde von ihrem Vater (69), seiner Schwester (59) und der Sozialstation gepflegt. „Meine Oma musste vor einigen Tagen auf ärztliche Anweisung schnellstens ins Krankenhaus eingewiesen werden“, berichtet Heike Weber. „Unser Kreiskrankenhaus Tuttlingen hat sich geweigert sie aufzunehmen“, schildert sie ihre Erfahrung. Die Begründung sei gewesen, dass keine Betten mehr zur Verfügung stünden. Das Krankenhaus in Sigmaringen sei nach mehreren Telefonaten bereit gewesen, die alte Dame aufzunehmen und zu behandeln.

„Die ganze Familie lebt im Kreis Tuttlingen und sehr viele in Tuttlingen selbst“, schreibt Heike Weber weiter. „Meine Tante, die Tochter meiner Oma, arbeitet sogar im Krankenhaus Tuttlingen. Da sie keinen Führerschein besitzt, ist es ihr nicht möglich, ohne Hilfe ihre 90-jährige Mutter zu besuchen. An ihrer Arbeitsstätte wäre es ihr täglich möglich gewesen.

„Mein Sohn war im Dezember 2003 einer der letzten Geburten in Spaichingen. Ironischerweise war er im Dezember 2019 auch einer der letzten, die die Notaufnahme nach einem Schulunfall aufsuchten.“

Durch die Verlagerung der Betten von Spaichingen nach Tuttlingen, bevor die Bettenkapazität angeglichen wurde, sei Tuttlingen offensichtlich komplett überlastet, schreibt sie. „Schade für meine 90-jährige Großmutter, die nun die ganze Woche über allein in einem Krankenhaus liegen muss, da ein schneller Besuch quer durchs Donautal nicht nach Feierabend machbar ist. Meine Oma hat kräftig mitgeholfen, das Gesundheitssystem mit dem beispiellosen Versorgungssystems in Deutschland aufzubauen. Und ausgerechnet jetzt, wo sie es benötigt, wird sie das Opfer unserer aktuellen rückbauenden Generation, die das Geld lieber in tolle Bahnhofspfeiler und Opernhäuser steckt, anstatt (wie früher) als erstes in die Gesundheit der Bevölkerung.“

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